The Infinity War (Panini) | Comicleser

The Infinity War (Panini)

April 16, 2018

Manchmal kommen sie wieder – das wusste schon Stephen King, und das passt auch intergalaktisch. Schließlich wollte Thanos, Halbgott vom Titan, nach dieser ganzen Malaise mit den Infinity Steinen nur noch seine Ruhe haben. Immerhin hat ihn die Allmacht, die er durch die Steine und den Infinity Gauntlet kurzzeitig erlangte, fast in den Wahnsinn getrieben, bevor ihn die Helden der Welt, abgesandt von Adam Warlock, mit vereinten Kräften gerade noch niederringen konnten. Thanos hängt seine Uniform im wahrsten Sinne des Wortes an den Nagel, vielmehr an eine Vogelscheuche auf einer Farm auf einem fremden Planeten. Die Steine hat Adam Warlock an sich genommen und unter seinem Team, der Infinity Watch, verteilt, unter anderem auf dem Planeten Monster Island. Alles scheint somit unter Kontrolle, als Farmer Thanos plötzlich gewaltige Energieschübe verzeichnet, die ihm irgendwie bestens bekannt vorkommen. Flugs macht er sich auf den Weg zur Quelle der Strahlungen, um zu ergründen, ob er mit seinem Verdacht Recht hat, und liest auf dem Weg Adam Warlock und seine Infinity Watch auf.

Auch an anderen Ecken der Galaxie nimmt man diese massiven Energiespuren wahr: Weltenfresser Galactus höchstselbst zeigt sich beunruhigt und rekrutiert die Dienste von Doctor Strange, um mit dem Meister der mystischen Mächte und seinem galaktischen Herold Norin Radd der Sache auf den Grund zu gehen. Dicht auf den Fersen dieses ungleichen Gespanns folgt ein weiterer finsterer Geselle, der eine Chance auf unendliche Macht wittert: Doctor Doom hat mit dem eigens aus der Zukunft angereisten Eroberer Kang eine fragile Allianz geschmiedet und lauert auf seine Chance. Sogar bis ins beschauliche New York reicht die Wirkung dieser kosmischen Weichenstellungen – denn dort treten immer wieder fiese Doppelgänger unserer Lieblingshelden auf: ein böser Spider-Man, Iron Man, Wolverine und auch Mr. Fantastic gehen auf ihre Originale los. „Stretcho“ beruft daraufhin alle verfügbaren Helden ins Baxter Building und hält Kriegsrat – was sich umgehend als Finte der fiesen Doppelgänger herausstellt, die die Helden per Gammabombe ins Jenseits befördern wollen, was Sue Storm und Thor mit vereinten Kräften gerade noch verhindern.

Irgendwas scheint gewaltig schief zu laufen, weshalb sich auch Earth’s Finest aufmachen in Richtung der Dimensionen, aus der die geheimnisvolle Energien zu kommen scheinen. Was alle Beteiligten nicht wissen: das Ganze ist nichts anderes als ein abgekartetes Spiel, hinter dem niemand anders als Magus steckt – jener „böse Bruder“ von Adam Warlock, der den Infinity-Handschuh und damit die Macht über das gesamte Multiversum an sich reißen will. Geschickt manipuliert der Schuft die Geschehnisse aus dem Hintergrund und sorgt dafür, dass alsbald ein monumentaler Kampf zwischen Helden, echten (Doctor Doom) und vermeintlichen (Thanos) Schurken entbrennt, bei dem das Schicksal der gesamten Galaxie auf dem Spiel steht…

Es war wohl nur eine Frage der Zeit, bis Jim Starlin, der seinerzeit die Figur des Thanos mit ersonnen hatte (seinen ersten Auftritt hatte der Kollege 1973 in „Iron Man“), zu seiner monumentalen Saga „The Infinity Gauntlet“ zurückkehren würde, in der 1991 der üble Titan alle Infinity-Steine nebst Handschuh an sich gerissen hatte und Adam Warlock die Avengers in einen scheinbar aussichtslosen Krieg schickte. Warlock und Thanos waren in der Feder von Starlin schon mehrfach aneinandergeraten, der dabei auch das Konzept der Infinity-Steine ausarbeitete. Diese „Thanos Wars“-Storylines der 70er Jahre zementierten den Ruf Starlins als Spezialist für epische Event-Sagas kosmischen Ausmaßes, dem er 1991 mit den sechs Ausgaben der „Infinity War“-Miniserie mehr als gerecht wurde. Unter massivem Werbe-Aufwand feuerte Marvel die großvolumigen Hefte (48 Seiten anstelle der üblichen 24) unters Volk und landete einen veritablen Hit – eine der einflussreichsten Storylines der 90er Jahre war geboren, mit einer Heerschar von Helden, intergalaktischen Ausmaßen und jeder Menge Tie-Ins. Kaum verwunderlich also, dass Starlin schon ein Jahr später mit dem “Infinity War” eine direkte Fortsetzung hinterherschob, die erneut in sechs voluminösen Heften von Juli bis November 1992 erschien.

