Marvel-Tag: Die Fantastischen Vier, Heft 47 (Williams) | Comicleser

Marvel-Tag: Die Fantastischen Vier, Heft 47 (Williams)

January 27, 2017

Marvel-Tag! Zum Start des neuen, wie üblich epischen Mega-Events „Civil War II“, hat der Panini Verlag den Samstag, 28. Januar 2017, zum Marvel Tag auserkoren. Wie bei solchen „Feiertagen“ üblich (wir hatten bereits einen Deadpool-, einen Star Wars– und diverse Batman-Tage) gibt es für Fans, Sammler und Leser bei den teilnehmenden Comic-Shops (Liste HIER) einiges abzusahnen, darunter natürlich in erster Linie ein kostenloses Comic-Heft, diesmal mit Spider-Man und Deadpool, den beiden aktuellen Flaggschiffen des Verlags. Für uns bietet der Marvel-Tag einen wunderbaren Anlass, in der Vergangenheit zu schwelgen und zwei Marvel Klassiker aus der Zeit des seligen Williams-Verlages (und damit aus unseren Jugendtagen) dem geneigten Leser näher zu bringen oder zurück ins Gedächtnis zu rufen. Los geht‘ mit „Die Fantastischen Vier, Heft 47 – Dieser Mann… dieses Monster!”:

Das Ding (alias Ben Grimm) macht gerade eine schwierige Phase durch: es ist verbittert, hadert einmal mehr mit seinem Aussehen und seiner Gestalt. Dazu kommt der Ärger mit seiner Freundin, der blinden Bildhauerin Alicia Masters und dem neuen Nebenbuhler, dem Silberstürmer, der nach dem Sieg über Galactus auf der Erde verblieben ist. Jetzt irrt unser Lieblings-Ding scheinbar ziellos in den Straßen und im Regen umher, bis es von einem Unbekannten vor dessen Haus aufgegabelt wird. Was allerdings kein Zufall ist. Denn der Herr, der keineswegs hehre Absichten hegt, hat Ben zu sich gelockt, um an ihm einen selbst entwickelten Duplikator zu testen. Damit überträgt er das Aussehen und die Kräfte des Dings auf sich, während auf der anderen Seite ein Ben Grimm wieder sein menschliches Antlitz erlangt. Als Ding plant der Unbekannte, der zwar ein brillanter Wissenschaftler ist, der aber abgewiesen und verlacht wurde, sich zu rächen, indem er den großen Reed Richards vernichtet und somit beweist, dass er besser ist als er.

Sein Plan scheint zu gelingen. Denn Reed arbeitet gerade an einer gigantischen Maschine, mit der er den Subraum erforschen will, um die Welt so letztendlich besser vor scheinbar übermächtigen Bedrohungen aus dem All und aus anderen Dimensionen schützen zu können (Galactus, Annihilus und Konsorten). Wagemutig betritt Reed die Maschine, einmal mehr zum Entsetzen Sues, gesichert nur mit einem langen Seil, dessen Ende Ben halten soll, um ihn bei drohender Gefahr wieder „einzufangen“. Was natürlich prompt vonnöten ist. Doch der zuerst entschlossene Ding-Doppelgänger-Wissenschaftler zweifelt an seinem perfiden Vorhaben, sieht er doch, wie uneigennützig und tapfer Reed für das Gute und das Wohl aller eintritt. Als nach zu langem Zögern das Seil reißt, wirft sich das geläuterte Ding in die Maschine und damit in den gefährlichen Subraum und rettet Reed, wobei er sich schließlich selbst opfert und der echte Ben Grimm sein Ding-Aussehen wieder erlangt.

