Bizarro (Panini) | Comicleser

Bizarro (Panini)

April 13, 2016

Bizarro (Panini)

Verwandtschaft kann, so sagt es der Volksmund, ziemlich bucklig sein, aber eine derartige Gestalt wie den Anti-Superman Bizarro mag man sich nun beileibe nicht wünschen. Denn der Kollege sieht aus wie Frankensteins Geschöpf, sagt ständig das Gegenteil von dem, was er meint und richtet mit seinen Taten, mit denen er seinem großen Vorbild doch nur nacheifern will, in erster Linie Chaos an. Dass man ihn bisweilen als Supies missratenen Bruder bezeichnet, geht dem Stählernen so gehörig aufs Cape, dass er seinem Kumpel Jimmy Olsen einen Vorschlag macht: Bizarro muss weg. Und zwar möglichst weit weg aus Metropolis. Und nachdem der Unhold alles glaubt, was man ihm erzählt, fabuliert Olsen ihm davon vor, einen wunderbaren Roadtrip ins Bizarro-Amerika zu unternehmen – und ihn dabei nach Kanada zu verklappen. Für Olsen springen dabei – so meint es der rasende Reporter des Daily Planet – jede Menge Bilder und eine gute Story heraus, und so willigt er in diese Wahnsinnfahrt ein.

So durchpflügt er mit seinem Mitreisenden, der ihn beständig als seinen „schlimmsten Feind“ lobt, das Land, wobei kein Auge trocken bleibt. Als Bizarro Jimmys Auto nicht weit von Smallville gegen einen Baum setzt, kommt man bei King Tut’s Slightly Used Car Oasis vorbei, um für Ersatz zu sorgen. Der gute King Tut kocht aber seine ganz eigene Suppe, besorgt sich von den alten Göttern Ägyptens (die eigentlich Aliens sind, aber das gehört jetzt nicht hierher) den Stab des Ra und hypnotisiert die Bevölkerung von Supies alter Heimat, die sich prompt zu absurden Preisen alte Schüsseln andrehen lässt, bis Bizarro und Jimmy dem Treiben ein Ende setzen. Auf dem Weg nach Gotham City schaut man beim Lex Mart vorbei und deckt sich mit dem nötigsten Proviant ein, in Central City knockt Bizarro versehentlich den vorbeisausenden Flash aus, und als die beiden feststellen, dass sie offenbar vom FBI verfolgt werden, schwenken sie ein nach Ol‘ Gold Gulch, eine verlassene Western-Stadt, die von Geistern besessen ist. Aber kurz darauf gibt es noch eine größere Portion Magie zu verdauen, denn niemand anders als Zatanna kreuzt den Weg der beiden Reisenden…

Variant-Cover zur Buchmesse Leipzig

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Die Idee, Superman ein bizarres (sic) Spiegelbild an die Seite zu stellen, entstand schon 1958, als Otto Binder die Figur in einer Superboy-Story einführte, die dann im gleichen Jahr auch in der Superman-Zeitungsstrip-Reihe und 1959 schließlich in der Superman-Heftserie ihr Stelldichein gab. Bisweilen erklärte man diesen Ritter von der tragischen Gestalt als verunglücktes Ergebnis von Lex Luthors Experimenten damit, den Stählernen zu klonen, manchmal schrieb man seine Herkunft auch der Bizarro World zu, von der er zur Erde kam, die gleichen übermenschlichen Kräfte wie Superman entwickelte, diese aber als kindlicher Geist, der an Tollpatschigkeit nicht zu überbieten ist, niemals zum gewünschten Ergebnis einsetzte. In seiner eigenen Miniserie schickt Heath Corson diese witzig-hintergründige Schöpfung auf eine wilde Reise durch Amerika, wobei er nicht nur sattsam bekannte Comic-Ikonen trifft, ohne es überhaupt zu merken (Batmans Baterang prangt wirkungslos ab, und Flash kracht gegen den achtlos geschwungenen Arm) und Superman-Motive zuhauf verwurstet werden (nicht zuletzt das berühmte Cover des Debuts der Figur in Action Comics).

Nein, neben einer treffenden Persiflage auf Superhelden-Comics, die teilweise mit der gleichen genre-sprengenden Süffisanz wie bei dem „anderen“ Parodisten Deadpool vorgetragen und optisch ironisch gebrochen inszeniert werden (wie etwa in Kinderzeichnungen, die neben den in klassischer Manier ins Bild hereinbrechenden Darstellungen von Batman oder Flash umso kontrastierender wirken), entsteht auch eine wunderbare Satire auf das moderne Amerika, in dem die Konsumgesellschaft von übervollen Supermärkten hin zu Autohändlern und zurück wandert und gar nicht merkt, was man ihnen da um den Hals hängt. Mit einer ganzen Horde an Zeichnern bewaffnet – darunter solche Veteranen wie Bill Sienkiewicz, Kelley Jones und Tim Sale – liefern die Eskapaden von „B.“, wie ihn Jimmy liebevoll nennt, auch optisch jede Menge hintersinniges Futter, das sich zu einer respektlosen Dekonstruktion des Heldengenres zusammenfügt. Die nebenbei auch noch diebischen Spaß macht. Der vorliegende Band enthält die US-Ausgaben „Bizarro America“ 6-1 (die Nummerierung ist selbstredend verkehrt herum!) sowie ein kurzes Prequel „The Secret Origin Of Bizarro“ aus „Convergence Superman: Man of Steel“ 2, die im Zeitraum Juli 2015 bis Januar 2016 erschienen. (hb)

Bizarro
Text: Heath Corson
Bilder: Gustavo Duarte, Darwyn Cooke, Tim Sale, Kelley Jones, Rafael Albuquerque, Bill Sienkiewicz
148 Seiten in Farbe, Softcover
Panini Verlag
16,99 Euro

ISBN: 978-3-95798-745-7

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