Starlin fuhr auch hier wieder eine ganze Armada von Helden auf, die sich einer umfassenden Bedrohung gegenübersehen, und kehrte zu seinem ursprünglichen Konzept zurück, Thanos als vielschichtigen Antihelden zu zeichnen: nur aus Angst und Unsicherheit, so spottet Magus, habe Thanos die Allmacht an sich gerissen, an der der Titan dann ja auch prompt scheiterte. Das „the more, the merrier“-Prinzip, an dem so viele „Mega-Events“ ja scheitern, funktioniert durch die flotte Handlungsführung und vor allem schlüssige Charakterisierung der Protagonisten durchaus: auch wenn so ziemlich jeder Marvel-Held hier irgendwann im Spiel ist, liegt der Fokus eindeutig auf Magus, Thanos und Adam Warlock, in dessen Infinity Watch schon Gamora und Drax Dienst tun, die später als „Guardians Of The Galaxy“ reüssieren sollten (treffend also, dass der Herr in der Post-Credit-Scene zum eher zweifelhaften Film-Vergnügen Guardians of the Galaxy 2 erscheint).

Der Infinity-Schuber

Die Zeichnungen von Ron Lim (der nach dem Abgang von George Perez schon die erste Serie umgesetzt hatte) sind im typischen 90er-Duktus geführt, nicht ganz so exaltiert wie die großäugigen splash panels eines Jim Lee oder Todd McFarlane, aber immer mit Blick für die gewaltige Geste, wobei die klassischen Raum-Impressionen eines Jack Kirby auch entfernt Pate stehen. Auch dieser Episode war gehöriger Erfolg beschieden, weshalb 1993 „The Infinity Crusade“ den Reigen einer Storyline zunächst abschloss, auf die in den folgenden Jahren zahllose Referenzen und Querverweise folgen sollten. Spätestens seit Thanos in der Post-Credit-Scene des zweiten Avengers-Film-Epos mit einem leeren Handschuh auftauchte, schwirrte in der Community die Gewissheit umher, dass dieser Erzfeind auch auf der Kinoleinwand die ohnehin immer wieder geschickt eingestreuten Infinity Stones irgendwann sammeln und auf den Fehdehandschuh setzen würde.

2014 kündigte Marvel tatsächlich einen zweiteiligen Kinofilm mit Namen „Avengers: Infinity War“ an, der mittlerweile auf einen Streifen reduziert wurde und demnächst auf die Fangemeinde losgelassen wird. Das Kinoabenteuer scheint offenkundig allerdings eher auf Motive des „Infinity Gauntlet“ zurückzugreifen, da wir in den Trailern Thanos beim Versammeln der Steine bewundern konnten. Panini legt rechtzeitig zum Filmstart daher gleich beide Storylines nochmals auf, die für Neuankömmlinge im Marvel-Universum sicherlich nicht den besten Einstieg liefern, Freunden der Materie, die das bislang versäumt hatten, aber die Möglichkeit bieten, die Epen um Thanos nochmals im Original zu studieren, bevor die Verfilmung über die Leinwände flimmert. Für die Sammler war auch ein auf nur 555 Stück limitierter Schuber mit allen Infinity-Epen von Jim Starlin im HC-Format erhältlich, der jedoch längst ausverkauft ist.(hb)

The Infinity War: Die ewige Schlacht
Text: Jim Starlin
Bilder: Ron Lim, Al Milgrom
260 Seiten in Farbe, Softcover
Panini Comics
24,99 Euro

ISBN: 978-3-7416-0649-6

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