Justice League Anthologie (Panini) | Comicleser

Justice League Anthologie (Panini)

September 7, 2018

Gerechtigkeitsliga! Unter diesem klingenden Namen erschien im seligen Ehapa-Verlag ab 1977 eine großformatige Alben-Reihe, die vollmundig mit dem Slogan „Die großen Superhelden in einem Team!“ auftrat. Mit heißen Ohren verfolgte ich da die meist intergalaktischen Abenteuer meiner damals in der Tat hochgeschätzten Heroen: Superman, Batman, Wundergirl, Roter Blitz, Grüne Laterne, Aquaman, Falke, manchmal auch Grüner Pfeil, Blitzschwalbe und Zatannah versammelten sich da in einem beeindruckenden Satelliten, der auf seiner Umlaufbahn um die Erde kreiste und der Liga als Hauptquartier diente, und bekämpften Krisen, die für jeden einzelnen der Kämpen eine Nummer zu groß gewesen wären. Was mir damals nicht klar war: diese „Satellite Era“ der Liga war noch relativ jung und begann erst 1969, mit Heft 77 der US-Serie „Justice League of America“, als die vorherige Zuflucht in einer Höhle vom Joker verwüstet wurde und man sich nach einer neuen Bleibe umsehen musste. Auch dass zu den eigentlichen Gründungsmitgliedern der JLA noch ein gewisser grünhäutiger Marsianer namens J’onn J’onnz gehörte, war den begeisterten deutschen Lesern der 70er kaum geläufig.

Der Martian Manhunter nämlich war mit am Start, als Justus Schwartz im Jahr 1959 eine alte Erfolgsidee runderneuerte: schon 1939 war mit der Justice Society Of America das alte Universal-Monsters-Prinzip „the more the merrier“ auf den Seiten der Comics angelangt. Man warf die populären Figuren des Golden Age kurzerhand in einen Topf und ließ Superman, Batman, Wonder Woman sowie die ersten Inkarnationen des Flash und der Green Lantern gemeinsam auftreten. Auf der Höhe des Silver Age, als die Neuauflagen dieser Helden (komplett mit zeitgemäßen Kostümen, also ohne Hermes-Helm und Umhang) für Furore sorgten, entsann man sich im Hause DC auf diesen Kunstgriff und ließ in Ausgabe 28 von „The Brave And The Bold“ 1960 den ersten Testballon steigen, der auch den Reigen dieser Anthologie eröffnet. Aus der Feder von Gardner Fox erleben wir hier eine Auftaktstory (nicht Origin – man kennt sich eben ohnehin im Kreise der Helden), die die Blaupause für die erste Phase der JLA-Abenteuer abliefert: eine intergalaktische Bedrohung tritt auf den Plan, deren unverkennbare Zeichen zerstörerische Absichten und ein Name mit Endung –o sind.

Sei es der Weltraum-Seestern Starro, der von Professor Ivo gebaute Roboter Amazo oder der Alien-Gewaltherrscher Despero: Earth’s finest – in der Startaufstellung fanden sich Superman, Batman, Green Lantern, Flash, Aquaman, Wonder Woman und Martian Manhunter – versammeln sich und werden dann getrennt, um dem jeweiligen Lumpensohn Mores zu lehren, wobei jedes Kapitel („Starro vs. Green Lantern!“, „Starro vs. Flash!“) die besonderen Fähigkeiten der Einzelhelden unterstreicht. Die Lehre dabei: gemeinsam sind wir stärker. Und weil jedes Team einen Sidekick braucht, trat auch 1960 gleich Snapper Carr mit auf, ein ziemlich nerviger Pimpf, der permanent mit den Fingern schnipste und eine „launige“ Jugendsprache führt – offenbar sollte mit diesem Ehrenmitglied der JLA eine Identifikationsfigur für die jugendliche Leserschaft geschaffen werden. Schon im November 1960 bekam die JLA ihre eigene Heftreihe, in deren Ausgabe 4 von 1961 („Fluch des Sternendiamanten“) Green Arrow zur Truppe stieß, was sich hier ebenfalls nachlesen lässt.

