Der Tod der Inhumans (Panini) | Comicleser

Der Tod der Inhumans (Panini)

Mai 22, 2019
Der Tod der Inhumans (Panini)

Jaja, die kriegerischen Kree. Erst kloppen sie sich eine gefühlte Ewigkeit mit den Skrulls und stehen dann wortwörtlich vor den Trümmern ihres Heimatplaneten Hala. Was sie aber nicht davon abhält, weiter Krieg zu führen, nachdem man sich in einem radikalen Schritt der Obersten Intelligenz entledigt hat. Ihr neues Ziel sind die Inhumans, die einst (wir sprechen hier von Tausenden von Jahren) von den Kree erschaffen wurden. Genetisch verstärkte Menschen, die als billiges und willfähriges Soldaten-Material dienen sollten. Doch die Inhumans machten sich mit der Zeit unabhängig von den Kree. Heute leben Medusa, Gorgon, Maximus, Karnak, Lockjaw u.a. unter ihrem König Black Bolt in New Arctilan auf dem Mond. Unter einem Vorwand wird die königliche Familie weggelockt, während die Kree die Stadt in Blut und Asche verwandeln. Es gibt erste prominente Opfer unter der Inhumans. Dann offenbart sich ihr neuer, tödlicher Gegner: als eine Art Super-Inhuman scheint Vox unbesiegbar und setzt unbeirrt seinen Ein-Mann-Feldzug fort. Nachdem Karnak in diplomatischer Mission scheitert, und auch Black Bolt zum Gefangenen wird, suchen sich die übrigen Inhumans unter Königin Medusa angesichts des drohenden Untergangs einen ungewöhnlichen Verbündeten. Einer, der einst würdig war, Thors Hammer zu heben…

Natürlich ist der Titel der Miniserie, die hier komplett in einem Band vorliegt (5 US-Hefte), reißerisch gewählt. Aber es wird auch gestorben. Ob endgültig, mag man angesichts der üblichen Superhelden-Klischees und der der Marvel-Historie bezweifeln. Oder? Aber darum geht es nicht wirklich. Im Zentrum der Story steht vielmehr Black Bolt, der Mitternachtskönig, der einer alten Prophezeiung der Kree nach deren Untergang herbeiführen soll. Black Bolt ist mit einer einzigartigen Macht ausgestattet: seine Stimme, so sie denn ertönt, kann ganze Planeten auslöschen. Eine gefährliche Waffe. Weshalb der König auch zumeist schweigt. Auf diese Waffe konzentriert sich Autor Donny Cates. Zuerst lässt er Black Bolt eindrucksvoll eine Kostprobe seiner Macht abliefern, in der der Inhuman König nur mit einem leise gesprochenen Wort ein ganzes Raumschiff antreibt. Später, als Black Bolt geschwächt ist, wird er geradezu redselig – wie auch verwundbar. Schon bald stehen die Inhumans angesichts des übermächtigen Gegners Vox, der nur der Erste einer ganzen Reihe geplanter Super-Inhumans ist, mit dem Rücken zur Wand. Black Bolt kämpft als Gefangener der Kree seinen eigenen, harten und entschlossenen Kampf, während der Rest der königlichen Familie einen alten Kämpen rekrutiert, der auch für trocken-humorige Einlagen sorgt.

Am Schluss wird die Story des Bandes dann wieder versöhnlicher (Stichwort Superhelden-Klischees und Marvel-Historie). „Leider“, möchte man fast sagen. Denn der rigorose Handlungsablauf bis dahin, der auch die sterbliche Seite der Inhumans, die Stan Lee und Jack Kirby dereinst für „Die Fantastischen Vier“ 1965 erdachten, zeigt (Hund Lockjaw und Maximus segnen vermeintlich das Zeitliche), überzeugt und kann in Verbindung mit den Dialogen und den begleitenden Texten, die das Schicksal der Inhumans mit dem des antiken Roms immer wieder vergleichen, voll punkten. So wirkt der Twist vor dem letzten Kapitel etwas bemüht und mag als Konzession an das Genre gelten. Inszeniert ist die Miniserie von dem Argentinier Ariel Olivetti („Thor: Himmel und Erde“ u.v.a.), der schon als Routinier in Sachen Superhelden durchgeht. Seine Zeichnungen sind realistisch gehalten, in einem feinen Stil, der in seiner rauen Ehrlichkeit und Form an den von Frank Quitely erinnert. Hart, düster und ausdrucksstark kommen die Panels daher und spiegeln die grimmige Stimmung bei Black Bolt & Co. bestens wider. Wer mehr von den Inhumans will, sollte sich übrigens besser auf die auch bei uns erschienenen Comics konzentrieren – die TV-Adaption scheiterte krachend. Hier war nach nur einer Staffel und schlechten Kritiken Schluss. Trotz Ramsay Bolton… (bw)

Der Tod der Inhumans
Text: Donny Cates
Bilder: Ariel Olivetti, Jordie Bellaire (Farben)
124 Seiten in Farbe, Softcover
Panini Comics
14,99 Euro

ISBN: 978-3-7416-1253-4

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