Dan Cooper Gesamtausgabe, Band 7 (Splitter) | Comicleser

Dan Cooper Gesamtausgabe, Band 7 (Splitter)

Juni 26, 2017

Inzwischen schon im siebten Band der Gesamtausgabe angelangt, verlässt der Kanadische Testpilot Dan Cooper die Sechziger Jahre und biegt in ein neues, ereignisreiches Jahrzehnt ein, sowohl was seine eigene, als auch die Karriere seines Schöpfers Albert Weinberg betrifft. Mit Geschichten, die seit gefühlten Ewigkeiten nicht mehr auf Deutsch erschienen sind, die sich nun vielleicht auch einem neuen Leserkreis erschließen und den altgedienten Dan Cooper-Recken Altvertrautes neu bescheren. Die hier enthaltenen vier Alben zeichnen sich durch eine hohe thematische Abwechslung und Variation ihrer Storys aus (nur eines ist hier rar: Dan am Steuerknüppel eines Flugzeuges…), beginnend mit einem Abenteuer, das – im Jahr der ersten Mondlandung erschienen – natürlich ebendiese zum Thema hat.

Nur mischt hier neben den Amerikanern auch ein Kanadier mächtig mit („Apollo ruft Sojus“ erschien in Magazin „Tintin“ 1969/1970 und letztmals auf Deutsch bei Bastei 1981), auch die Russen sind mit von der Partie – typisch für Albert Weinberg, der den realen Wettlauf zum Mond hier geflissentlich übergeht und stattdessen einmal mehr ganz humanistisch auf Völkerverständigung und das gemeinsame Erreichen von großen Zielen setzt: Dan und sein Kumpel Kid Dereika sollen also zum Mond und sich dabei mit den Russen, die sich dort bereits im Orbit befinden, treffen. Aber ein Meteoritenschauer macht dieses Vorhaben bereits im Ansatz zunichte. Die russische Sojus-Station stürzt auf die Mondoberfläche und die Rolle von Dan und Kid wandelt sich von Pionieren zu Rettern, denn in der havarierten Station könnten Kosmonauten/innen überlebt haben. So entwickelt sich ein äußerst spannender Weltraum-Thriller, ein dramatisch konstruiertes Rennen gegen die Zeit und den immer knapper werdenden Sauerstoff. Das ist natürlich Science Fiction, aber nie abgehoben (wie in der Frühzeit der Serie), sondern stets sehr nahe am technisch Machbaren und zeichnerisch ebenso akribisch realen Raketen, Raumstationen und Landefähren nachempfunden.

Auch ein Mondfahrer braucht mal Urlaub. Hierfür sucht sich Dan Griechenland aus und spendiert sich obendrein noch eine private Reiseleiterin („Die Minos-Affäre“, erschienen in „Tintin“ vom März bis Juni 1970 und ebenfalls zuletzt 1981 bei uns). Die attraktive junge Dame heißt Vicky Ciulli, ist stets gut gelaunt, hat aber ein gravierendes familiäres Problem. Denn ihr Liebster Nasso stammt aus einem traditionell verfeindeten Familienclan, wird fälschlicherweise des Mordes beschuldigt und von der Polizei gesucht. Auch Dans Urlaub verläuft nicht wie gedacht: ein mysteriöser Minos kontaktiert ihn und bietet ihm im Austausch gegen Bares ein seltsames Gerät an, das sich als Black Box eines Satelliten mit allerlei brisanten Aufnahmen entpuppt. Dan muss wohl oder übel mit dem amerikanischen Geheimdienst kooperieren und setzt seine Touristen-Tour als Tarnung fort. Schließlich kreuzt sich – nicht ganz unerwartet – die Spionage-Handlung mit dem persönlichen Dilemma Vickys. Wieder eine Story, in der Dans ursprünglicher Job als Pilot keine Rolle spielt. Und Flugzeuge kommen auch nur am Rand vor. Stattdessen präsentiert Weinberg mit Vicky eine Hauptakteurin, die er im echten Leben traf. Und der er anschließend sogar noch einige Kurzgeschichten widmete, die auch auf Deutsch erschienen, was der interessante Sekundärpart dokumentiert.

