Thor: Himmel und Erde (Panini) | Comicleser

Thor: Himmel und Erde (Panini)

Dezember 5, 2013

Thor: Himmel und Erde (Marvel Exklusiv, Band 107)

Nummer 107 der Reihe Marvel Exklusiv. Der Band beinhaltet eine vierteilige Miniserie, die eigentlich keine ist. Vielmehr handelt es sich um vier abgeschlossene Stories rund um den Donnergott, der gerade im Kino seinen zweiten großen Solo-Auftritt hatte. Vier Geschichten, vier verschiedene Zeichner und ein Autor: Paul Jenkins. Der Brite ist bereits ein alter Hase im Metier und verdiente sich seine Meriten v.a. bei Marvel, und dort bei Geschichten, die thematisch sich auch gerne mal etwas abseits der gängigen Superhelden-Pfade bewegten (Spider-Man).

Auch hier – er schreibt erstmals den Donnergott – greift er ungewöhnliche Thematiken auf und vertieft diese in sinnigen Dialogen: Während Asgard angegriffen wird, diskutiert Thor mit seinem verschlagenen Bruder Loki, der mal wieder in Ketten liegt, über das Wesen und die Notwendigkeit der Lüge. Dann bekniet der Donnergott einen vermeintlichen Selbstmörder, erst um dessen Geiseln freizubekommen und dann um dessen Leben. Und lernt schmerzlich die Grenzen des Gottseins kennen. Wunderbarer Höhepunkt des Bandes ist der Glaubens-Disput mit einem sterbenden Priester, der sich fragt, wie er Thor und die Asengötter in sein religiöses Weltbild einordnen soll. Oder kann. Und der damit einen gestandenen Superhelden schwer nachdenklich zurück lässt. Als Abschluss folgt eine märchenhafte Story um den roten Drachen von Wales und einen Autor von Fremdenführern.

Vier Zeichner, mit bisweilen extrem unterschiedlichem Stil und der Gemeinsamkeit, dass jener weit weg vom Mainstream ist: Lan Medina ist bekannt u.a. durch Fables, Spawn: Godslayer und Aria. Mark Texeira zeichnete schon Wolverine und die X-Men Origins (Marvel Exklusiv, Band 83). Auch Ariel Olivetti sammelte bereits X-Men Erfahrung. Einzig Pascal Alixe (ein Franzose, der sich zu den Superhelden verirrt – das passiert nicht oft), dessen Stil dann auch noch am kommerziellsten ist, hat noch keine größeres Werkverzeichnis aufzuweisen. Aber Kern des Bandes sind nicht die Zeichnungen, sondern die einzelnen Stories.

Die Geschichte mit dem Priester regt zum Nachdenken an und man fragt sich, wieso noch kein anderer Autor die Idee hatte, diese heikle Thematik aufzugreifen: Da steht plötzlich einer, der sich Gott nennt und dessen Existenz damit das erste Gebot pulverisiert. Wie ordnet man so jemanden als gläubiger Christ in sein Weltbild ein? Und dann der Selbstmörder, der von dem Gott Thor Unmögliches verlangt. Ein Gott, der Grenzen hat? Auch Thor kommt ein ums andere Mal ins Grübeln.

Ein inhaltlich und zeichnerisch gelungener Band, der eine angenehme Abwechslung in der täglichen Superhelden-Routine bietet. Wie immer bei der langlebigen Exklusiv-Reihe gibt es auch von diesem Titel eine limitierte Hardcover-Variante. (bw)

Marvel Exklusiv, Band 107: Thor – Himmel und Erde
Text: Paul Jenkins
Bilder: Ariel Olivetti, Mark Texeira, Lan Medina, Pascal Alixe
100 Seiten in Farbe
Panini Comics
14,99 Euro (Softcover)
25 Euro (Hardcover. lim. 333 Ex.)

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