Dan Cooper Gesamtausgabe, Band 9 (Splitter) | Comicleser

Dan Cooper Gesamtausgabe, Band 9 (Splitter)

October 12, 2017

Zack – das alte Zack aus dem Koralle Verlag. Wurde 1980 eingestellt, was mich damals als Abonnent des Magazins (mein Vater machte es möglich) schon hart traf. Zwar reichte die Qualität der Serien und deren Helden nicht mehr an frühere Jahre heran – ich erinnere hier nur an die unsägliche Kevin Keagan Story – aber einige der altgedienten Recken der ersten Stunde waren noch immer mit von der Partie, darunter auch Dan Cooper, der im letzten Zack-Heft von Koralle noch ein Teil-Abenteuer bestritt. Was vor allem daran lag, dass Zeichner/Texter Albert Weinberg (wie andere auch, darunter Charlier, Giraud und natürlich Dieter Kalenbach) inzwischen seit geraumer Zeit exklusiv für den Verlag, bzw. das Magazin tätig war. Aus dieser Ära stammen nun die Geschichten dieses aktuellen Bandes der Dan Cooper Gesamtausgabe. Geschichten, die lange Zeit nicht mehr nachgedruckt wurden und erhältlich waren.

Der Band beginnt mit zwei kurzen Abenteuern („Das Geheimnis der fliegenden Steine“ und „Verrat auf Boneyard 22“), ehe mit „Projekt F-18“ eben jenes Album kommt, das in der Nr. 32, dem letzten Zack-Heft, als Fortsetzung enthalten war: Auf der Basis Cold Lake in Kanada findet ein wichtiger Wettbewerb statt. Es geht um die Anschaffung neuer Kampfjets. Die „Fulgurs“ aus Norwegen treten in Konkurrenz zu den etablierten F-18 der kanadischen Luftwaffe an. Während Dan die Kanadier leitet, werden die Norwegen von den zwielichtigen Brüdern Adriano angeführt. Und die haben – wie kann es auch anders sein – nichts Gutes im Schilde. Um den Wettbewerb zu gewinnen, schrecken sie vor Betrug und Sabotage nicht zurück, auch wenn es dabei um Menschenleben geht… Das Setting Albert Weinbergs erinnert an die Buck Danny Episode „Blaue Engel“, die zehn Jahre zuvor, 1970, entstand. Auch hier hing es um einen fliegerischen Wettstreit, letztendlich um viel Geld und um einen Kampf, der mit unlauteren Mitteln geführt wird. Weinberg vermeidet es, die norwegischen Piloten als Antagonisten darzustellen. Unter ihnen befindet sich auch Gunnar, Randis Bruder, den Dan einst rettete (siehe Band 5 der Gesamtausgabe). Die kriminelle Energie geht ausschließlich von den Adriano-Brüdern aus, deren perfider Plan am Ende an einer Kleinigkeit scheitert. Warum ausgerechnet solch offensichtliche Taugenichtse ein derartiges Unternehmen leiten, bleibt dabei im Dunkeln.

Mit „F-111 in Gefahr“ folgt ein Album, das nicht mehr im Zack-Magazin, sondern als Band 10 der Dan Cooper Albumreihe 1981 veröffentlicht wurde (Koralle führte nach dem Ende des Heftes noch einige Zeit Zack-Serien in Einzelalben fort, wie beispielsweise auch „Rick Master“). Eine F-111, ein Jagdbomber mit Schwenkflügeln, verschwindet über der Beringstraße. Man befürchtet eine Notlandung auf russischem Gebiet. Brisant, vor allem in jenen Zeiten des Kalten Krieges: an Bord des Flugzeugs, das von Dans altem Kumpel Kid Dereika (siehe Band 5 und 7 der GA) geflogen wird, befindet sich eine Cruise Missile mit Atomsprengkopf. Damit der verschollene Kid nicht auf russische Täuschungsmanöver hereinfällt, holt man Dan. Der soll mit seiner vertrauten Stimme Funkkontakt zu Kid herstellen und danach die Kohlen aus dem Feuer holen, wobei er einen gefährlichen Handel mit den Russen eingeht… Das Album wirkt durch die verschiedenen Schauplätze und diversen Handlungsfäden, die erst nach und nach ein Gesamtbild ergeben, komplexer und erzählerisch sprunghafter als gewohnt. Tatsächlich gehen Thematik und Aufbau eher in Richtung eines Tom Clancy Romans – wichtige Entscheidungen werden von Militärs ganz oben getroffen, Spionage und Sonderkommandos spielen große Rollen und Dan als Hauptakteur droht zum politischen Spielball zu werden. Am Ende wird alles gut, wenn auch anders als gedacht, und ein kleiner, nicht unerwarteter Twist beendet das Album.

