Black Science, Band 6 (Splitter) | Comicleser

Black Science, Band 6 (Splitter)

Oktober 18, 2018

Verzwickter könnte die Lage nicht sein für Grant McKay: kaum hat er der bösen Hexe Doxto seinen Verstand im Gegenzug dafür überlassen, dass sie ihn und seine Gefährten schont und per Ochsenherz die Dimensionspfeiler wieder gangbar macht, findet er sich zwar in seiner Heimatdimension wieder – die aber ist längst von seinem ewigen Konkurrenten Kadir dominiert, der sich seine Frau Sara unter der Nagel gerissen hat und ihr erzählt, Grant habe die gemeinsamen Kinder Pia und Nate auf dem Gewissen. Pia, die aus dem Multiversums-Wirbel zurückkehrt, muss feststellen, dass man ihren Vater, der ständig vor Schatten und Geistern warnt, die angeblich vor der Türe stehen, kurzerhand in die Psychiatrie gesteckt hat.

Der gewissenlose Geschäftemacher Block, der die Entwicklung der Pfeiler in Auftrag gegeben hat, nutzt die Erfindung derweil weidlich aus: auf gewaltigen Raubzügen durchstreifen er mit seinen Spießgesellen die Universen, holt sich Ressourcen und Sklaven, wie er lustig ist, und bietet seinen „Geschäftspartnern“ auch sonst Vergnügungen aller Art. Aber dann bricht das Unheil genauso herein, wie McKay es vorhergesehen hat. Der Dimensionsempfänger, den Pia immer noch bei sich trägt, schlägt an – was nur bedeuten kann, dass Nate in der gleichen Welt ist. Pia macht sich auf nach Hong Kong, woher das Signal zu stammen scheint, und macht eine erstaunliche Entdeckung: zumindest eine Version von Nate hat in irgendeiner Dimension überlebt und bekämpft als eine Art durchgedrehter Robin mit Kevlar-Hose und gelbem Umhang diverses Kroppzeug. Das versucht sich in Form der telepathisch begabten Ziriten auch auf der Erde breitzumachen, aber Pia wird von Nate mit in die Dimensionen genommen, wo eine ganze Bande von Superhelden mit klingenden Namen wie Sister Napalm, Atomic Fury und Sensational Genius XI die interdimensionalen Gefahren abwehrt.

Dass sich das Lumpenpack dennoch den Weg auch in Pias Heimat bahnt, kann das Heldengespann nicht ganz verhindern – aber dann kommt es zur erstaunlichen Wendung: der alte Kumpan Brian befreit McKay aus seiner Haft, nachdem sich niemand mehr der Erkenntnis erwehren kann, dass an dem Gefasel des angeblich wirren Geistes doch etwas dran sein muss. Während sich McKay in einem chaotischen Trümmerfeld auf die Suche nach Frau und Tochter macht, erkennt auch Kadir, dass Block ein rechter Drecksack ist – aber dann brechen auf einmal die Draina, der aus den Dimensionsreisen leidlich bekannte Todeskult telepathisch kommunizierender Tausendfüssler, über unsere Recken herein…

Dieses wirbelnde Kapitel in Rick Remenders sinnverwirrender Dimensionsreise zerfällt in ziemlich genau zwei Teile: da sind die teilweise psychedelischen Weltensprünge, auf die Pia plötzlich gerissen wird, wo sie nicht nur tausend Bedrohungen, sondern auch zahlreiche Inkarnationen und Variationen so ziemlich aller Heldenfiguren vor allem des DC-Universums erlebt, die in unterschiedlichsten Gruppierungen à la Justice Society, Justice League und anderen Kämpferclubs ihre Welt vor außerirdischem Abschaum bewahren. Fast ein wenig ausladend wird es da, wie in den besten Infinity-Sagas des kosmischen Autors Jim Starlin, bei dem ebenfalls das ganze Heldenpersonal aufgeboten und wild durch die Galaxien geschickt wurde. Auch die eher sinnerweiternden Ausflüge des Doctor Strange stehen hier Pate, genau wie die Reisen der Fantastischen Vier, etwa als Johnny Storm aus finstersten Ecken den Universaldestruktor organisiert, mit dem er Galactus in Schach hält.

Gerade als diese ganzen Episoden ins allzu Knallige abzudriften drohen, wendet Remender den Fokus auf eine straighte Action-Storyline: Grants Flucht durch die Stadt gerät wie eine Folge aus der Mission: Impossible-Reihe, komplett mit Schießereien, Autoverfolgungsjagden und abenteuerlichen Stunts. Das liest sich flott und macht die Sache, die an der Kante zum Kippen ins zu Abgedrehte stand, dann wieder sehr goutierbar. Auch wenn am Ende ein riesiges, mörderisches Stofftier um die Ecke lugt, das dann wieder alle meucheln will. Aber so kennen wir Herrn Remender ja. Der vorliegende Band bringt die Einzelhefte Black Science 26-30, die unter dem Titel „Forbidden Realms and Hidden Truths“ schon im Original gesammelt wurde, mit einer schmucken Cover-Galerie (inkl. diverser Spawn-inspirierter Zeichnungen!). (hb)

Black Science, Band 6: Verbotene Orte und verborgene Wahrheiten
Text: Rick Remender
Bilder: Matteo Scalera, Moreno Dinisio
128 Seiten in Farbe, Hardcover
Splitter Verlag
19,80 Euro

ISBN: 978-3-96219-073-6

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