Loki, Band 1 (Panini) | Comicleser

Loki, Band 1 (Panini)

Februar 4, 2016

Loki, Band 1 (Panini)

Nachdem er schon auf der Kinoleinwand drauf und dran war, seinem Stiefbruder und den ganzen Avengers komplett die Show zu stehlen, war es eigentlich nur eine Frage der Zeit, bis man Loki, dem durchtriebensten aller Gaunergötter, eine eigene Serie spendierte. Aber wer nun glaubt, dass es bei ‚Loki – Agent Of Asgard‘ nur darum geht, wie der Lügenbaron aufs immer Neue versucht, den Donnergott auszuschmieren und den Thron an sich zu reißen, der sieht sich – typisch Loki eben – getäuscht. Vielmehr darf der Herr im Rahmen von Marvel Now! einen Neustart wagen, der zumindest oberflächlich betrachtet eine Art Rehabilitation darstellt. Denn nachdem Loki sich unentrinnbar in seine Ränkespiele verstrickt hat, leistet er sich seinen größten Trick – und stirbt. Freilich nur um wiedergeboren zu werden, vom Young Avenger Wiccan mit einer unverbrauchten, neuen Hülle als junger Mann versehen. Als solchen rekrutiert ihn die Allmutter für ihre Zwecke: dieses Herrscherinnen-Triumvirat des neuen Asgardia, bestehend aus Odins Holder Freya, Mutter Gaea und der hübschen Idunn, heuert Loki an. Eben als Agent, als Mann für alle Fälle, der auf heikle Missionen geschickt wird. Als Lohn für jeden erfolgreich absolvierten Auftrag versprechen ihm die drei, jeweils eine seiner Missetaten aus dem kollektiven Gedächtnis zu löschen.

Das gefällt unserem ex-Bad Boy natürlich gut, und so macht er sich erst einmal auf, sich auf einem einsamen Berggipfel das Schwert Gram zu besorgen, jene Klinge, die Sigurd, der erste mythische Held Asgards, schwang und dann an Odin übergab. Damit bewaffnet, dringt er ins Hauptquartier der Avengers ein und spießt seinen Stiefbruder ordentlich auf. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt – denn offenkundig steht der gute Donnergott unter dem Einfluss des finsteren Elfen Malekith (besser bekannt als Christopher Eccleston), und der beherzte Stoß mit dem magischen Schwert bringt ihn wieder zur Raison. Mission accomplished, würden wir mal sagen. Auftrag 2: Loki soll Lorelei ausfindig machen, die jüngere Schwester von Enchantress, die vor allem durch immer neue Verkleidungen und wagemutige Raubzüge von sich reden macht. Und die sich mal an Thor und auch an Loki herangemacht hatte. Loki bemüht Informationsquellen, die Asgardia niemals anfassen würde – also Zeitung und Internet – und stellt Lorelei in Monte Carlo, wo sie das weltberühmte Casino um diverse Einnahmen erleichtern will. Dort gelingt ihr knapp die Flucht, aber jetzt ist sie abgebrannt und braucht dringend Kohle. Wo findet man das? Richtig, bei paarungswütigen Männern, die nicht viele Fragen stellen, und so finden wir den Gestaltwandler Loki bald als Undercover-Teilnehmer beim…Speed Dating! Dort gelingt es ihm zwar tatsächlich, die begehrte Dame zu finden, aber vorher fliegt er selbst auf, als er an Verity gerät, die die besondere Begabung hat, jede Lüge sofort zu durchschauen – was das Leben nicht unbedingt immer sehr heimelig macht.

