Adieu, Albert Weinberg… | Comicleser

Adieu, Albert Weinberg…

October 20, 2011

Mein erstes eigenes, selbst gekauftes Zack (Nr. 17/1977) hatte Albert Weinbergs Dan Cooper auf dem Titel. Dan Cooper gab und gibt es deshalb für mich schon immer. Ein ständiger Begleiter, der in vielen Gestalten, sprich: Verlagen auftrat. Er war Dauergast in Zack und dort der beliebteste Held. Das Ende des Hefts war nur zu verschmerzen, weil die Hauptserien wie Dan Cooper gleich eine eigene (wenn auch kurzlebige) Reihe bei Koralle bekamen. Danach verschwand Dan kurz, nur um mit Pauken und Trompeten als Magazinserie bei Bastei wieder aufzutauchen. Das war 1981 und das erste Heft hatte als Gimmick ein echtes Modellflugzeug zum Zusammenbauen dabei. Für unglaubliche drei Mark! Das Flugzeug gibt es immer noch. Natürlich zusammengebaut, auch wenn der Zustand zu wünschen übrig lässt. Mindestens genausogut: Es ging mit der Nummer 1 los, die auch tatsächlich dem ersten Album von 1957 entsprach. Aber das erfuhr ich erst viel später. Wichtig war damals, dass alle 14 Tage ein neuer Dan Cooper am Dorfkiosk zur Abholung lag. So erschienen 33 Hefte, bis heute die umfassendste Ausgabe der Serie in Deutschland.

Dan Cooper Logos aus verschiedenen Verlagen

Dan kehrte bald zurück als Teil der Großen Flieger- und Rennfahrer Comics, die er sich mit den beiden anderen großen Comicpiloten namens Danny und Tanguy teilte. Das war beim Ehapa-Verlag, der 1987 auch ein Dan Cooper Album in die seltsam zusammengesetzte Reihe (der letzte Band war mit dem A-Team…) Comics Unlimited verwurstete. Dann kam Carlsen an die Reihe, wo ab 1992 vier klassische Alben erschienen. Schließlich landete die Serie bei Eckart Schotts Salleck Publications und wurde dort auf Händen getragen. 2006 brachte Eckart eine herrliche Vorzugsausgabe zu Dans 50. Geburtstag heraus. Und das war’s auch bis heute. Seit gefühlten zehn Jahren kündigt der Epsilon Verlag eine Gesamtausgabe an (nach französischem Vorbild – dort ist die GA bereits abgeschlossen…), die aber noch immer ohne konkreten Termin ihr imaginäres Dasein fristet.

Eckart Schott ist es dann auch zu verdanken, dass Albert Weinberg nach Deutschland kam. Da sass er nun auf dem Comicsalon in Erlangen, auf der Buchmesse in Frankfurt. Live und in Farbe. Der Mann, der Dan Cooper erschuf. Sein Papa, wie er auf den Dédicaces gerne vermerkte. Ein unglaublich freundlicher und sympathischer alter Herr, der sich für jeden der zahlreichen Fans viel Zeit nahm, Fragen, die er schon tausendmal gefragt wurde geduldig beantwortete, dabei zeichnete was das Zeug hielt und gerne jeden Fan-Wunsch erfüllte. Und das von morgens bis abends. Wortwörtlich. Er war immer früh da, ging erst, als das Licht ausging und zeichnete praktisch ohne Pause durch. Ein wahrer Marathonmann. Und das nicht nur in Deutschland. Auch später noch, in Contern in Luxemburg, wo er auf dem dortigen Comicfestival Stammgast war und von der gesamten Crew umsorgt wurde (er bekam als einziger Zeichner stets einen roten Samtstuhl), oder auf dem großen Festival im französischen Illzach. Dort sah ich ihn zum letzten Mal. Dort schenkte er einem Bub, der ihm bewundernd stundenlang beim Zeichnen zusah, eine kleine Originalzeichnung. Zuletzt hieß es, er sei nicht mehr fit und könne nicht mehr so wie er will. Und jetzt….  Albert Weinberg starb am 29. September 2011. Er wurde 89 Jahre alt.

Sein Dan Cooper fliegt in 41 Alben und wurde in 15 Sprachen übersetzt. Auch in Deutschland wird er wiederkommen. So wie immer. (bw)

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