Panini vs. Williams: man beachte die Größe der Sprechblasen

Nach der epischen Storyline um Galactus ließen es Stan Lee und Jack Kirby etwas ruhiger angehen und präsentierten im „World’s Greatest Comic Magazine“ eine abgeschlossene FV-Story, die mit dem Ding ein Mitglied von Marvels First Family in den Mittelpunkt stellt. Oder auch nicht. Denn das Ding ist nicht das Ding, sondern ein unbekannter Mad Scientist, der verbittert versucht, mit einer Wahnsinnstat seine Reputation wiederherzustellen. Die drei anderen Mitglieder sind mehr oder weniger Beiwerk. Reed hat wie immer nur seine Forschungen und Entwicklungen im Kopf (ein Mesonenpartikelbeschleuniger soll es diesmal sein, klar), Sue spielt in erster Linie die Sorgentante, die brav zurückstehen muss, wenn Reed arbeitet (was er ja immer tut) und Johnny Storm muss sich auf dem College behaupten, wo er unerwartet Schützenhilfe vom bulligen Wyatt Wingfoot bekommt, der hier seinen zweiten Marvel-Auftritt hat.

Aktuell erhältlich; inkl. FV 47

Trotz der ungewöhnlichen Geschichte sind alle Ingredienzen aus der Marvel-Ursuppe vorhanden: zwischenmenschlichen Beziehungen und dem „ganz normalen“ Leben wird typischerweise viel Platz eingeräumt. Man hadert mit sich und anderen, man zweifelt, und die Maxime, die Stan Lee Onkel Ben prägen ließ (und die angeblich auf Voltaire zurückgeht), bewahrheitet sich einmal mehr: Aus großer Kraft folgt große Verantwortung. Hier gleich doppelt. Reed begibt sich zum Wohl der Menschheit und der Welt in Gefahr und das „falsche“ Ding muss erkennen, dass Superhelden dann doch eine gewisse Last auf ihren Schultern tragen. Optisch kredenzt uns Jack Kirby auf dem Höhepunkt seines Schaffens opulente Bilderfolgen, riesige Apparaturen, dynamische Körperhaltungen, abstrakte Welten und natürlich charakteristische Kirby-Dots. Und Stan Lee lässt seinen Reed auf der Reise in den Subraum wunderbare Wissenschafts-Monologe faseln, genauso wie es sich gehört.

Ganz Williams-typisch ist das Heft auf schlechtem, holzigem Papier gedruckt, auch die Druckqualität lässt zu wünschen übrig und das holprige, uneinheitliche Lettering dieser Zeit findet sich ebenfalls, wobei man kurioserweise immer wieder gerne die originalen Sprechblasen vergrößerte, um die längere deutsche Übersetzung komplett unterzubringen… Das US-Original erschien mit der Nummer 51 im Juni 1966, die Williams Ausgabe von 1975 trägt die Nummer 47, weil der Verlag diverse Hefte nicht auf Deutsch brachte (das holte Panini viel später nach). In der Zweitstory mischt der Dämon, der heute Daredevil heißt, gemeinsam mit der Spinne den maskierten Marodeur auf (US-Original: Daredevil #17). Das Heft sollte heute im guten Zustand etwa fünf Euro kosten. Natürlich war und ist „Dieser Mann… dieses Monster!” in diversen späteren und aktuellen Nachdrucken enthalten: in der Comic-Edition der FAZ (Band 4 von 2005) und zuletzt in „Marvel Klassiker: Fantastic Four“ vom August 2015 und Band in IV der „Offiziellen Marvel Comic Sammlung“ vom Oktober 2015.

Die Ausgabe, die zur Hochzeit des Williams Ausstoßes erschien, bleibt im Gedächtnis als intelligenter One-Shot innerhalb des klassischen Lee/Kirby-Runs der Reihe, die zuletzt leider schwächelte (Stichwort „Future Foundation“ – das war nix). Zur Zeit haben die FV tatsächlich keine eigene Heftserie in den USA, was schade ist (so tummelt sich das Ding aktuell bei den „Guardians of the Galaxy“). Und ein Grund mehr, einmal auf die ruhmreiche Vergangenheit der Fantastischen Vier zu schauen. (bw)

Die Fantastischen Vier, Heft 47: „Dieser Mann… dieses Monster!”
Text: Stan Lee
Bilder: Jack Kirby, Joe Sinnot, John Romita sr.
32 Seiten in Farbe, Heftformat
Williams Verlag
1,40 DM

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