Der Abschluss des Bandes findet dann wieder in Kanada statt. In „Die Fliegerin ohne Namen“ (früher „In teuflischer Mission“) rettet Dan im frostig-stürmischen Nova Scotia eine Dame aus einem havarierten Sportflieger. Die junge Frau steht offenbar unter Schock und scheint unter einer Total-Amnesie zu leiden. Wer sie ist, warum sie das Flugzeit flog, der Grund des Absturzes – unbekannt. Gleichzeitig trifft auf der Basis General Saloza ein, der Diktator einer südamerikanischen Bananen-Republik. Geld stinkt ja bekanntlich nicht und daher versuchen die Kanadier, dem General diverse Flugzeuge anzudrehen, und ausgerechnet Dan soll für Saloza den „Verkäufer“ spielen, was bei dem gerechtigkeitsliebenden Dan einen moralischen Konflikt auslöst. Bald wird klar, dass die Dame weder das Gedächtnis verloren hat, noch zufällig auf der Basis ist. Vielmehr ist sie Gegnerin des Saloza-Regimes und verfolgt einen ganz eigenen (Rache-) Plan… Sowohl die Umstände der Anwesenheit der jungen Pilotin, als auch die Kaufabsicht des Diktators sind hier etwas weit hergeholt. Dennoch führt Weinberg auch diese beiden Geschichten sauber zusammen und präsentiert am Ende einen vollkommenen Sieg der Gerechtigkeit, der sich in einer spektakulär inszenierten Verfolgungsjagd in der Luft und sowohl über- als auch unter Wasser anbahnt.

Der gewohnt ausführliche Sekundärteil behandelt natürlich das Ende des Zack-Heftes und die daraus entstehenden Auswirkungen auf die Arbeit Albert Weinbergs und seine Serie, wobei auch – passend zu den Unterwasser-Szenen in „F-111 in Gefahr“ und „Die Fliegerin ohne Namen“ – seine Serie „Barracuda“ zur Sprache kommt. Auch über die exklusive Tätigkeit diverser Zeichner und Autoren für den Koralle Verlag wird berichtet. Schließlich war es das einzige Mal, dass verlegerisch und inhaltlich vom deutschen Comicmarkt Impulse an den großen franko-belgischen Nachbarn ausgingen. Zahlreiche Abbildungen alter Koralle-Titel sind enthalten, inklusive des zeitgenössischen „Dan Cooper“ Merchandises (die Jacke für 17 Mark wollte ich immer haben, aber daraus wurde leider nichts). Zeichnerisch ging Weinberg zu dieser Zeit – v.a. was die Darstellung der Personen betrifft – nicht sonderlich ins Detail (die teils abenteuerlichen Zeichen-Umstände werden ebenfalls im Sekundär-Part erläutert), wobei Flugzeuge und Gerätschaften gewohnt realistisch rüberkommen. Dazu gibt es für die wissenshungrigen Zack-Leser immer wieder Schaubilder von Flugzeugen mit technischen Details und Erläuterungen. In Sachen Abwechslung und Story-Ideen bleibt Weinberg top, wodurch das Lesevergnügen (auch nach etlichen Jahren) in hoher Qualität gewahrt bleibt. Offenbar standen Splitter nicht immer die originalen Druckvorlagen zur Verfügung, was die Unschärfe und Blässe diverser Seiten erklären würde. Ansonsten sind Qualität und Präsentation wie gewohnt hochklassig. (bw)

Dan Cooper Gesamtausgabe, Band 9
Text & Bilder: Albert Weinberg
184 Seiten in Farbe, Hardcover
Splitter Verlag
34,80 Euro

ISBN: 978-3-95839-350-9

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