Dani Futuro, Band 1 (All Verlag) | Comicleser

Dani Futuro, Band 1 (All Verlag)

Januar 5, 2021
Dani Futuro, Band 1: Das verschollene Raumschiff (All Verlag)

Ferienzeit, spannende Zeit: der junge Daniel Blancor darf 1969 endlich mal seinen Vater besuchen, der am Nordpol auf einer Forschungsexpedition weilt. Nur leider geht das nicht ganz nach Plan: der Pilot erleidet einen Schwächeanfall, das Flugzeug stürzt ins Meer und rutscht in einen bodenlosen Abgrund. Sage und schreibe 135 Jahre später, man schreibt mittlerweile 2104, findet eine Forschungsmission den Knaben, der dank des ewigen Eises bestens konserviert ist und behutsam mit modernster Technik wieder ins Leben zurückgeholt wird. Daniel, den man alsbald nur noch Dani nennt, staunt nicht schlecht über die schöne neue Welt, die sich ihm da im Hause des Biologen Basil Dosian bietet: die Erde gleicht einem tropischen Paradies, Häuser und Wohnung schweben nach Belieben zum gewünschten Wohnort, Schiffe weichen per Flugantrieb Stürmen aus, Autos bewegen sich selbstverständlich ebenfalls durch die Luft, und der Mond ist längst besiedelt und menschengerecht aufbereitet, wie das Dani anlässlich einer Konferenz erleben darf, bei der Dosian ihn der begeisterten Wissenschaftswelt vorstellt.

Prompt schleppt Dosians fesche Nichte Iris ihren neuen Freund im Raumschiff Galaktos mit auf eine abenteuerliche Mission: ein intergalaktischer Schrottplatz, der eigentlich gleichzeitig eine Art riesiger Obst- und Gemüsegarten sein sollte, gerät außer Kontrolle – und Dani und Iris greifen gerade noch rechtzeitig an, bevor Schlimmeres geschehen kann. Kaum will man sich mit einem befreundeten sprechenden Delfin-Paar erholen, taucht auch schon der knorrige Käpt‘n Kohl in einem klapprigen Uralt-Raumschiff auf. Kohl behauptet, auf seinen Reisen ein Lebenszeichen vom seit 15 Jahren verschollenen Raumer Antares aufgeschnappt zu haben. Dem muss man natürlich nachgehen, und so machen sich Dani und Iris mit Kohl auf den Weg in Richtung Pluvius, von wo das Signal zu kommen scheint. Tatsächlich macht man auf der Oberfläche einen fantastischen Fund…

Vor mehr als 50 Jahren, genauer gesagt am 19. März 1970, erblickte nach diversen kurzen Teasern in den Seiten des spanischen Magazins „Gaceta Junior Tintin“ (dem spanischen Ableger des großen franko-belgischen Bruders) eine Serie das Licht der Welt, die gar keinen Hehl daraus machte, dass sie in ihrem Grundgedanken fröhlich von einem der bekanntesten Zeitungs-Strip-Helden abkupferte: schon Buck Rogers überdauerte ja im ewigen Eis die Jahrhunderte, bis er in ferner Zukunft wieder erwachte und zum Helden avancierte (eine Idee, die 1964 auch der findige Stan Lee zum Revival eines anderen Herrn Rogers nutzte). Ebenso unbekümmert wie schwungvoll ließen Autor Victor Mora und Zeichner Carlos Giménez ihren jugendlichen Helden auf die Zukunft los, betont heiter und unbeschwert schwang er sich durch die jeweils 8 Seiten (stets in Farbe, für damalige Magazine durchaus ungewöhnlich) langen einzelnen Episoden, die ihn quer durchs Weltall führten, immer an der Seite des Forschers Dosian und seiner attraktiven Nichte Iris.

Der Ton war leichter als bei Giménez‘ und Moras voriger Serie „Delta 99“, die eher harte Action bot, die Leserschaft offenkundig jünger – Mora und Giménez sparten daher nicht an Humor und Slapstick, die allerdings niemals die Oberhand über das Geschehen gewannen. Die Zukunft, in der sich Dani wiederfindet, erscheint dabei meilenweit entfernt von den düsteren Anti-Utopien, die sonst die Science Fiction der 70er dominieren: Kriege gibt es nicht mehr, alle Versorgungsengpässe gehören der Vergangenheit an, die Menschheit ernährt sich ausschließlich vegetarisch und achtet alles tierische Leben – es scheint fast, als habe Mora ein Seminar in Achtsamkeit absolviert, wie man das heute gerne nennt. Zeichnerisch steht die Serie mit beiden Beinen in der franko-belgischen Action-Schule – vor allem Eddy Paapes Luc Orient mit seinen bizarr-fantastischen fremden Welten ist hier nicht weit entfernt, aber auch Jean-Claude Mézières‘ Vision für seine Raumagenten Valérian und Laureline steht überdeutlich Modell, was Gimenez sogar in einer direkten optischen Referenz verpackt, in der Valérians Raumschiff auf dem intergalaktischen Schrottplatz zu erspähen ist.

Diese fulminante, jugendgerechte Reihe erlitt in der Folge ein etwas zersplittertes Publikations-Schicksal: nach einigen Ausgaben in der Gaceta Junior Tintin schloss sich eine immerhin siebenteilige Albenreihe bei Editorial Planeta an, parallel dazu ging es im französischen Tintin weiter. Die deutsche Leserschaft durfte erstmals 1972 in den Seiten des seligen Zack-Magazins die Bekanntschaft mit Dani machen, wo einige wenige Episoden erschienen, bevor 1983 mit drei Alben bei Carlsen die deutsche Inkarnation der Reihe ihr vorläufiges Ende fand. Umso lobenswerter ist es daher, dass der rührige All-Verlag in insgesamt acht Alben unter dem Label „Zack-Klassiker“ die Serie nun vollständig auflegen will, jeweils angereichert mit wahrlich umfassendem Dokumentations- und Hintergrund-Material. Genau diese Präsentation hat unser jugendlicher Held in jedem Falle verdient, den wir hier gerne wiederentdecken. Für Sammler gibt es übrigens eine auf 111 Exemplare limitierte, nummerierte Vorzugsausgabe im Schutzumschlag.Album 2, „Wenn das Monster angreift“, ist ebenfalls bereits zu haben. (hb)

Dani Futuro, Band 1: Das verschollene Raumschiff
Text: Victor Mora
Bilder: Carlos Giménez
56 Seiten in Farbe, Hardcover
All Verlag
15,80 Euro

ISBN: 978-3-96804-020-2

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