Marvel Klassiker: Spider-Man (Panini) | Comicleser

Marvel Klassiker: Spider-Man (Panini)

June 6, 2017

Zweihundertvierzig Seiten für ein Best Of klingt durchaus viel, aber wenn es um Spider-Man und dessen beste Stories aus den beiden Jahrzehnten der Sechziger und Siebziger geht, wird der Platz ganz schnell verdammt knapp. Trotzdem hat es sich Panini nicht nehmen lassen, nach den Klassiker Titeln mit den X-Men, den Avengers (hier erschien sogar schon eine Nummer 2) und den Fantastic Four auch einen Band mit unserem Lieblings-Wandkrabbler zusammen zu stellen, den es wie immer auch in einer auf 333 Stück limitierten Hardcover-Fassung gibt, welche als Cover – wie sollte es anders sein – das Titelbild von Amazing Fantasy 15 ziert. Der Normalausgabe spendierte man als Titel den Geier, passend zum kommenden Kinofilm „Spider-Man: Homecoming“ (Start 13. Juli), dem ersten Solostreifen mit der dritten Leinwand-Inkarnation Spideys, die dort – endlich auch im MCU – auf Herrn Toomes als Gegner treffen wird.

Aber first things first und so startet der Band natürlich mit der Origin des beliebtesten aller Marvel Helden aus dem Jahr 1962. Onkel Ben, aus großer Kraft folgt große Verantwortung. Kennen wir, immer wieder gerne gesehen. Danach folgt nicht der erste sondern der zweite Auftritt des Geiers – herrlich gradlinig und unkompliziert. Stan Lee und Steve Ditko kommen sofort zur Sache, nach wenigen Panels ist der Geier schon ausgebrochen und in Richtung Spider-Man unterwegs. Jetzt folgt ein mächtiger Vierteiler (Amazing Spider-Man 30-33), in dem Peter Parker mehr mit sich und seinen Problemen kämpft (und mit Tante Mays lebensbedrohlicher Erkrankung), als mit Superschurken, bis dann Doctor Octopus einen kurzen aber fulminanten Auftritt hinlegt. Der Vierteiler ist ein Herzstück des Bandes und beschließt gleichzeitig die Ära Steve Ditko. Den folgenden Dreiteiler, der mit Heft 50 beginnt („Nie mehr Spider-Man!“ – auf das Heft sind wir HIER bereits im Speziellen eingegangen), zeichnet nun John Romita sr., der der Reihe einen moderneren Stil mitgab. Und zum Abschluss folgen – natürlich – der (endgültige) Tod von Gwen Stacy und das (vorläufige) Ende des Grünen Kobolds.

Harry und Gwen sind da!

Klar, die Origin muss mit rein. „Spider-Man no more!“ ebenfalls, Gwen Stacys Tod auch (geschrieben von Gerry Conway). Ihr erster Auftritt, wie auch der von Harry Osborn, wird übrigens ebenfalls geboten. Was fehlt? Etliche Debuts von illustren Gegnern, von Doc Ock über den Kobold bis zu Kraven. Der Tod von Captain Stacy. Beispielsweise. Jeder altgediente Spidey-Leser kann hier mit seinen eigenen Favoriten aufwarten und alle sind berechtigt. Da ist es wieder, das Dilemma mit den zu wenigen Seiten. Aber der Band mit seinen dargebotenen Storys, die lange nicht mehr zugänglich waren (Fans sei hier die schicke alte Jahrgangsserie von Panini empfohlen, mit Einzelheften in Schubern), ist ja in erster Linie für neugierige Neuleser gedacht, die mit diesen klassischen Geschichten nicht unbedingt firm sind, die aber trotzdem einen Blick in die bewegte, aber trotzdem angenehm übersichtliche Vergangenheit Spider-Mans wagen wollen.

Zumal die ersten Jahre Spideys die typischen Charakteristiken des Dank Stan Lees entstehenden Marvel-Universums zeigen: völlig untypische Antihelden, wie ein schmächtiger Teenager, den sein Privatleben ebenso umtreibt (der Seifenopern-Aspekt), wie seine ständig präsenten Schuldgefühle (der Tod Onkel Bens, die Erkrankung Tante Mays) und daraus resultierend sein Kampf für Gerechtigkeit und gegen Superschurken. Auch die sind ungewöhnlich. Zwar gibt es die üblichen Mad Scientists wie Doc Ock, aber auch alte Männer, wie der Geier Adrian Toomis, kommen zu Superschurken-Ehren. All das hat sich bis heute verändert, die Zeit steht ja nicht still. Heute ist Spider-Man Peter Parker (muss man dazu sagen, es gibt ja mehrere) Mitglied der Rächer und Großindustrieller und angesichts der schier unübersichtlichen Masse an Mega-Events, durch die sich der wackere Leser heute regelmäßig fräsen muss, ist es durchaus angebracht, immer mal wieder auf die Anfänge zu schauen. Auf die bereits erwähnten gradlinigen Geschichten, die trotzdem clever konstruiert waren und noch sind und die die Jugend mancher altgedienter Leser prägten. (bw)

Marvel Klassiker: Spider-Man
Text: Stan Lee, Gerry Conway
Bilder: Steve Ditko, John Romita Sr., Gil Kane
240 Seiten in Farbe, Softcover
Panini Comics
24,99 Euro

ISBN: 978-3-7416-0189-7

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