Marvel Klassiker: Thor (Panini) | Comicleser

Marvel Klassiker: Thor (Panini)

November 13, 2017

 

Anlässlich des dritten Thor Streifens („Thor: Ragnarök“ – auf Deutsch etwas ungelenk „Tag der Entscheidung“ betitelt), der aktuell weltweit in den Kinos läuft, veröffentlicht Panini diverse Titel, bei denen der Donnergott im Mittelpunkt steht. Neben der Neuauflage der Ragnarök Storyline von Michael Avon Oeming, die als Inspiration für den Film (neben „Planet Hulk“) gilt, ist das eine Thor-Anthologie als eine Art „Best of“ und ein neuer Klassiker-Band, der Abenteuer und Geschichten aus der Frühzeit des Avengers beinhaltet. Im Gegensatz zum Film, der komödiantisch und unterstützt von einer achtziger Jahre Knall-Optik daherkommt (eine Variante, mit der Marvel einmal mehr alles richtig macht, was der Erfolg des Film unter Beweis stellt), weht im Klassiker-Band ein ganz anderer, nämlich bierernster Wind, den in erster Linie der große Jack „The King“ Kirby verantwortete. Wobei Ragnarök hier auch mehr als einmal thematisiert wird.

Los geht‘s natürlich mit der Origin, der Entstehungsgeschichte Thors. Die kommt äußerst kompakt daher und erschien im August 1962 in Heft 83 von „Journey into Mystery“. Auf nur 13 Seiten findet der schmächtige, gehbehinderte Chirurg Dr. Donald Blake den (noch namenlosen) Hammer, wird zum Donnergott, entdeckt, beschreibt und übt seine Kräfte und vereitelt eine Alien-Invasion der Erde. Danach folgt ein großer inhaltlicher wie zeitlicher Sprung. Thors frühe Abenteuer (die seinerzeit im Williams Verlag erschienen sind) werden übersprungen, inzwischen hieß „Journey into Mystery“ längst „Thor“ und widmete sich ausschließlich dem Asen, der sich schnell zu einer populären Figur im stetig wachsenden Marvel-Universum mauserte. Schon längst ist Thor ein Gründungsmitglied der Rächer; aber die hier folgenden Geschichten finden ausschließlich in Asgard und auf der Erde statt. Wir steigen ein in Thor Nr. 149 vom Februar 1968 und verfolgen Thors Abenteuer durchgehend bis zur Nr. 157. Gestaltet werden die Episoden vom legendären Duo Stan Lee und Jack Kirby, wobei hier Kirby wohl auch inhaltlich tonangebend war.

Inzwischen hat sich ein umfangreiches, nordisches Thor-Universum ausgebildet. Ein hochtechnisiertes Asgard, die von Heimdall bewachte Regenbogenbrücke, Allvater Odin, der bösartige und verschlagene Loki, die drei Musketiere Fandral, Hogun und der dicke Volstagg (erstere übrigens an Erol Flynn und Clint Eastwood angelehnt). Der tapfere Balder und die anmutige, edle Sif, die Thor vorbehaltlos (und offenbar völlig platonisch) liebt. Dazu gesellt sich die altertümliche Sprache Thors, in der er anfangs noch nicht parlierte. Thor ist auf der Erde und seiner göttlichen Macht beraubt. Trotzdem muss sich der nun verwundbare Donnergott mit dem wilden Wrecker herumschlagen, dem wiederum der listige Loki Macht verlieh. Wie immer zieht Loki im Hintergrund die Strippen. Und damit nicht genug: Sif, im Körper des Zerstörers (bekannt aus dem ersten Thor-Film), tritt an, ihren Geliebten zu retten, doch der erkennt sie nicht (logisch), so dass ein neuer Kampf entbrennt. Danach folgt eine direkte Auseinandersetzung mit Loki, ehe mit Mangog ein Monstrum, befreit wird, dessen Macht das ganze Universum bedroht – Stichwort Ragnarök.

Epische, bildgewaltig inszenierte Kämpfe. Ein Loki als intriganter unzerstörbarer Dauerfeind. Markante Auftritte von Hela, der Todesgöttin und Karnilla, der Nornenkönigin, die – natürlich vergebens – den edlen Balder becirct. Und ein Allvater, dessen Macht mächtiger als alles ist. Mit einem Wort: essenzieller Thor. Und essenzieller Kirby, der die wüsten Kloppereien dynamisch bebildert und dabei stets noch einen drauflegt. Der seine Damen, bestückt mit Wespentaillen, gerne in theatralischen und übertrieben dramatischen Posen festhält, beinahe wie einst die Stummfilmstars agierten. Das ist alles zugebenermaßen ziemlich archaisch und obendrein völlig humorbefreit, was jedoch dem Lesevergnügen keinen Abbruch tut. Humor gab’s ja genug bei Spidey und den FV. Eine etwas kuriose Dreingabe beendet den Band: zwei von Neal Adams gezeichnete Thor-Hefte. Adams, berühmt durch seine Batman Comics und die Hard-Travelling Heroes (Green Lantern & Green Arrow), arbeitete auch eine Weile für Marvel und löste bei Thor Jack Kirby ab, der seinerseits verbittert zu DC wechselte. Ein durchweg gelungener Band mit Abenteuern, die man so nicht erwartet hätte, die aufgrund ihrer Durchgängigkeit (immerhin neun US-Hefte am Stück) erkennen lassen, was die Faszination der Reihe damals ausmachte. Für Sammler gibt’s wie immer eine Hardcover-Edition des Bandes in 333 Exemplaren für € 30,- pro Stück. Und wer Thor dann wieder lustig sehen will, der geht eben ins Kino. (bw)

Marvel Klassiker: Thor
Text: Stan Lee, Larry Lieber, Jack Kirby
Bilder: Jack Kirby, Neal Adams, Vince Colletta, Joe Sinnott
260 Seiten in Farbe, Softcover
Panini Comics
24,99 Euro

ISBN: 978-3-7416-0388-4

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