Asgard (Splitter) | Comicleser

Asgard (Splitter)

November 29, 2013

Asgard

Asgard, der Schmied. Auch Eisenfuß genannt. Er wurde mit einem verkrüppelten Bein geboren und dürfte gar nicht leben. Denn als Skraeling, als mit einem Makel behafteter Mensch, hätte er von seinem Vater als Neugeborenes getötet werden müssen. So will es die Tradition der Wikinger. Doch er wurde verschont und lebt nun als Außenseiter abseits der Siedlungen im Fjordland. Asgard ist auch der beste und hartnäckigste Jäger weit und breit. So ist es kein Wunder, dass er sich aufmacht, den Krokken zu finden und zu töten, ein geheimnisvolles Meeresmonster, das die Fjorde unsicher macht und Fischerboote zerstört, als wären sie aus Papier.

Begleitet wird er u.a. von Gözlin, einem Mitglied der Hildur, der Leibgarde des Königs und von der jungen Fischerin Sieglind, die er zuvor als Schiffbrüchige gerettet hatte. Der erste Teil ist dann auch eine Art nordische Moby Dick Mär mit einem sturen, verbohrten Asgard, dessen Wesenszüge denen des Kapitän Ahab nicht unähnlich sind. Der Krokken, das Monster, dezimiert Asgards Mannschaft, doch am Ende, tief im abgelegenen Fjordland, scheint das Vieh besiegt. Denkste. Just als das Schiff verloren ist und neben Asgard und Sieglind nur noch die amazonenhafte Kristen übrig sind, taucht der Krokken wieder auf, so wie man das von anständigen Monstern eben erwartet. Am Ende bleibt Asgard und Sieglind nur die Flucht und ein Kampf ums blanke Überleben gegen Erschöpfung, Hunger und Kälte im eisigen Fjordland beginnt. Bis es am Ende zum Showdown kommt.

Die Geschichte geht tief hinein in die nordische Mythologie. Während die Anleihen an Moby Dick oder auch an Spielbergs Hai in der ersten Hälfte noch offensichtlich sind, mutiert das Monster dann in den Augen der Überlebenden zu Jörmundgand, der Midgardschlange (der Krokken ist eine gigantische Muräne), Vorbote von Ragnarök, des Weltuntergangs. Ja, da hat Autor Dorison richtig intensiv recherchiert und sorgt damit trotz der offensichtlichen Fantasy-Thematik für erfrischende Authentizität, weit weg von den gängigen Wikinger-Klischees.

Ralph Meyer ist ein echter Pariser, trotz des vertraut klingenden Namens. Seine Veröffentlichungen in Deutschland sind allesamt Volltreffer. Sei es der fantastische Dreiteiler ‚Tödliches Wiegenlied‘, den La Mangouste Band aus ‚XIII Mystery‘ oder zuletzt ‚Die schwarze Seite‘ bei Salleck. Alles feinste franko-belgische Comickunst auf höchstem Niveau, übrigens auch inhaltlich. Meyers realistischer, tusche-betonter Zeichenstil liegt irgendwo zwischen Giraud, Wilson und Boucq, bleibt dabei aber absolut eigenständig. Einen echten Meyer erkennt man sofort. Mit Autor Dorison hat er sich mit einem weiteren Hochkaräter zusammengetan, dessen Geschichten immer einen Schuss Mystik beinhalten (Das Dritte Testament, Heiligtum, Long John Silver, W.E.S.T.). Und Dorison sorgt dann auch für die mystisch-abenteuerliche Handlung, die am Ende zu einer Suche nach Asgards wahrem Ich wird.

Im neuen Double-Format, das zwei Originalbände in einem zusammenfaßt, kann man die Story in einem Rutsch lesen. Das ist bequem und spart dazu noch ein paar Euro gegenüber den Einzelbänden. Gute Idee. (bw)

Asgard
Text: Xavier Dorison
Bilder: Ralph Meyer
112 Seiten in Farbe, Hardcover
Splitter Verlag
22,80 Euro

ISBN: 978-3-86869-678-3

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