Captain Marvel: Zwischen den Sternen (Panini) | Comicleser

Captain Marvel: Zwischen den Sternen (Panini)

März 6, 2019
Captain Marvel-Anthologie: Zwischen  den Sternen (Panini)

Bereits 1967 schuf Stan Lee (wer denn auch sonst?) die Figur des Mar-Vell, ein Krieger der außerirdischen Kree, der auf der Erde eine Superhelden-Karriere unter dem Namen Captain Marvel einschlägt, standesgemäß mit Superkräften und einer Geheimidentität ausgestattet (als Dr. Walter Lawson). Schon bald tauchte als „Love Interest“ die NASA-Sicherheitschefin Carol Danvers in der Serie auf, die im Mai 1968 startete. Carol sollte eine immer wichtigere Rolle spielen und viel später schließlich selbst den Part des Captain Marvel übernehmen. Dessen erste Inkarnation wurde 1982 von der Infinity-Ikone Jim Starlin endgültig zu Grabe getragen – in einer beachtenswerten Graphic Novel, die 1983 auch bei uns erschien (Epic Comic-Collection Nr. 1: Der Tod des Captain Marvel), musste sich Mar-Vell machtlos geschlagen geben und starb nicht den Heldentod, sondern ganz menschlich an Krebs. Während anschließend diverse Personen als Captain Marvel auftraten (Herr Batson von der Konkurrenz nicht eingerechnet), machte Carol Danvers zuerst als Ms. Marvel Karriere, nachdem sie bei einem Unfall Kree-Erbgut und damit die Superkräfte Mar-Vells erhielt. Erst viel später, nämlich 2012, wurde sie zum/zur neuen Captain Marvel.

Was uns in die Gegenwart bringt, denn jetzt kommt mit „Captain Marvel“ der erste Film aus dem Haus der Ideen in die Kinos, in dem eine Superheldin die Hauptrolle spielt (DC hat das mit „Wonder Woman“ bereits geschafft). Als „Marvels mächtigste Heldin“, wie sie der Verlag bewirbt, wird sie wohl auch im nächsten Avengers Film („Avengers: Endgame“), der die Phase 3 im MCU beendet, eine Rolle spielen. Zum Kinostart am 7. März gibt es bei Panini für alle Interessierten, die sich in die Materie einlesen wollen, natürlich reichlich Stoff, dessen Krönung die Captain Marvel-Anthologie darstellt, die als „Zwischen den Sternen” betitelt mit über 300 Seiten die ungewöhnliche Geschichte hinter dem Namen und die wechselhafte Vergangenheit der Figur zu erhellen versucht. Natürlich beginnt der Band mit der Origin, der Urstory, die aus heutiger Sicht doch routiniert und unspektakulär erscheint. Ganz offenbar an die Geschichte Supermans angelehnt, weiß selbst das biedere grün-weiße Helden-Kostüm nicht wirklich zu überzeugen. Einzig die dynamischen, eleganten Zeichnungen Gene Colans („Daredevil“) können hier punkten und holen so noch die Kohlen aus dem Feuer.

Captain Marvel (Panel)
Mar-Vell, der erste Captain

Auch wenn er bald eine eigene Reihe erhielt, verblieb Captain Marvel in der zweiten Garde der Marvel-Superhelden – in Deutschland erschienen seine Abenteuer folglich nur als Zweitstory ab 1974 in „Die ruhmreichen Rächer“ aus dem Williams Verlag. Schon mit der nächsten Story in diesem Band verabschieden wir uns von Mar-Vell: In der skurrilen Erzählung von Roy Thomas, in der der Captain und Hulk-Kumpel Rick Jones sich die Identität teilen, trägt Captain Marvel nun immerhin seinen markanten rot-blauen Dress. Dann beginnt bereits die Geschichte von Ms. Marvel, bzw. Carol Danvers, die im Auftakt ihrer Heftreihe von 1977 im knappen Leibchen an der Seite von Spider-Man und gegen den Scorpion agiert. Es folgen diverse Gastauftritte in anderen Serien, wobei Teile der Historie der Figur, wie ihr Dasein als „Binary“, komplett entfallen. Auch so ist die Geschichte von Captain bzw. Ms. Marvel alles andere als homogen und weist in den ersten Jahrzehnten von Carol Danvers‘ Marvel-Dasein, das auch von etlichen Gastauftritten in anderen Serien geprägt ist, kein klares Profil auf. Entsprechend schwierig ist es dann auch, einigen der folgenden Abenteuern zu folgen (Beispiel: die X-Men Episode von Chris Claremont und Jim Lee, die aus einem epischen Kontext gerissen kaum nachvollziehbar ist).

Erst mit der offiziellen Annahme des Titels Captain Marvel, die 2012 mit dem Erscheinen der neuen, eigenen Reihe, vollzogen wurde, änderte sich das (was sich während des „House of M“ Events bereits abzeichnete). Carol Danvers‘ Alter Ego spielte fortan eine ständige und wichtige Rolle im Marvel Universum, die nun mit der Verfilmung ihren vorläufigen Höhepunkt findet. Auch die Identität der Ms. Marvel wurde bekanntlich neu und erfolgreich vergeben. In ihre Rolle schlüpfte die junge Muslima Kamala Khan, die als Teenager ihre eigene Reihe so frisch und frech aufmischte, wie das Spider-Man einst in seinen besten Tagen tat. Wer die 2012er Serie von Captain Marvel weiterlesen will kann das in den beiden Panini-Bänden von „Captain Marvel: Sie fürchtet weder Tod noch Teufel“ tun. Optischer Höhepunkt dieser Anthologie sind die drei „Secret Avengers“ Ausgaben 26-28 im Rahmen des Avengers vs X-Men Crossovers von 2012, mit feinen Zeichnungen von Renato Guedes, die an den Stil eines Frank Quitely erinnern, nur detaillierter. Auch der außergewöhnliche „Malstil“ von Dexter Soy im ersten Heft der 2012er Serie sorgt für Abwechslung. Natürlich gibt es zwischen den Storys des Bandes, der von Panini exklusiv zusammengestellt wurde, diverse redaktionelle Erläuterungen und Hintergründe zum jeweils folgenden Geschehen und den Charakteren. Ein preislich attraktiver, ambitionierter, fetter Band, der diverse Schlaglichter (wenn auch nicht alle) aus der Historie der Figur dem Leser nahebringt, was nicht immer einfach ist. (bw)

Captain Marvel: Zwischen den Sternen
Die Captain Marvel-Anthologie
Text: Stan Lee, Roy Thomas, Gerry Conway, Chris Claremont,
Brian Reed, Rick Remender, Kelly Sue DeConnick,
Brian Michael Bendis, Margaret Stohl, Robbie Thompson
Bilder: Gene Colan, Gil Kane, John Buscema, Michael Golden,
Jim Lee, Roberto de la Torre, Renato Guedes, Dexter Soy,
David Lopez, Jim Cheung, Brent Schoonover
324 Seiten in Farbe, Hardcover
Panini Comics
29 Euro

ISBN: 978-3-7416-1032-5

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