RoboCop versus The Terminator (Cross Cult) | Comicleser

RoboCop versus The Terminator (Cross Cult)

September 23, 2015

RoboCop versus The Terminator (Cross Cult)

Crossovers treiben mitunter seltsame Blüten. Da treffen Comic-Figuren aufeinander, die eigentlich völlig unterschiedlichen Universen entstammen und die sehr oft so gar nicht zusammen passen (gerade bringt Dark Horse in den USA ein Vampirella/Aliens Crossover…). Ziel ist es, den Fans der einen Figur die andere schmackhaft zu machen und umgekehrt, um so eine gemeinsame, möglichst große, finanziell rentable Schnittmenge zu schaffen – gerne erinnern wir uns an die klassische Begegnung zwischen Superman und Spider-Man (als ‚Super-Spider‘), damals im Ehapa Verlag. Inzwischen sind solche Crossovers gang und gäbe, manche funktionieren und manche eben nicht.

Und so ist es eigentlich logisch, dass sich in der Crossover-Comicwelt Terminatoren und RoboCop einmal begegnen. Schließlich sind ja beide Roboter mit menschlichem Antlitz und Eigenschaften, mehr oder weniger. Und schließlich ist ein gemeinsames Auftreten bei den anderen beiden SF-Franchises – genau, wir reden von Aliens und Predatoren – schon fast eher die Regel als die Ausnahme, nicht nur im Medium Film, sondern v.a. auch im Comic (zuletzt in der ‚Feuer und Stein‘-Reihe von Cross Cult). In der Comicwelt der Terminatoren haben sich die Blechkameraden schon lange erfolgreich vom Antlitz des Ur-Terminators Arnold Schwarzenegger gelöst. Umso erstaunlicher ist es, dass die beiden Maschinenwesen nur ein einziges mal gemeinsame Sache machten. Vier Hefte lang, im Jahr 1992 (später bekam es der Terminator in einem anderen Crossover auch mit Superman zu tun – 2000 bei Dino erschienen). Und noch erstaunlicher ist das Kreativ-Team, das seinerzeit hinter der Miniserie steckte: mit Walt Simonson und Frank Miller (der auch die Drehbücher zu zwei unglücklichen RoboCop-Fortsetzungen schrieb) waren zwei Künstler am Werk, die genauso ikonisch sind, wie die Figuren, die sie hier über die Seiten bewegen. Hier Frank Miller – heute nicht nur wegen diverser irritierender Aussagen umstritten – dessen ‚The Dark Knight Returns‘ bei DC noch immer im Superhelden-Genre nachhallt, dort Simonson, dessen ‚Thor‘-Run bei Marvel bis dato eine der faszinierenden und epischsten Superhelden-Serien-Abschnitte (was für ein Wort…) darstellt – der übrigens schändlicher weise noch immer nicht vollständig auf deutsch erschienen ist.

Es geht los mit einer Idee, die gleich die Verbindung zwischen Terminatoren und RoboCop herstellt. Denn Letzterer, so stellt sich heraus, verband sich einst mit Skynet und wurde so die Vorlage für den Verstand der Terminatoren. Also schickt John Connor eine Kämpferin – es wird knapp, die Menschheit steht unmittelbar vor der Auslöschung durch die Maschinen – in der Zeit zurück, um RoboCop in Detroit zu töten, ehe dieser Kontakt zu Skynet hat. Doch Flo, so ihr Name, den wir erst spät erfahren, hat mit zwei Dingen nicht gerechnet. Denn zum einen besitzt RoboCop einen Rest menschlicher Gefühle und Erinnerungen und zum anderen folgen ihr drei Terminatoren in die Vergangenheit (darunter ein Kind-Terminator, man glaubt es nicht…), die ihren Urahn beschützen sollen. Jetzt spielen Miller und Simonson geschickt mit verschiedenen Zeitlinien (wie es auch der letzte Terminator-Film tat). RoboCop erkennt, welche Gefahr er für die Menschen darstellt (oder darstellen wird) und zerstört sich selbst, was den Zeitstrom ändert. Die Folge: Skynet bzw. Terminatoren wird es nie geben. Alles wieder in Butter. Von wegen. Denn gerade rechtzeitig reagiert Skynet und verhindert (nachträglich) RoboCops Selbstmord. Später, als sich alles zugunsten der Maschinen zu wenden scheint, reist RoboCop sogar in die Zukunft, um dort als technisch aufgemotzter Cyborg Seite an Seite mit Flo gegen die Terminatoren zu kämpfen…

In der Tat kulminiert die Handlung in eine fulminante Schlacht, ein furioser Endkampf, der mit großen Bildern und ohne Worte in Szene gesetzt ist. Ganz typisch für die Macher: hier wird nicht gekleckert, sondern geklotzt. Simonsons sofort erkennbarer Zeichenstil, kantig, schon fest geometrisch, mag polarisieren, unterscheidet er sich doch massiv von typischen US-Stil. Für mache mag er gar altmodisch wirken (der Mann ist halt auch schon ewig im Geschäft). Dass die brachiale, wunderbar choreographierte Kampfaction Laune macht, die mit den Simonson typischen Soundwords unterlegt ist, welche schon bei Thor beeindruckten (‚DOOM‘), müssen aber selbst Kritiker bestätigen. Dazu kommt eine knallige Kolorierung, die dem Geschehen einen bunten Pulp-Anstrich gibt. Typisch Miller: die dramatisch-bedeutungsschwangeren Texte, die, so knapp wie möglich gehalten, stakkato-artig in vielen Kästen die Panels bevölkern. Passend auch der ironische Humor: die RoboCop Schutzeinheiten sind strohdumm und ballern auch schon mal einen Hund zu Brei und Flo verschafft sich in der Arrestzelle maximalen Respekt bei den schweren Jungs. Das geschickte Spiel mit den Zeitströmen, dazu sich wiederholende und variierende Szenen, von denen dann eine neue Handlung ausgeht, zeigen eine neue Facette des eigentlich immer gleichen Terminator-Motivs. Und die Verbindung zu RoboCop wird damit bestens verkauft.

Die Miniserie erscheint tatsächlich mit dieser Ausgabe erstmals auf deutsch, ist ergänzt um einige Skizzen und Entwürfe Simonsons, inklusive Abbildungen zweier Lithografien (eine davon sogar von Miller) und den US-Pappaufstellern, die seinerzeit jedem Heft beigelegt waren. Der Band ist übrigens limitiert auf 1444 Exemplare und wird daher demnächst wohl vergriffen sein. Fans von Miller und Simonson, wie von Terminator und RoboCop sollten also zugreifen – wo wir wieder bei der größtmöglichen Schnittmenge wären… und bei einem Crossover, das bestens funktioniert. (bw)

RoboCop versus The Terminator
Text: Frank Miller
Bilder: Walter Simonson
144 Seiten in Farbe, Hardcover
Cross Cult
19,80 Euro

ISBN: 978-3-86425-812-1

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