Dan Cooper Gesamtausgabe, Band 1 (Splitter) | Comicleser

Dan Cooper Gesamtausgabe, Band 1 (Splitter)

Mai 18, 2016

Dan Cooper Gesamtausgabe, Band 1 (Splitter)

Flieger-As, Testpilot, Kanadier und Zack Held der ersten Stunde (na gut, Mick Tangy war eher). Ehapa, Koralle, Bastei, Carlsen, Salleck, Epsilon. Dan Cooper und seine Stationen in Deutschland. Seit den sechziger Jahren erscheinen seine Abenteuer bei uns, im franko-belgischen Raum startete Albert Weinberg (1922-2011) seine wichtigste Serie bereits 1954 im Magazin Tintin. Nach dem, gelinde gesagt, etwas unglücklichen „Versuch“ einer Dan Cooper Gesamtausgabe im Epsilon Verlag hat sich nun Splitter die Lizenz gesichert und bringt nun den ersten Band einer chronologischen Gesamtausgabe des Fliegerhelden. Alle zwei Monate soll ein neuer folgen. Da sich Splitter in punkto Veröffentlichungsplan immer als zuverlässig erweist, sind wir hier Frohen Mutes. Der kanadische Testpilot beschließt damit die Gesamtausgaben der großen drei Fliegerserien: Tanguy & Laverdure bekamen ihre bei Ehapa in insgesamt 9 Bänden (wobei ein Abenteuer leider fehlt) und die Gesamtausgabe von Charliers und Hubinons Buck Danny zählt inzwischen bereits 11 dicke Ausgaben, die bei Salleck erhältlich sind.

Wir treffen Dan Cooper erstmals in Australien, auf dem militärischen Testgelände in Woomera. Dort arbeitet Dans Vater an einem neuen, revolutionären Jet, der Blue Delta. Deren Prototyp soll Dan in Kürze fliegen. Doch schon bald wird klar, dass es Spione auf der Basis gibt, die hinter den geheimen Plänen der Blue Delta her sind. Bald entpuppt sich der Ingenieur Sanders als Drahtzieher, der sich von korrupten japanischen Industriellen hat anheuern lassen („Blue Delta“). Drei Jahre später. Die Blue Delta hat sich etabliert und wird exportiert. In Japan trifft Dan zufällig Sanders wieder. Später, in Brasilien, geht Dan Fällen von verschwundenen Piloten nach und entdeckt dabei einen internationalen Weltraumbahnhof, der eine geheime Raumstation betreibt. Auch hier hat Sanders seine Finger im Spiel und versucht, den gigantischen Sonnenspiegel im All, mit dem sich allerhand Schindluder treiben lässt, zu kapern („Herr über die Sonne“). Szenenwechsel. Weltweit stürzen unter mysteriösen Umständen immer wieder Flugzeuge des gleichen Typs ab, wobei deren Flügel sauber abgetrennt werden. Sind die futuristischen, lautlosen Flugmaschinen dafür verantwortlich, die überall gesichtet werden und gegen die selbst die Blue Delta wie ein lahmer Esel erscheint? Und hat Sanders einmal mehr seine Finger im Spiel („Die Piraten der Stille“)?