Repräsentativ für die Satelliten-Ära, in der Batman-Veteran Dennis O’Neil schon einige Neuerungen angebracht hatte (für die Abgänge Wonder Woman und Martian Manhunter kamen nun Black Canary und Red Tornado ins Team), bringt die vorliegende Sammlung den Zweiteiler „Phantom im Schatten“ (JLA 104) und „Wolf im Schafspelz“ (JLA 105) von 1973 aus der Feder von Len Wein und inszeniert von Dick Dillin, der das Erscheinungsbild der Liga lange prägte. Neben der Story, in der der Android Red Tornado die Liga unter dem Einfluss des Mad Scientist Thomas Morrow (To-Morrow – kapiert?) unterwandert, darf man hier noch die Einführung des Elongated Man miterleben – jener Figur, die Justus Schwartz schon 1960 ganz bewusst in Anlehnung an Plasticman aus dem konkurrierenden Whiz-Verlag in Auftrag gegeben hatte und die kurze Zeit später Stan Lee auch bei seinem Mr Fantastic vorgeschwebt sein dürfte. Vollends interstellar-ausladend geht es dann im Mehrteiler „Krise in der Ewigkeit“ zu, der 1976 als „Crisis In Eternity“ bzw. „Crisis In Tomorrow“ in den JLA-Heften 135-137 erschien (und 1977 als Band 2 der deutschen Gerechtigkeitsliga-Alben-Reihe um drei Seiten gekürzt herauskam).

In diesem Epos von Schreiberling E. Nelson Bridwell hat Kull, Herrscher der Biestmenschen, ein gewaltiges Hühnchen mit so ziemlich allen Helden zu rupfen, die das damalige DC-Universum aufzubieten hatte. Denn neben unseren bekannten Freunden konnten dank des Kunstgriffs diverserer Erden im Multiversum auch die „alternativen“ Varianten der alten Justice Society wieder auf den Plan treten: auf Erde 2 verortet, gaben sich die Golden Age-Versionen von Flash (mit Helm), Green Lantern (mit Umhang), Dr. Fate, Hourman und anderen Recken die Ehre, mit denen sich die JLA mittlerweile regelmäßig zu Jahrestreffen zusammenfand. Aber damit nicht genug: 1972 hatte DC auch die Rechte an den Figuren des Fawcett Verlages erworben, die man flugs auf Erde-S platzierte und auch in diese Story einbaute, so dass auch kuriose Recken der 30er und 40er Jahre mit klingenden Namen wie Spy Smasher, Bullet Man und Ibis der Unbezwingbare zu neuen Taten schreiten konnten (was uns als jugendliche Leser offensichtlich nicht im Geringsten verwirrte, da die Erklärungen der verschiedenen Erden teilweise recht dünn ausfielen – aber um solche Kleinigkeiten kümmerten wir uns nicht weiter, und dass Spy Smasher uns politisch korrekt als „Strongman“ untergejubelt wurde, wussten wir ja nicht).

In der Jubiläumsausgabe 200 von 1982 erzählte dann Gerry Conway doch noch eine ordentliche Origin-Story: „Eine entzweite Liga“ versammelte mit Jim Aparo, Brian Bolland, Dick Giordano, Carmine Infantino und Gil Kane die Créme der DC-Zeichner und ließ die Gründungsmitglieder der Liga mit der aktuellen Besetzung (darunter Firestorm, Zatanna und Atom) aneinandergeraten, wobei das alte Prinzip „Ein Team pro Kapitel“ als Hommage an die alten Zeiten wieder auflebte. Bald danach war allerdings erst einmal Licht aus im Liga-Lager: die Serie wurde eingestellt. Im Zuge der „Crisis on Infinite Earths“, in denen man dem ganzen DC-Universum 1985 eine radikale Erneuerung verordnete, wurden auch die Karten für die Liga neu gemischt, die schließlich 1987 neu an den Start ging – allerdings unter durchaus anderen Vorzeichen. Das großspurige „of America“ verschwand (zumindest kurzzeitig), man firmierte nur noch unter „Justice League“, außer Batman und Martian Manhunter war keiner der bekannten Protagonisten im Aufgebot, und auf dem Cover feixte ein frecher Guy Gardner provokant „wanna make something of it?“, also in etwa „Habt Ihr ein Problem damit?“

