A God Somewhere (Vertigo/Panini) | Comicleser

A God Somewhere (Vertigo/Panini)

März 8, 2012

Drei Kumpels, junge Leute: Sam und die Brüder Eric und Hugh. Während Eric und Sam für einen Paketdienst jobben und unbekümmert in den Tag hinein leben, ist Hugh verheiratet und hat eine gute Stelle. Gemeinsam schmieden sie Pläne, überlegen, ein Segelboot zu kaufen. Doch dann wird Erics Wohnblock von einer Explosion völlig zerstört. Es gibt Opfer, Trümmer und Chaos. Und mittendrin, ohne jegliche Schramme ist Eric. Etwas ist mit ihm geschehen, das weiß er. Er hat übernatürliche Fähigkeiten, ist unverletzbar, kann fliegen. Ein Superman in der realen Welt. Zuerst hilft er bei der Rettung Überlebender der Explosion mit (eine Reminiszenz an das berühmte Cover von Action Comics #1), glaubt gottesfürchtig an ein Wunder.

Doch als ihn Presse stilisieren und Politik instrumentalisieren will, verändert er sich radikal. Eric wählt die dunkle Seite der Macht, schlägt seinen Bruder zum Krüppel und vergewaltigt brutal dessen Frau. Zwar lässt er sich sogleich festnehmen, doch sein Respekt und seine Hemmungen den Menschen und der Gesellschaft gegenüber sind verschwunden. Er mordet sich in die Freiheit, will fort an seine Ruhe haben und bekämpft seine Verfolger, die Armee, gnadenlos wie ein blutrünstiger Berserker. Auch Sam, sein ehemaliger bester Freund, inzwischen Reporter, bleibt ihm auf der Spur, bis es zu einem letzten Treffen kommt.

Eine Welt ohne Superhelden. Mal wieder. Ein nicht mehr ganz neuer Ausgangspunkt für eine, na klar, Superheldenstory. Und doch ist hier vieles, nicht alles, anders. Einige Mechaniken des Superheldengenres sind da – rudimentär und bearbeitet. Da ist der ahnungslose Jüngling, der unbekümmert in den Tag lebt und durch Zufall zum Superhelden wird. Wie und warum, das werden wir nie erfahren und ist für die Story auch egal. Denn Eric ist nicht nur Superheld (der einzige auf der Welt), sondern mutiert zum regelrecht unkaputtbaren Anti-Messias, dem Menschen schlichtweg schnuppe sind. Ähnlich weit ging nur Alan Moore mit seinem Miracleman. Auf der Suche nach dem neuen Sinn seines neuen Lebens ist unsereins nicht mehr als eine Küchenschabe. Da kommt die andere Mechanik ins Spiel. Wieder völlig verquer. Der unverstandene Held wird Hulk-like von der Armee gejagt. Doch geschieht dies hier völlig zu recht und nachvollziehbar, denn Eric geht ohne mit der Wimper zu zucken über Leichen, was Zeichner Peter Snejbjerg (der schon bei Preacher, Hellblazer und Sandman mitarbeitete) in grausam-drastischen und beeindruckenden Panels, die grafisch grob und groß gehalten sind, darstellt. Und jene wenige, die Erics Amok-Orgie überleben, bleiben Zeitlebens gezeichnet, sowohl physisch als auch psychisch.

Andere typische Superhelden-Motive werden schlichtweg über den Haufen gerannt: Geheimidentität – keine Spur. Ein schickes Helden- oder Schurkenkostüm mit passender Frisur – Unsinn. Übernatürliche Muckis – no way. Statt dessen verwahrlost Eric immer mehr, beinahe in gleichem Maße, wie seine Gewaltorgien an Intensität zunehmen. John Arcudi, der bei uns als Autor des Hellboy-Ablegers B.U.A.P. bekannt wurde, tobt sich sichtlich abseits eines fest abgesteckten Comicuniversums aus und findet in einem viel besuchten Genre seine wohlverdiente Nische. Kein Comic für zwischendurch, wird A God Somewhere dem Leser im Gedächtnis bleiben. Wie auch immer. (bw)

Text: John Arcudi
Bilder: Peter Snejbjerg
200 Seiten in Farbe, Softcover
Panini Comics
24,95 Euro

ISBN 978-3-86201-204-6

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