Flash: Rebirth (Panini) | Comicleser

Flash: Rebirth (Panini)

August 31, 2015

Flash: Rebirth (Panini)

Wahres Wort und auch gültig beim Roten Blitz: es kann nur einen geben! Denn auch wenn das Flash-Universum mittlerweile gewaltige Dimensionen erreicht hat, ist der Kriminalist Barry Allen für viele, mich inklusive, der einzig wahre Blitzmann. Die Götter des DC-Universums hatten es aber zuerst weniger gut mit ihm gemeint: nachdem er im Affekt seinen ewigen Gegenspieler Reverse Flash getötet hatte und diskreditiert war, verabschiedete er sich mit seiner geliebten Iris in die Zukunft. Im monumentalen Epos ‚Crisis On Infinite Earths‘, in dem Mitte der 80er Jahre das gesamte DC-Universum auf den Kopf gestellt wurde, opferte er sich schließlich im Kampf gegen den Anti-Monitor und war seitdem in der Speed Force gefangen, jener geheimnisvollen Sphäre, die allen Speedstern der Erde ihre flinken Kräfte verleiht.

Nach einem kurzen Gastspiel im weiteren monumentalen Epos ‚Final Crisis‘, in dem – Überraschung – das DC-Universum auf den Kopf gestellt wurde – galt für Barry schließlich im Jahre des Comic-Herren 2009: nicht ist für die Ewigkeit. Schon gar nicht das Abhängen in einer seltsamen Parallelwelt. Furios kehrt er zurück, rennt in Hochgeschwindigkeit – und ist immer noch getrieben von der Suche nach dem wahren Mörder seiner Mutter, der dafür gesorgt hat, dass sein Vater unschuldig im Gefängnis starb. Aber irgendetwas stimmt nicht, der Rote Blitz fühlt sich gehetzt, unruhig, getrieben – und als plötzlich der psychopathische Sektenführer Savitar aus der Speed Force befreit wird, kommt es zur Katastrophe: Barry berührt ihn nur, und schon zerfällt er zu Staub. Das gleiche Schicksal ereilt seine Hohepriesterin, bevor sich die dunkle Energie in Barry Allen vollends kristallisiert: er wird zum Black Flash, der zerstörerischsten Inkarnation der Speed Force überhaupt. Verzweifelt zieht er sich dorthin zurück, immer in Gedanken an seine geliebte Iris – aber in der Speed Force trifft er nicht nur auf die tot geglaubten Flitzemänner Johnny Quick und Max Mercury, sondern auch eine gewisse, in gelb gekleidete Nemesis, die sich süffisant als Drahtzieher nicht nur des Comebacks, sondern allen Leidens in Barrys bisherigem Leben zu erkennen gibt…

Starautor Geoff Johns, der 2014 auch für die Pilotepisode der auch hierzulande höchst erfolgreichen Flash-TV-Serie verantwortlich zeichnet, liefert in der hier neu aufgelegten Miniserie ‚Flash: Rebirth‘ von 2009 wahrlich ein grande furioso, in dem sich unser Lieblings-Blitz mit den Schatten der Vergangenheit genauso auseinandersetzen muss wie mit den Bedrohungen der Zukunft. Er ist ein Getriebener, der fast schon pathologisch an dem Gedanken verzweifelt, dass er die Unschuld seines Vaters nicht mehr rechtzeitig beweisen konnte (ein kleiner Spin der Flash-Entstehungsgeschichte, der auch in der TV-Serie zum Tragen kommt). Der Stilisierung zum makellosen Helden, die seit seiner Rückkehr eskaliert, steht er skeptisch gegenüber, genauso wie der Vorstellung, Iris erneut zutiefst verletzen zu müssen. In einem ausladenden Aufgebot an Speedstern, von seinem Vorgänger Jay Garrick (dem Original aus den 40ern, komplett mit Hermes-Helm) über seinen Nachfolger Wally West (ehemals Kid Flash, jetzt richtiger Flash) bis hin zu dessen Kindern und seinem Enkel Bart Allen und anderen Helden, von der Gerechtigkeitsliga über die Teen Titans, spannt Johns ein fast schon apokalyptisches Panorama, dessen Hintermann für alle Kenner der schwersten Stunde des Flash (der legendären Death Of Iris-Storyline) unschwer zu erraten sein dürfte.

Was an der Miniserie neben der Erzähltechnik mit vielen Flashbaks und Querverweisen (z.B. auf die Wohltätigkeitsrennen zwischen Superman und Roter Blitz, die in den 70ern auch in Deutschland aufwendig unters Volk kamen) besonders gefällt, ist die aufwendige, spektakuläre Inszenierung durch Ethan Van Sciver. In bisweilen filigraner, bisweilen bombastisch-epischer Ausgestaltung erschafft dieser den Geschwindigkeitsrausch und Parallelsphären ebenso überzeugend wie die leiseren, zwischenmenschlichen Töne. Ein ausladendes, rasantes Werk also, das Panini komplett mit den US-Ausgaben ‚Flash: Rebirth‘ 1-6 (original erschienen von Juni 2009 bis April 2010, in Deutschland erstmals als Band 69 in der Reihe DC Premium) nochmals von der Startlinie feuert, um alle Fans von Barry Allen und sicherlich auch Anhänger der TV-Serie zu erfreuen, deren zweite Staffel gerade bei uns startet. (hb)

Flash: Rebirth
Text: Geoff Johns
Bilder: Ethan Van Sciver
164 Seiten in Farbe, Softcover
Panini Verlag
14,99 Euro

ISBN: 978-3-95798-473-9

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