Russen und Amis auf dem Mond…

Mit „Mission Jumbo“ (1970/1971 in „Tintin“ und 1981 bei Bastei) begibt sich Dan nun endgültig in die Sphären eines James Bond. Sein neuer Job ist das Testen der Boeing 747 in Seattle, wo der Flugzeugbauer seinen Sitz hat. Ein reizvoller Auftrag, auch wenn Dan dafür seinen ereignisreichen Griechenland-Urlaub abbrechen muss. Just am Flughafen wird sein Sitznachbar ermordet. Und spätestens als die Freundin des Testpiloten Jim Gorlan entführt wird, steckt Dan wieder inmitten eines Abenteuers. Ein Anschlag auf einem Golfplatz. Ein Attentat auf ihn, per Hubschrauber und Panzerfaust, als er im Restaurant des Space Needle weilt. Ein Angriff auf die Boeing, die er gerade fliegt (ja, endlich sitzt Dan mal im Cockpit!). Und im Hintergrund eine offenbar mächtige Geheimorganisation, die mit noch unbekanntem Ziel Übles im Schilde führt, überall ihre Augen und Ohren hat und die über große finanzielle Mittel zu verfügen scheint. Die Story entwickelt sich schnell zum waschechten Action-Thriller mit Bond-Allüren und als Kulisse fungiert – wie immer akribisch und sicherlich auch vor Ort recherchiert – die Stadt Seattle samt Boeing Werk, Space Needle, Piers und dem „Ye Olde Curiosity Shop“, einem Laden, den es auch heute wohl so kein zweites Mal gibt und der auf der Liste eines jeden Seattle Touristen ganz oben stehen sollte.

Anschlag auf Dan im Space Needle

Das letzte Dan Cooper Album in diesem Band weist ganz andere Strukturen auf. Denn „Crash in Sektor 135“ (1971 in „Tintin“ und wieder 1981 bei Bastei letztmalig auf Deutsch und in Magazinform erschienen) besteht aus einzelnen Kapiteln, von denen jedes für sich gesehen abgeschlossen lesbar ist, durch die sich aber doch ein roter Handlungsfaden zieht: Endlich trifft Dan in der norwegischen Hafenstadt Bodø seine Randi wieder. Ihr Wiedersehen wird überschattet vom Absturz von Randis Bruder Gunnar, der als verschollen gilt, nachdem er eine Beobachtung über ein seltsames Licht im Meer gemeldet hatte. Bald stellt sich heraus: Gunnar lebt, ist aber Gefangener der Russen, die vor der Küste Norwegens einen künstlichen Eisberg (!) zu Spionage- und Abwehr-Zwecken betreiben. Durch die abgeschlossenen Kapitel – ein Experiment, mit dem Tintin-Chefredakteur Greg (u.a. Autor von Andy Morgan, Comanche und Luc Orient) den veränderten Lesegewohnheiten der jugendlichen Kundschaft entgegenkommen wollte, von dem Konzept aber bald wieder abkam – krankt die Dramaturgie des Geschehens und macht das Album zum schwächsten Beitrag dieses Bandes.

Der Sekundärpart, den einmal mehr Volker Hamann (Chefredakteur der Reddition) beisteuerte, beschäftigt sich in erster Linie mit der Mondepisode im Kontext der tatsächlichen Mondlandung und mit dem Griechenland-Abenteuer. Hier werden auch die Solo-Geschichten mit Vicky vorgestellt, die einst auf Deutsch 1971 in MV Comix erschienen. Auch auf andere unbekanntere Nebenprojekte Albert Weinbergs wird eingegangen, wie beispielsweise „Giovanni di Celli“, ein Flieger-Abenteuer, das für das italienische Corriere die Piccoli entstand. Als Dreingabe gibt es mit „Freier Fall!“ eine Kurzgeschichte mit Dan Cooper, die im deutschen Flieger-Standort Lahr spielt. Sekundär-technisch wird es in den nächsten Bänden hochinteressant, denn es folgt die Periode, in der Albert Weinberg für den deutschen Koralle-Verlag arbeitete. Dort erschien das klassische Zack-Magazin, von dem hier auch einige Titelbilder mit Dan Cooper abgedruckt sind. (bw)

Dan Cooper Gesamtausgabe, Band 7
Text & Bilder: Albert Weinberg
232 Seiten in Farbe, Hardcover
Splitter Verlag
34,80 Euro

ISBN: 978-3-95839-348-6

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