Klare Linien: der frühe Dan Cooper

Klare Linien: der frühe Dan Cooper

Das erste Abenteuer orientiert sich zeichnerisch am Stil von Edgar P. Jacobs: klare Linien bestimmen die Panels. Und mit der Einführung von Blue Delta, des Jets, der seiner Zeit weit voraus ist, hält auch eine technisch-futuristische Komponente Einzug in die Handlung. Eine weitere Ähnlichkeit: mit dem verräterischen Sanders wird wie Olrik bei Jacobs‘ Blake & Mortimer ein Antagonist aufgebaut, dem Dan in allen Geschichten dieses ersten Bandes immer wieder begegnet. Doch schon in der zweiten Story wird der klare Zeichenstil etwas aufgebrochen, die Darstellung der Gesichter wird realistischer und komplexer. Weinberg findet langsam seinen charakteristischen Strich. Dafür driftet die Handlung vollends in die Science Fiction ab. Dan fliegt gleich zweimal ins All, ohne sich groß vorzubereiten. Eine etwas naive Herangehensweise Weinbergs an die All-Thematik, die heute schmunzeln lässt (die Geschichte entstand 1955/1956, Sputnik flog erst ein Jahr später), die aber der damaligen Zeit geschuldet ist (siehe auch die Atomexplosion in Australien, die niemand sonderlich aufzuregen scheint). Mit Sanders präsentiert Weinberg einen veritablen, scheinbar unkaputtbaren Schurken, der aber recht farblos bleibt. Die letzte Geschichte fährt dann die SF-Thematik zurück, dennoch bleiben die lautlosen Flieger und ein Unterwasser-Flugzeugträger.

Anders als seine beiden Flieger Kollegen im Comic agiert Dan Cooper meist solo (wie auch Albert Weinberg als Autor und Zeichner in Personalunion). Mick Tanguy hat seinen Laverdure und Buck Danny gleich zwei Sidekicks, von denen Sonny Tucson wie Ernest Laverdure für die Comedy zuständig ist. Auch Sanders, sein Gegenspieler, hält sich nicht lange. Es gibt zwar immer wieder Personen, die Alben übergreifend auftauchen (wie hier der Physiker Cartier) und später kommt mit der Norwegerin Randi ein hübscher Farbtupfer dazu, aber ansonsten bestreitet Dan seine Abenteuer weitgehend alleine. Die Frage ob sich die Dan Cooper Gesamtausgabe lohnt, erübrigt sich auch. Die bisher umfassendste Ausgabe ist die Serie bei Bastei. Die erschien bereits von 1981 bis 1983, also vor Urzeiten, in 33 überformatigen Heften, weder chronologisch, noch komplett, der damaligen Zeit entsprechend an junge Leser gerichtet. Zwar legt Splitter Band 1 kein Modellflugzeug bei ;-), aber schon beim ersten Durchblättern ist klar, dass die 60 Jahre alten Comicgeschichten mit den Premieren-Abenteuern Dan Coopers noch immer bestens funktionieren – Stichwort Aufbau und Spannungsbogen. Sie sind fesselnd inszeniert und gelten damit völlig zu Recht als Comic-Klassiker. Spätere Abenteuer (die dann eigens für Koralle entstanden) hakten bisweilen und waren durchaus zäh, was die zeichnerische Ausführung und die Dramaturgie der Handlung betrifft. Wir werden sehen, die sich diese im Kontext der Gesamtausgabe samt Sekundärpart machen und sind gespannt.

Stichwort Sekundärteil. Der ist erfreulicherweise ausführlich wie interessant und beleuchtet die Genese des Fliegerhelden und den Werdegang seines „Papas“ (das schrieb der in Lüttich geborene Weinberg gerne in seine Dédicaces) zu Beginn seiner Karriere. Weinbergs Mitarbeit an frühen Buck Danny Episoden wird geschildert, wie auch sein Beitrag zum Studio Hergé und an Blake & Mortimer. Dazu kommen Abbildungen etlicher frühen Comicseiten und Titelbilder und als Bonus gibt’s Weinbergs ersten Fliegercomic überhaupt – eine Kurzadaption von David Leans „The Sound Barrier“. Dan fliegt wieder – wie prophezeit – und diesmal sogar komplett. Zwölf Bände werden es am Ende sein. Und wir sind wie immer mit an Bord. (bw)

Dan Cooper Gesamtausgabe, Band 1
Text & Bilder: Albert Weinberg
208 Seiten in Farbe, Hardcover
Splitter Verlag
29,80 Euro

ISBN: 978-3-95839-342-4

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