In dieser anfangs durchaus populären, frechen Neuauflage ging es mindestens eben so viel um die Zänkereien und Machtgerangel im Team wie um die Abwendung von Bedrohungen aller Art. Aber auch dieser Impuls reichte nicht für einen nachhaltigen Aufschwung, weshalb man in den 90ern erneut die Richtung wechselte. In den Händen von Grant Morrison kehrte die Justice League zu ihren Anfängen zurück, wobei Morrison die ganze Chose als Neufassung der antiken Mythenwelt interpretierte: in seinem Pantheon benimmt sich die Liga wie eine moderne Version des Olymp, der mit Superman als Zeus, Wonder Woman als Hera und Flash als Hermes (also doch!) in einem monumentalen Wachturm auf dem Mond residiert. In der Storyline „Die Frau der Zukunft“ (JLA 5 von 1997) greift Morrison elegant auf Len Weins klassische Red-Tornado-Geschichte aus den 70ern zurück: Professor Ivo und T.O. Morrow streiten sich darüber, wer denn nun den besten, nicht erkennbaren Androiden schaffen kann – was Morrow mit seiner Tomorrow Woman offenbar gelingt, die in einer Rekrutierungsrunde der JLA den Zuschlag erhält, bevor sie beginnt, ihre bösen Aufträge auszuführen (und dann abtrünnig wird). In der Neuzeit kommt die Anthologie schließlich an, als Batman 2001 aus der Liga geworfen wird („Traumteam“ von Mark Waid), bevor das Kapitel „Neue Horizonte“ mit dem New 52-Beitrag „Das Geheimnis von Cheetah“ von 2012/13 den Reigen dann beschließt.

Wie alle Anthologien bietet somit auch diese fette Ausgabe mit insgesamt 14 Einzelheften, ausführlichen und informativen Einführungstexten, den bekannten Riss-Zeichnungen des Satelliten (für die wir als „Superposter“ damals unsere Sammelpunkte einlösen konnten), wunderbaren JLA-Interpretationen von Alex Ross sowie einer umfassenden Galerie von Helden und Schurken das ultimative Kompendium in Sachen Gerechtigkeitsliga, in denen sich die verschiedenen Phasen der Truppe wunderbar nacherleben lassen. Fast schon ebenso unerlässlich wie für Kinozuschauer (wobei sich der auf der Leinwand ansatzlos eingeführte Cyborg auf den Comicseiten erst seit 1980 tummelt und seit 2012 zur JLA gehört) scheint dieser Kanon für alle Freunde der TV-Serien aus dem DC-Universum, die vor allem in Flash und Legends Of Tomorrow das Konzept der Erde 2 weidlich nutzen, um Golden Age-Helden wie Jay Garrick als Flash oder die ganze Justice Society ins Spiel zu bringen. Und natürlich für alle, die endlich wissen wollen, wie eindrucksvoll und logisch die Abenteuer in den Superman-Taschenbüchern und Gerechtigkeitsliga-Alben in guter Übersetzung und ohne Kürzungen aussehen können. (hb)

Justice League Anthologie
Text: Gardner Fox, Len Wein, Grant Morrison,
Mark Waid, Gerry Conway u.a.
Bilder: Mike Sekowsky, Dick Dillin, Howard Porter,
Bryan Hitch, George Pérez, Alex Ross u.a.
436 Seiten in Farbe, Hardcover
Panini Comics
34,99 Euro

ISBN: 978-3-7416-0504-8

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