Spider-Gwen, Band 1 (Panini) | Comicleser

Spider-Gwen, Band 1 (Panini)

November 27, 2015

Spider-Gwen, Band 1 (Panini)

Superhelden sterben in der Regel nicht. Um die Verkäufe anzuheizen und die Figur ins Rampenlicht zu stellen, oder um einfach mal was Neues zu probieren, sieht es bisweilen danach aus, als würden die Verlage ernst machen. Aber irgendwann kommen alle wieder. Ob Superman, Green Arrow, Johnny Storm oder Captain America. Alle ‚starben‘ und sind doch inzwischen wieder da. Putzmunter. Auch im Umfeld der Helden wird wenig bis kaum gestorben. Eine Ausnahme bildet da Gwen Stacy, Peter Parkers Freundin, die 1973 bei einem Kampf Spider-Mans mit dem Grünen Kobold auf dramatische Weise zu Tode kam. Jegliche Versuche, die Figur danach wiederzubeleben, scheiterten (zurecht), inklusive ein Auftritt in der verwirrenden wie ermüdenden Klonkriege Saga. Und doch gibt es nun eine ganze Serie mit Gwen. Die hier sogar Spider-Woman ist! Ja, wie geht das denn?

Doch zuerst zur Story: Keine einfache Situation für Spider-Woman, alias Gwen Stacy. Peter Parker, ihr Kumpel und Nachbar starb in ihren Armen. J. Jonah Jameson, der Bürgermeister, lässt sie als Kriminelle verfolgen. Ihrer Band, den Mary Janes (!) hat sie den Rücken gekehrt. Und ihr Vater, Captain Stacy, der Polizist, weiß zwar um ihre Geheimidentität, muss aber offiziell nach ihr fahnden. Und wird wiederum vom Kingpin und dessen rechter Hand, Matt Murdock, bedroht. All das unter einen Hut zu bringen ist schon fast nicht machbar. Dann kreuzt auch noch der Geier auf (der alte Adrian Toomes sieht hier mehr denn je aus wie Max Schreck aus Nosferatu) und ein ehrgeiziger, wortkarger Polizist namens Frank Castle (!!) macht ihr zusätzlich das Leben schwer, indem er eine Verbindung zum Kingpin vermutet. Und immer schwingt die Angst um ihren Vater mit, wenn Gwen auf Tour geht. Dann wird es tatsächlich eng. Der Geier greift an. Ausgerechnet bei Gwen zuhause…

Jetzt ist klar: die mächtigen Marvel Macher benutzen hier einen kleinen Trick, der eigentlich schon uralt ist, der bei DC bereits begraben und wiederbelebt wurde: wir suchen uns einfach eine Parallel-Erde. Dort würfeln wir altbekannte Charaktere und Tatsachen einmal komplett durch, behalten wichtige und entscheidende Motive bei und erhalten so als Ergebnis eine Variante, die einerseits anders, dann aber doch wieder vertraut ist (siehe auch die Elseworld-Stories bei DC). So ist Gwen Stacy in unserem Marvel-Universum natürlich weiterhin tot, während sie auf Erde-65 von der besagten radioaktiven Spinne gebissen wurde und als umstrittene Spider-Woman versucht, mit losem Mundwerk Gutes zu tun – eben wie ‚bei uns‘ Peter Parker. Dazu kommt noch ein modernes Girlie-Ambiente – Gwen ist Drummer in der angesagten Mädchen Band – und eine ganz außergewöhnlich bunte Kolorierung, die den modernen Anspruch unterstreicht und gleichzeitig der ‚neuen Welt‘ ein markantes Aussehen gibt.

Spider-Gwen erschien erstmals während der Spider-Verse Storyline, in der die unterschiedlichsten Spider-Men, -Women und -Dingens (darunter auch Spider-Ham, der (?) auch hier einen surrealen Kurzauftritt hat) aller Welten gegen einen gemeinsamen Feind standen. Die Parallel-Gwen kam dabei bestens bei den Fans an, weshalb Marvel gleich eine ganze Serie nachlegte, die erfreulicherweise wieder durch einen nicht unbedingt massenkompatiblen, ganz bestimmten Zeichen- und Farb-Stil geprägt ist, wie wir das bereits bei Black Widow oder Elektra feststellen durften. Wie Spider-Man plagen auch Gwen ähnliche Probleme. Das Privatleben ein einziges Chaos (die Band wird vernachlässigt). Die Familie, die immer in Gefahr ist (Gwens Vater kennt ihre Identität) und dann noch das elende Pflichtbewusstsein, das durch ein Trauma (hier der Tod von Peter Parker) wenn nicht ausgelöst, dann aber verstärkt wurde. Das wirkt alles frisch und ungekünstelt und zeigt doch auch, wie zeitlos die Formel um jugendliche Alltags-Superhelden, die Stan Lee und Steve Ditko bereits vor über 50 Jahren erdacht haben, noch immer ist. (bw)

Spider-Gwen, Band 1: Drahtseilakt
Text: Jason Latour
Bilder: Robbi Rodriguez
116 Seiten in Farbe, Softcover
Panini Comics
14,99 Euro

ISBN: 978-3-95798-582-8

 

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