Howard the Duck, Band 1 (Panini) | Comicleser

Howard the Duck, Band 1 (Panini)

April 12, 2016

Howard the Duck, Band 1 (Panini)

Howard the Duck, da sind wir uns alle einig, zählt zweifellos zu den skurrilsten Charakteren des Marvel Universums. Bereits Ende 1973 erblickte er durch Autor Steve Gerber das Licht der Comicwelt und machte sich schnell einen Namen. Ebenso kurios wie die Figur an sich ist die Tatsache, dass Howard schon 1986 einen Kinofilm verpasst bekam, der sogar von Schorsch Lucas produziert wurde. Obwohl er nie ganz weg war, wurde Howard durch seinen Miniauftritt nach dem Abspann von „Guardians of the Galaxy“ wieder populär. Entsprechend folgte eine neue eigene Serie, deren erster Band nun bei Panini vorliegt (eine weitere Inkarnation von Howard jüngeren Datums findet ihr in Marvel Max, Band 57 von 2014).

Jetzt: Howard, die anthropomorphe Ente, aus einer Parallelwelt auf der Erde gestrandet, verdingt sich mehr schlecht als recht als Privatdetektiv. Sein Büro ist in direkter Nachbarschaft von She-Hulk. Kundschaft ist eher Mangelware. Kein Wunder – wer engagiert schon eine Ente… Dann ist es so weit. Ein Klient namens Jonathan Richards steht in Howards armseligem Büro. Er soll eine geklaute Kette wiederbeschaffen. Die vermeintliche Täterin: Black Cat. Gemeinsam mit Tara, einer punkigen Tattoo-Lady nimmt Howard Ermittlungen auf und findet sich bald als Sammelobjekt auf dem Planeten des Collectors wieder (kommt das bekannt vor?). Mit Hilfe der „Guardians of the Galaxy“ (genau!) kommt er frei und zurück auf die Erde. Dort wird er überfallen von – Tante May? Kann das sein? Erneut ermittelt Howard mit Tara und stößt dabei auf einen uralten Schurken, der bereits in den Anfangstagen des Hulk auftrat. Dann überschlagen sich die Ereignisse. Jonathan Richards ist nicht was er scheint (Tara übrigens auch nicht), Doktor Strange greift ein und ein kleiner Bruders des Handschuhs der Macht taucht auf, mit dem ein Schurke (mal wieder) die Erde unterjochen will. Und mittendrin der arme Howard…

Die klassischen Abenteuer

Die klassischen Abenteuer

Howards Comic-Karriere verlief durchaus turbulent. Erst stritt sein Erfinder Steve Gerber mit Marvel um die Rechte der Figur, dann gab es auch noch rechtlichen Zoff mit Disney, denen die optische Nähe Howards zu Donald Duck so gar nicht in den Kram passte, weshalb Howards Aussehen verändert werden musste (außerdem wurde ihm eine Hose verpasst). Das ist alles Geschichte, zumal Marvel nun sowieso Teil des Disney-Konzerns ist. Howards Abenteuer zeichneten sich stets durch witzig-anarchische, parodistische Geschichten inklusive Meta-Ebene aus, was damals durchaus ein Novum war. Dieses Konzept bildet auch bei der neuen Serie das Grundgerüst, auf dem die Howard-Storys aufbauen. Tatkräftige Unterstützung erhält er dabei von einer ganzen Superhelden-Horde an Gaststars, die sich auf den Seiten tummeln, u.a. Rocket Racoon von den Guardians, der in Sachen Skurrilität Howard in nichts nachsteht. Humor wird wieder groß geschrieben, bisweilen übernimmt auch der Klamauk. Viele Gags beziehen sich auf Howards Vergangenheit (es gibt etliche Querverweise aus Uralt-Storys der 80er).

Zeichnerisch treibt man es klar, bunt und grell (die Dr. Strange-Episode parodiert im knallbunten Stil die psychedelischen Ditko-Jahre). Bisweilen erinnern die Panels an Mike Allreds Stil beim Silver Surfer, nur nicht so ausgereift und manchmal ungelenk wirkend. Aber auch wenn Howard im Vergleich zu seinen Anfangsjahren etwas braver wirkt und ohne Stumpen im Schnabel daherkommt, steht die muntere Story gepaart mit dem typischen Howard-Humor (auch Quack-Fu ist wieder dabei) im Vordergrund (gelungenes Beispiel: Dr. Strange, der laut Diener Wong einen Dämon in einer diffusen Sphäre bekämpft, will nur in Ruhe eine Runde pokern). Als Dreingabe gibt es drei Kurzgeschichten verschiedener Zeichner (wobei die von Chew-Zeichner Rob Guillory mit Iron Fist und Luke Cage besonders gelungen ist). Wer den Ur-Howard in Aktion sehen und lesen will – auch kein Problem: im Rahmen der „Offiziellen Marvel Comic-Sammlung“ sind vor nicht allzu langer Zeit die ersten Hefte der Reihe von 1976 erschienen, wo die Ente u.a. als Präsidentschaftskandidat auftritt. (bw)

Howard the Duck, Band 1: Ein Erpel für alle Fälle
Text: Chip Zdarsky
Bilder: Joe Quinones, Rob Guillory, Jason Latour, Katie Cook
116 Seiten in Farbe, Softcover
Panini Verlag
12,99 Euro

ISBN: 978-3-95798-674-0

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