Hommage an das Marsupilami, Band 1 (Carlsen) | Comicleser

Hommage an das Marsupilami, Band 1 (Carlsen)

Dezember 10, 2018

Schon seit einiger Zeit ist wieder alles gut. Das Marsupilami, jenes wunderbare Fabeltier mit den nicht weniger wunderbaren Fähigkeiten, das von André Franquin 1952 für die Spirou-Reihe erdacht wurde und dort schnell zum Stamm-Personal gehörte, ist wieder zurückgekehrt. Zurück in das Verlagshaus Dupuis, das die Rechte an der Figur wieder erworben hat und damit zurück auf die Seiten von Spirou. Franquin, den es seinerzeit wurmte, dass er Figuren wie Spirou und Fantasio inszenierte und berühmt machte, an denen er keine Rechte besaß, nahm bei seinem Abschied von der Serie sein Marsupilami mit und wachte fortan mit Argusaugen darüber. Einen letzten Auftritt in Spirou hatte es im ersten Album (von 1970) seines Nachfolgers Jean-Claude Fournier, und selbst dort zeichnete Franquin das seltene Geschöpf aus Palumbien selbst. Dann schuf er für das Marsupilami eine eigene Serie, die bis heute von Batem gezeichnet und betreut wird. Etliche Zeichentrick-Episoden und sogar eine Realverfilmung folgten. Aber es sollte geschlagene 45 Jahre dauern, bis das Marsupilami wieder zu Spirou zurückkehrte nämlich in dem Album „Der Zorn des Marsupilamis“ (Band 53 von „Spirou und Fantasio“), von Autor Fabien Vehlmann und Zeichner Yoann.

Der nun erschienene, unausweichliche wie auch fällige Hommage-Band (der erste von zweien) ist, anders als beispielsweise die Lucky Luke Hommagen oder die beiden Valerian Spezial-Ausgaben von Manu Larcenet und Lupano/Lauffray, nicht von einem Autor/Zeichner oder einem Duo gestaltet, sondern besteht aus diversen markanten Kurzgeschichten verschiedener Künstler. Gleich der Einstieg ist originell, wird doch die Entdeckung des Marsupilamis als humorvolle Alien-Adaption augenzwinkernd wie parodistisch inszeniert, inklusive eines (gewollten?) Übersetzungs-Insider-Gags, der mit dem Namen des Viechs bei Kauka zu tun hat. Witzig auch die zweite Episode, in der das Marsupilami die Jagd auf Blasebalg-Eichhörnchen (!) rächt. Natürlich ist auch der Großwildjäger Bring M. Backalive wieder mit von der Partie, der Besuch von seiner Tochter erhält. Dann werden der Marsu-Merchandise und der Massentourismus geschickt aufs Korn genommen, wie die futuristische Herkunft des Marupilamis geklärt. Und in einem wortlosen Abenteuer begleiten wir das possierliche Tierchen bei einer aufregenden Suche nach einer besonderen Blume.

Der Vorteil eines Bandes mit vielen Geschichten und unterschiedlichen Zeichnern sind optische Vielfalt und inhaltliche Abwechslung. Prägnante Storys, die schnell zum Punkt kommen, in den verschiedensten Stilrichtungen gestaltet. Zum Einsatz kommen hier diverse Funny-Stammzeichner des Spirou-Magazins, die bei uns weitgehend noch unbekannt sind. Aber auch einige Hochkaräter sind mit von der Partie. Darunter auch der ehemalige Spirou-Zeichner José Luis Munuera, der zur Zeit den Spirou-Serienableger mit dem Zyklotrop gestaltet und der hier einmal mehr mit großen, ausladenden Panels glänzt. Bemerkenswert auch die realistisch und actionreich erzählte „Origin-Story“, die David Tako in eindringlich düsteren Bildern furios in Szene setzt. Oder die aufwändig gestaltete Episode von Federico Bertolucci und Frédéric Brrémaud, die u.a. mit ihrer „Love“-Tierserie auch hierzulande vertreten sind (bisher vier Bände bei POPCOM). Auch Silvio Camboni, der heuer mit „Micky und der verlorene Ozean“ einen Prachtband über den Disney-Jubilar ablieferte, brilliert mit detaillierten Panels. Für Fans des Fabeltiers ist der Band, dem Carlsen diesmal sogar ein schmuckes Hardcover-Format spendiert, natürlich ein Muss, aber auch gestandene Spirou Leser und Neueinsteiger kommen hier auf ihre Kosten. (bw)

Hommage an das Marsupilami, Band 1: Neue Geschichten aus Palumbien
Text: Olivier Bocquet, Lapuss, Denis-Pierre Filippi, Pog, Jérôme Hamon, Sti, Renaud
Collin, José Luis Munuera, Frédéric Brrémaud, Mathieu Reynès
Bilder: Brice Cossu, Baba, Silvio Camboni, Thomas Priou, David Tako, Denis Goulet,
Renaud Collin, José Luis Munuera, Federico Bertolucci, Yrgane Ramon
104 Seiten in Farbe, Hardcover
Carlsen Verlag
20 Euro

ISBN: 978-3-551-73446-4

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