Dan Cooper Gesamtausgabe, Band 4 (Splitter) | Comicleser

Dan Cooper Gesamtausgabe, Band 4 (Splitter)

November 25, 2016

Dan Cooper Gesamtausgabe, Band 4 (Splitter)

„Drei Kosmonauten“ (1963): Der ominöse Geheimauftrag in der Schweiz entpuppt sich für Dan als ein erneuter Weltraumeinsatz. Denn die Europäer haben mit den Russen und den Amerikanern gleichgezogen und planen von dem neuen Weltraumbahnhof im Berner Oberland (!) eine gewagte Mission: gleich drei Kosmonauten sollen mit drei Raketen ins All starten, sich mit ihren Kapseln dort verbinden und gemeinsam landen. Ein neuartiger Anti-G Antrieb soll dabei helfen. Nur droht dieser, der von Professor Mandeville entwickelt wurde, von Unbekannten sabotiert zu werden… „Phantom III antwortet nicht“ (1963/1964): In Finnland willigt Dan ein, für einen Filmproduzenten spektakuläre Landschaftsaufnahmen vom einem Wasserflugzeug aus zu drehen. Vorgeblich. Denn eigentlich soll mit den Kameras eine geheime Basis für russische Atomversuche gefilmt werden. Als Dan den Betrug erkennt, ist es zu spät. Die Maschine wird abgeschossen und Dan muss sich mit Ziehsohn Pierrot Richtung russisch-finnische Grenze durchschlagen. Immer verfolgt von russischen Soldaten… „Akrobaten der Lüfte“ (1964/1965): Dan wird von Kanada nach Frankreich abkommandiert. Dort soll er –inzwischen als Commander – aus den eigensinnigen und verrufenen Piloten der 450. Staffel eine Kunstflugstaffel bilden. Doch die Kollegen erweisen sich als Egoisten und Neider. Dann kommt auch noch die Starpilotin Francine Breton ins Spiel, die eigene, noch unbekannte Motive verfolgt und die damit die komplette Staffel in Gefahr bringt…

Phantom III im Jahr 1975...

Phantom III im Jahr 1975…

Mit Band 4 der Gesamtausgabe der Abenteuer um den kanadischen Piloten Dan Cooper läutete Autor und Zeichner Albert Weinberg eine Zeitenwende innerhalb der Serie ein, was auch im Sekundärteil thematisiert wird: Dans Abenteuer werden realistischer. Nach seinen anfänglichen Ausflügen ins All in den Vorbänden, die doch arg futuristisch geraten waren und komplett dem SF-Genre zuzuordnen sind, wird diese Komponente ab „Drei Kosmonauten“ nun massiv heruntergefahren und geht mit der Zeit gegen null. Einzig der neue Antrieb („Graviplan“) verbleibt noch als typisches SF-Element. Ansonsten erfährt Dan eine Art Weltraum-Reboot, wobei sich Weinberg mit seiner Geschichte in den damals bereits aktuellen Wettlauf ins All einschaltet und die Europäer als dritte Kraft neben den Amis und den Russen positioniert. Dabei denkt er auch an die Völkerverständigung, indem er eine Kosmonautin aus Russland an der Mission teilnehmen lässt. Auch im direkt anschließenden „Phantom III antwortet nicht“ greift Weinberg mit dem kalten Krieg eine aktuelle Thematik auf: Dan wird als Spion wider Willen „missbraucht“ und auf russischem Gebiet abgeschossen. Die Flucht zurück nach Finnland ist packend und spannend in Szene gesetzt, immer mit einem scheinbar übermächtigen Rote-Armee-Aufgebot im Nacken und mit einer dann doch unerwarteten Rettung.

...und 1982 (Dank an comicguide.de)

…und 1982 (Dank an comicguide.de)

„Akrobaten der Lüfte“ zeigt dann einen Dan Cooper, der sich gegen seine aufmüpfigen Untergebenen durchsetzen muss, was er mit Zuckerbrot und Peitsche versucht. Doch zuerst muss er seine Heimat und seine angestammte Staffel verlassen und nach Frankreich „umziehen“ (was seinerzeit im französischen Tintin groß gefeiert wurde). Das bedeutet auch Abschied von seinem Ziehsohn Pierrot, der ihn bei den letzten Abenteuern noch begleitete und als weitere Identifikationsfigur für die jugendlichen Leser diente. Bei seiner neuen Staffel stößt Dan auf Ablehnung, ja offene Feindschaft und muss sich durchsetzen, wobei ihm auch Zweifel kommen, ob seine Handlungen richtig sind. Allen drei Geschichten in diesem Band ist gemeinsam, dass die Schurken unterschiedlichster Couleur Reue zeigen und am Ende den rechten Weg einschlagen, was der notwendigen Jugendtauglichkeit der Storys geschuldet ist. Insgesamt macht es Spaß wieder die Geschichten zu lesen, die bei uns lange Zeit nicht mehr erhältlich waren. Weinberg ist zwar nicht der Filigran-Zeichner vor dem Herrn, aber man merkt Dans Abenteuer immer mehr die bestens Richtung Realismus recherchierte Bodenständigkeit an, was der Reihe gut tut und sie zum ebenbürtigen Konkurrenten von „Buck Danny“ und „Tanguy und Laverdure“ werden lässt. Zahlreiche zeitgenössischen Tintin-Titelbilder und Abbildungen ergänzen den Band, der außerdem als Bonus eine weitere fliegerische Kurzgeschichte enthält. (bw)

 

 

Dan Cooper Gesamtausgabe, Band 4
Text & Bilder: Albert Weinberg
208 Seiten in Farbe, Hardcover
Splitter Verlag
34,80 Euro

ISBN: 978-3-95839-345-5

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