Love: Die Dinosaurier (Popcom) | Comicleser

Love: Die Dinosaurier (Popcom)

November 8, 2016

Love: Die Dinosaurier (Popcom)

Nach LOVE-Alben über Tiger, Fuchs und Löwe begeben sich Brrémaud und Bertolucci nun erstmals in die tier- und erdgeschichtliche Vergangenheit und widmen sich den allseits beliebten Dinosauriern, die in der Kreidezeit ihre Blüte erlebten. Die „Hauptrolle” in ihrer Handlung spielt ein junger Bambiraptor (eine Kreuzung aus Vogel und Echse), der sich alleine und Schutz suchend unter den Rumpf eines gigantischen Isisaurus verirrt und mit ihm verängstigt umherstreift, dabei immer auf dem schmalen Grat des Lebens wandernd, denn noch viel mehr als in der heutigen Tierwelt herrschte in der Frühzeit das Recht und der Biss des Stärkeren. Fressen und gefressen werden lautet die Devise und letzteres droht wieder einmal dem kleinen Bambiraptor-Dino, als sich ein Tyrannosaurus Rex mit seinem mickrigen Hirn in den Kopf setzt, ihm und seinem „Beschützer“ als vermeintlich leichte Beute den Garaus zu machen…

Wie auch diverse andere arrivierte Comiczeichner (zum Bsp. die „Sky Dolls“ Barbara Canepa und Alessandro Barbucci oder Juanjo Guarnido von „Blacksad“) verdiente sich der Italiener Federico Bertolucci seine ersten Comic-Sporen bei Disney. Er zeichnete (und zeichnet) für das italienische Micky Maus-Magazin und kam nach Arbeiten für „W.i.t.c.h.“ und „Monster Allergy“ mit Autor Frédéric Brrémaud in Kontakt. Auch der ist kein Unbekannter, veröffentlichte man doch bei uns bereits diverse seiner tierischen Titel, wie „Katzen!“ und „Richard Löwenherz“ (beide bei dani books) oder eine Funny-Fantasy-Version von Robin Hood bei Carlsen. So richtig auf dem Radar erschienen beide aber erst durch das gemeinsame Projekt LOVE, dessen vierter Band mit „Die Dinosaurier” nun bei Popcom vorliegt. Der Reihe ist gemeinsam, dass sie sich inhaltlich ausschließlich Geschichten um und mit Tieren widmet. Und das ganz ohne Worte, also unter Verzicht auf Sprechblasen oder erläuternde Textkästchen.

Anno 2013: Bertolucci signiert in München

Anno 2013: Bertolucci signiert in München

Also ein Comic in seiner reinsten Form? Oder gehören Sprechblasen einfach dazu? Darüber mag man streiten. Fest steht, dass die Story ohne Worte verständlich sein muss. Sie muss klar sein, dabei aber auch unterhaltend und im besten Fall den Leser/Betrachter fesseln. Die Handlung gewinnt ohne Worte, so paradox das klingen mag, an Gewicht. Brrémaud und Bertolucci machen das sehr gut, beherrschen diese hohe Kunst des Erzählens nur mit Bildern und präsentieren erneut eine Geschichte, in der die „Motive“ der Tiere nicht nur nachvollziehbar sind, sondern auch bisweilen zutiefst menschlich erscheinen. Klar rennt man weg, wenn Gefahr droht. Klar freut man sich, wenn man „gewinnt“ und der Gegner am Boden liegt. Menschliche Regungen bei Tieren oder tierische Instinkte, die der Mensch später übernimmt, geprägt von der Natur? Sucht’s euch aus – der mitreissenden, abwechslungsreichen und spannenden Handlung tut dieser philosophische Ansatz keinen Abbruch.

Die Natur, die Tierwelt, ist feindseliger als in den ersten Alben, was durch die düstere Farbgebung noch unterstützt und betont wird. Überall lauern Gefahren, so natürlich auch in der Luft und im Wasser. Dabei wirken manche Szenen durchaus komisch und Slapstick-artig – der gehetzte Ausdruck des Bambiraptors erinnert manchmal sogar an Scrat aus „Ice Age“. Aber wir haben hier ja keinen Funny. Bertoluccis Zeichnungen sind, wie immer in LOVE, gewohnt realistisch (soweit man das bei einem Comic über Dinosaurier beurteilen kann), dynamisch (kämpfende und flüchtende Tiere) und opulent, was auch durch die Farben betont wird. Seine Dinosaurier sind von putzig bis wahrlich Furcht einflößend bestens getroffen, kraftstrotzend, von Urinstinkten getrieben. Der Stil ist damit weit entfernt von jeglichen Disney-Ambitionen und zeigt eindrucksvoll, wie wandlungsfähig Bertolucci künstlerisch sein kann (dass er ein angenehmer Typ ist und die Ruhe weg hat, weiss man spätestens seit seinem Besuch auf dem Comicfestival in München 2013, bei dem er ein viel beschäftigter Gast war). Fressen und gefressen werden. Leben und sterben. Das Überleben des Stärkeren. Im Prinzip hat sich also bis heute nicht groß etwas geändert. Solange die Natur mitspielt. (bw)

Love: Die Dinosaurier
Text: Frédéric Brrémaud
Bilder: Federico Bertolucci
80 Seiten in Farbe, Hardcover
Popcom
14,95 Euro

ISBN: 978-3-8420-1461-9

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