Perkeros (Panini) | Comicleser

Perkeros (Panini)

October 27, 2014

Perkeros (Panini)

Eine Graphic Novel über eine Heavy Metal Band –na wenn das mal kein Fest für uns ist! Schließlich weiß jeder vernünftige Mensch, dass das die zwei faszinierendsten Sachen der Welt sind (naja die dritte gehört hier nicht her), und spätestens seit Business-Fuchs Gene Simmons den Geistesblitz hatte, ein Kiss-Comic (zumindest angeblich) mit Blut der Bandmitglieder zu veredeln, seit Anthrax mit ‚I Am The Law‘ dem grimmen Judge Dredd huldigten und die Opern-Könige Within Temptation ihr Opus ‚The Unforgiving‘ vom aktuellen Storm-Zeichner Romano Molenaar als Multimedia-Event inszenieren ließen – wir berichteten völlig aus dem Häuschen -, gehören Metal und Comics zusammen wie Pech und Schwefel.

Direkt die Geschicke einer jungen, hoffnungslosen Amateurkombo zu zeigen und dabei jede Menge freudige Insider-Szene-Kenntnisse einzustreuen, diese Ehre haben sich nun erstmals JP Ahonen und KP Alare gemacht. In ihrer Story um die finnische Prog Metal Kombo Perkeros (eigentlich wollte man ja Zerberus heißen, aber der Bandleader hat‘s nicht so mit der Orthographie) setzen sie der lebhaften finnischen Metal-Szene ein äußerst unterhaltsames Denkmal: der junge Akseli lebt in Tampere und jagt – anstelle sein Studium zu verfolgen – wie besessen dem Erfolg als Musiker hinterher, gebärdet sich dabei als Perfektionist, immer auf der Hatz nach dem perfekten Riff, und nebenbei auch als Beziehungsstümper, der es durch seine Engstirnigkeit sogar schafft, seine anfangs noch verständige Freundin zu verjagen. Seine Band Perkeros ist ein bunt gewürfelter Haufen, bestehend aus einem Alt-Hippie, der ständig davon schwafelt, dass die Musik alles durchdringe und durchschwinge, der feschen Kunststudentin Lilja, die sich um Logo, Website und Gigs kümmert, und einem Bären am Schlagzeug (ja, einem Bären. Nicht fragen).

Musikalisch scheint man durchaus was draufzuhaben, Akselo eifert seinen Helden Opeth, Porcupine Tree und anderen Prog/Death-Größen aus seiner Heimat nach, aber gesanglich gestaltet sich das Ganze eher beklagenswert, bis Dönerverkäufer Aydin zur Band stößt. Mit ihm an Bord gelingt es der Formation, einen Auftritt auf dem Rocktoberfest zu ergattern – wenn auch nur im kleinen, aber angesagten Klubi. Dabei muss sich Akseli nicht nur mit seinem panikartigen Lampenfieber und dem Rauswurf durch seine Freundin herumärgern, sondern auch mit der Schwarzkittel-Kombo Nelum Lucifera, die bei einem Auftritt eine waschechte Schlägerei vom Zaun bricht und dafür Auftrittsverbot erntet. Damit nicht genug, sahnen auf dem Rocktoberfest vor Perkeros die Hipster-Freds Diablotus jede Menge Publikumslorbeeren ab, und auch Keyboarderin Lilja scheint wie verzaubert von den Saubermännern, denen sie nach dem Gig wie dem Rattenfänger von Hameln in das fesche Stadtviertel Pyynikki folgt. Dort zeigt sich, dass das krasse Image der Schwarzwurzler und Satanisten gar nicht so weit hergeholt ist – denn Diablotus sind alles andere als coole Typen, sondern im wahrsten Sinne des Wortes Monster, die sich von der Musik haben pervertieren lassen und das keinem anderem als Akseli anlasten…

Perkeros liefert einen Lese- und Augenschmaus allererster Kajüte: an jeder Ecke lugt die finnische Metal-Szene hervor, von den Proberaum-Postern über TShirts bis hin zur Genre-Vielfalt, die das elegische Opern-Metier von HIM und Nightwish ebenso umfasst wie die (zumindest bei diesen Herren nicht ganz ernst gemeinten) Tod und Teufel-Allüren der Black Metal-Pandas von Dimmu Borgir, die natürlich Pate für Nelum Lucifera standen. In Akseli erleben wir eine schöne Hommage an Alexi (ahaaa…!) Laiho, den musikalisch begnadeten und verbal stets ausfälligen Fronter der Melodic-Death-Rasselbande Children Of Bodom – und sein missverstandener musikalischer Perfektionismus findet sich in fast jedem Musikus, der die ganze Chose viel zu ernst nimmt. Einen gewichtigeren Hintergrund erhält Perkeros dadurch, dass die teufelsbeschwörenden Exzesse und musikmystischen Elemente gerade in Finnland in der Tat durch diverse Schwarzkittel-Kombos Ende der 90er gehörig übertrieben wurden und dabei zu brennenden Kirchen und sogar Morden in der Szene führten, was dem serienmörder-haften letzten Akt der Graphic Novel eine besondere Brisanz verleiht. Optisch ist das Geschehen aufsehenerregend inszeniert – die Gigs der Band dreschen zeichnerisch geradezu aus den Panels, die sich bei einem Metal-Konzert entladende geballte Energie (die Außenstehende immer wieder nur mit Unverständnis quittieren werden, und das ist auch gut so) springt den Betrachter geradezu an, ebenso wie man Akseli gerne in seine Traumwelt einer von Riffs und Harmonien durchschwingten Welt folgt. Ein echtes Brett für alle Metalheads, und wenn auch für andere die Details und Anspielungen wohl weniger klar erkennbar sein dürften, dennoch ein faszinierender Einblick in die finnische Szene, in eine Musikerseele und in das schwere Metall, das so gar nicht daran denkt unpopulär zu werden. Roggenroll!! (hb)

Perkeros
Text: JP Ahonen, KP Alare
Bilder: JP Ahonen
196 Seiten in Farbe, Hardcover
Panini Comics
24,99 Euro

ISBN: 978-3-95798-109-7

 

Informative Band- und Musik-Infos über die in dieser Rezension genannten Bands findet ihr auf der Seite unserer Freunde von heavyhardes.de, wie zum Beispiel:

 

Und hier einige Besprechungen weitere Graphic Novels von Panini Comics:

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