Spirou und Fantasio Spezial, Band 27 (Carlsen) | Comicleser

Spirou und Fantasio Spezial, Band 27 (Carlsen)

April 29, 2019
Spirou und Fantasio Spezial, Band 27 (Carlsen)

Irgendwann in weiter Zukunft haben die Menschen den Weltraum erobert. Und damit ferne Welten und Galaxien. Die Gesellschaft ist hoch technisiert und automatisiert, der Heimatplanet Erde nurmehr eine vage Erinnerung. Die allmächtige Administration lenkt die Geschicke eines jeden. Ihr unterstellt ist die Stiftung Z, eine mysteriöse Forschungseinrichtung. Spirou ist wie sein Vater und sein Großvater Pankratius Angestellter der Administration. Was keiner weiß und keiner wissen darf: Spirou ermittelt heimlich gegen die Stiftung Z, um dubiose Hintermänner zu enttarnen. Schließlich ist es sein Traum, eines Tages Geheimagent zu werden. Was seiner Schwester Steffani zupass kommt. Die hat sich der Rebellion angeschlossen und versucht Spirous Kenntnisse für sich zu nutzen. Bald sind beide in höchster Gefahr und machen die Obrigkeit – sprich: die Administration – auf sich aufmerksam. Ehe sie es sich versehen, werden sie von Polizeirobotern verfolgt und überraschend von einem echten Geheimagenten gerettet. Der heißt Fantasio und hat ganz eigene Gründe für sein Handeln. Gemeinsam versuchen die drei nun hinter der Geheimnis der Stiftung Z zu kommen und decken dabei Ungeheuerliches auf…

Die Reihe „Spirou + Fantasio Spezial“ bietet Autoren und Zeichnern Gelegenheit, ihre ganz eigenen (und mitunter eigenwilligen) Interpretationen der franko-belgischen Comic-Ikonen abseits deren regulärer Serie zu liefern, die aktuell von Fabien Vehlmann und Yoann betreut wird. Autor Denis-Pierre Filippi (u.a. „Ethan Ringler“ bei Piredda und „Träume“ bei Splitter) und Zeichner Fabrice Lebault („Horologiom“ und „Mit fremder Feder“ bei Finix) entfernen sich mit ihrer Version hier sehr weit von der Vorlage. Sie machen Spirou und Reporterin Steffani zu Geschwistern, der Graf von Rummelsdorf wird zu deren Großvater und Fantasio zum eiskalten Super-Agenten, der aus triftigen Gründen sein eigenes Süppchen kocht. Diese neue Konstellation verändert auch die Charaktere, was gewöhnungsbedürftig ist: Spirou kommt eher naiv daher, Steffani ist eine furchtlose Draufgängerin und Fantasio kühl und berechnend. Natürlich dürfen Vetter Zantafio und Zyklotrop nicht fehlen, denen dann wieder ähnliche Rollen zugetragen werden, wie man sie aus der Historie der Reihe kennt.

Das Setting ist pure Science Fiction. Eine Überwachungsgesellschaft, Rebellen im Untergrund, Polizei-Roboter und allmächtige Organisationen, die ihre „Untertanen“ in trügerischer Sicherheit wiegen, kennt man aus einschlägigen Genre-Publikationen. Was das Science Fiction Ambiente besonders macht, ist die optische Opulenz der Zeichnungen, die uns eine Welt präsentieren, die irgendwo zwischen Disney-Drolligkeit (viele Roboter tragen weiße Handschuhe), Steampunk (mit fliegenden Oldtimern und Anleihen aus Spielen wie „Bioshock Infinite“) und Space Opera (Raumschiffe, diverse Planeten etc.) verortet ist. Immer wieder spendiert die Story nette Anspielungen – auf die Spirou-Historie (Rummelsdorfs Pilze) oder auf andere SF-Ikonen (Fantasio trägt eine Star Trek-Uniform). Manche Teile der Story gehen im Verlauf etwas unter – so bleibt Steffani das einzige auftauchende Mitglied der Rebellion und deren Ziele bleiben weitgehend im Dunkeln. Und am Schluss finden die Autoren mittels eines ziemlich gewagten und dennoch funktionierenden Twists dann wieder in traditionelleres und versöhnliches Spirou-Fahrwasser zurück. (bw)

Spirou und Fantasio Spezial, Band 27: Stiftung Z
Text: Denis-Pierre Filippi
Bilder: Fabrice Lebault, Greg Lofé (Farben)
78 Seiten, Softcover
Carlsen Verlag
12 Euro

ISBN: 978-3-551-77627-3

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