Die Variant-Cover-Edition

Die Variant-Cover-Edition

Einstweilen scheint die Allmutter ein ganz eigenes Spiel zu spielen, indem sie den „alten“ Loki wieder erweckt und ihren Gemächern gefangenhält. Der darf einen geistigen Ausflug unternehmen und sich zurück erinnern an die Zeit, als er mit einem gewissen Odin Borsohn durch die Lande zog und sich mit der Familie von Hriedmar in die Haare geriet, dessen Sohn er mutwillig umbrachte. Hriedmar fordert als Wiedergutmachung einen Haufen Gold, den Loki bereitwillig organisiert und damit Zwietracht sät: Fafner ermordert seine eigene Familie und wird durch das magische Gold in einen Drachen verwandelt, während sein Bruder Regin auf Rache sinnt und sich dafür das mythische Schwert Gram schmiedet, das in der Hand von Sigurd zum Einsatz kommt und den Drachen niederstreckt. Aber Loki zieht seine Fäden und sorgt dafür, dass die legendäre Heldenklinge, die Jahre später in den Besitz von Odin gelangt, von diesem in einer Schatulle versteckt wird, wo sie dann auf Loki oder auch Sigurd ihrer Bestimmung harrt…

Al Ewing gelingt in diesem Start der eigenen Serie ein ganz neuer Blickwinkel auf den ewigen Schlingel, der hier deutlicher an seine Wurzeln in der nordischen Mythologie geführt wird. Dort ist er nämlich deutlich weniger verschlagen als in seiner Comic- und Film-Inkarnation, wo er ja in erster Linie danach strebt, die Krone Asgards an sich zu reißen oder – wie in seinem Debut in der ersten Avengers-Ausgabe von 1963, deren Coverzeichnung hier in einer Szene originalgetreu nachgestellt wird – einfach nur seinem Bruder die Hölle heiß zu machen. Der im wahrsten Sinne des Wortes neu geborene Loki scheint auf den ersten Blick durchaus gewillt, seine düstere Vergangenheit auszuradieren, aber gegen sein Naturell als arglistiger Täuscher kann er dann doch nicht ganz ankämpfen, was zu einigen spannenden Fragen Anlass gibt – macht er etwa mit Lorelei gemeinsame Sache? Ganz und gar dubios schließlich ist die Rolle der Allmutter, die einerseits den geläuterten Loki auf gefährliche Missionen schickt, sein altes Ich aber ebenso in der Hinterhand hält.

In der Gestalt des Sigurd führt Ewing ergänzend noch eine Figur ein, die im germanischen Mythenraum als Siegfried der Drachentöter (und wahlweise als Hansrudi Wäschers Ritterlicher Held) bekannt ist, hier allerdings eher als Schwerenöter, Frauenheld und Söldner durchs Geschehen eilt. Versehen mit einigen hintersinnigen Seitenhieben auf die menschlich-allzumenschliche Tendenz, es mit der Wahrheit nicht unbedingt zu genau zu nehmen (beim Speed Dating sagt Verity jedem Bewerber auf den Kopf zu, wie er sie gerade anlügt), entsteht so ein beschwingter Reigen durch Midgard, Asgard und Raum und Zeit, der durch die Einführungstexte auch für solche Leser halbwegs verständlich ist, die die neuesten Entwicklungen in der Marvel-Kontinuität nicht kennen. Lee Garbett liefert saubere Arbeit im klassischen Superhero-Stil und setzt durch größere Panels und seine Hommage an Avengers 1 auch einige Glanzpunkte. Der vorliegende Band 1 versammelt die US-Hefte ‚Loki: Agent Of Asgard‘ 1-5 von 2014, eingerahmt von einer kleinen Vorgeschichte aus ‚All-New Marvel Now! Point One‘ 1. Band 2 – bei dem Doktor Doom das Cover ziert – erscheint am 19. April. Sammler erfreuen sich an einer auf 222 Stück limitierten Variant-Cover-Edition, die diesmal ebenfalls als Softcover daher kommt und für 20 Euro zu haben ist. (hb)

Loki, Band 1: Liebesgrüße aus Asgard
Text: Al Ewing
Bilder: Lee Garbett
124 Seiten in Farbe
Panini Comics
14,99 Euro

ISBN: 978-3-95798-628-3

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