Superman – Secret Origin (DC/Panini) | Comicleser

Superman – Secret Origin (DC/Panini)

March 20, 2012

Also auf den ersten Blick scheint das ja so ziemlich das unspektakulärste Thema unter unserer gelben Sonne zu sein: Die Geschichte des kleinen Kal-El, der von seinem Vater in eine Rakete gestopft und auf die Erde geschossen wird, um der Explosion des Heimatplaneten Krypton zu entgehen, dürfte in etwa die bekannteste Superhelden-Entstehungsgeschichte überhaupt sein. Da steckt jede Menge jüdische Integrationssehnsucht drin – die beiden Schöpfer Jerry Siegel und Joe Shuster verliehen ihrem Helden genau das, wonach sich die Einwanderer in den 30er Jahren im gelobten Land USA sehnten: Fremd, aber dennoch unerkannt in der neuen Welt, und noch zum Retter, Helden und Symbolfigur avancieren, das ist der überhöhte American Dream, den die Superman-Story transportiert (Michael Chabon hat das in seinem wunderbaren Roman ‘The Adventures Of Cavalier And Clay‘ anrührend gestaltet).

Um so bemerkenswerter ist es, dass Geoff Johns, der kreative Kopf hinter den Epen ‚Infinite Crisis‘ und ‚Blackest Night‘, das Kunststück gelingt, eben diese sattsam bekannten Elemente so neu, frisch und spannend zu interpretieren, dass ganz unterschiedliche Heldenjünger ihre Freude haben sollten. Die Mini-Serie, die 2009 in sechs Einzelheften erschien und jetzt als Sammelband vorgelegt wird (Band 77 der Reihe DC Premium, auch als limitierte HC-Version für 30 € erhältlich), greift verschiedene Handlungsmomente und Zentralfiguren des Superman-Universums auf und liefert zwar keine radikal neue Einsichten, aber neue Blickwinkel auf oft Gesehenes. Band 1 und 2, ‚The Boy Of Steel‘ und ‚Superboy And The Legion Of Super-Heroes‘, ranken sich um das schrittweise Erkennen eines jugendlichen Clark Kent, dass er über besondere Kräfte verfügt und ganz offenkundig buchstäblich nicht von dieser Welt ist. Diese beiden Auftaktbände sind in Erzählduktus und Zeichnungsstil (fein inszeniert von Gary Frank) stark an die Smallville-TV-Serie angelehnt, komplett mit wissender Beziehung zu Lana Lang und aufkeimender Rivalität zu Lex Luthor. Das Auftreten der Legion der Superhelden bringt eine hübsche Reminiszenz an die brave 50er-Ausgabe der Legion, als Saturn Girl und Phantom Girl noch hochgeschlossen herumflogen (das war in den 70ern anders, da sind uns ja fast die Augen rausgefallen) und Cosmic Boy noch nicht im fragwürdigen Latexanzug daher stolzierte.

Mit Teil 3, ‚Mild-Mannered Reporter‘, nimmt Clark Kent dann seinen Job als Reporter beim Daily Planet auf, und hier bauen Johns und Frank dann als Projektionsfläche die klassischen 50er/60er-Ausprägungen der Comics sowie den ersten (ja eben daran angelehnten) Superman-Film ein – Anzug und Brille sind im Original-Christopher-Reeve-Look, und die erste Kräftedemonstration ist direkt aus dem Film entlehnt: Supie fängt einen fallenden Hubschrauber nebst ebenso stürzender Lois Lane auf (was haben wir atemlos vor dem Fernseher geklebt, als diese Szene 1978 als Ausschnitt in ‚Der große Preis‘ gezeigt wurde…) und begrüßt die Dame mit einem lockeren „Hi“. Im Hintergrund agiert weiterhin der grimme Lex Luthor, der Superman seine wachsende Popularität neidet, und ihm allerlei Kroppzeug auf den Hals hetzt: der Parasit und John Corben alias Metallo sind erzählerische und graphische Verneigungen vor dem unsterblichen 60er/70er-Run von Curt Swan, den ich in seiner fragwürdigen Inkarnation im Ehapa-Verlag auf immer lieben werde.

Neben einiger Action wirft Johns ganz nebenbei auch eben die Fragen der Integration und Xenophobie auf, die den Mythos schon immer durchzogen: Luthor gelingt es zunächst, nur aufgrund der Fremdheit Hass gegen den Neuankömmling zu schüren, was gegen Ende in eine elegante Auflösung mündet: auf die abschließende Frage von Lois Lane, „Bist Du Mensch…oder Alien?“, entgegnet Kal-El entspannt: „Nur Superman, Lois“. Weit entfernt von jeder Biederkeit bietet die Story in der modernen, von Angst vor dem Fremden dominierten Welt somit jede Menge Aktualität. Und das ist ja schließlich das, was das sprichwörtliche „gute Buch“ ausmacht. Und ein Mordsspaß zu Lesen ist es auch. Zumal Lois Lane einen wirklich knackigen Hintern hat. (hb)

Text: Geoff Johns
Bilder: Gary Frank
220 Seiten in Farbe, Softcover
Panini Comics
19,95 Euro

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