Valerian: Die Vorlage zum Kinofilm (Carlsen) | Comicleser

Valerian: Die Vorlage zum Kinofilm (Carlsen)

Juli 10, 2017

Demnächst startet „Valerian – Die Stadt der tausend Planeten“ in den deutschen Kinos, der neue Film von Luc Besson, basierend auf der Comicreihe „Valerian und Veronique“ der beiden Altmeister Pierre Christin und Jean-Claude Mézières, die nun seit beinahe fünfzig Jahren erscheint. In den Hauptrollen Dane deHaan („A Cure for Wellness“) und Topmodel Cara Delevingne (die Enchantress aus „Suicide Squad“). Und mit 160 Millionen Euro Produktionskosten bis dato der teuerste europäische Film. Ein passender Anlass für den Carlsen Verlag, seit jeher die Deutsche Heimat der Serie, die beiden dem Film zugrunde liegenden, klassischen Alben in einem Band der breiten (Neu-)Leserschaft zugänglich zu machen.

„Im Reich der tausend Planeten“, Band 2 der Serie, erschien erstmals 1969, Mézières benutzte damals noch sein Pseudonym „Linus“: Valerian und Laureline (huch, neuer Name! – mehr dazu unten) reisen auf den weit entfernten Planeten Syrtis. Dort tummeln sich Lebewesen aller Art, von allen Planeten des Systems. Und dort leben auch die Kundigen, Heiler und Wahrsager, die sich hinter mächtigen Helmen verbergen und zu denen man pilgert, um sich die eigene Zukunft lesen zu lassen. Das Besondere an Syrtis: die dortige Zivilisation ist nicht von Kultur und Technologie der Erde beeinflusst, der Raum-Zeit-Sprung, den Valerians Raumschiff beherrscht, ist noch unbekannt. Grund genug für die beiden Agenten des Raum-Zeit-Service, inkognito auf Syrtis zu ergründen, ob die Welt dereinst der Erde gefährlich werden kann. Als Laureline auf dem Markt eine Taschenuhr ersteht, die nur von der Erde stammen kann, nimmt das Unheil seinen Lauf, denn die beiden geraten in den Fokus der offenbar sehr mächtigen Kundigen, den heimlichen Herrschern von Syrtis, die ein dunkles Geheimnis umgibt…

Das zweite Abenteuer, das den Film beeinflusste, ist „Botschafter der Schatten“, 1975 als Band 6 der Reihe erschienen. Valerian und Laureline begleiten den Botschafter der Erde nach Central City, eine Stadt, die frei im All schwebt, so groß wie ein Planet, in der über tausend verschiedene Völker und Rassen des Alls zusammenleben. Nun, nicht direkt zusammen, eher nebeneinander. Denn jedes Volk, jede Rasse, bildet hier seinen Planeten en miniature ab. Will heißen: jede Zelle so heißen die verschiedenen Bereiche, hat anderes Klima, andere Schwerkraft, eben die Verhältnisse des Heimatplaneten des jeweiligen Volkes. Zwischen den Zellen kommuniziert man via Monitor, direkte Kontakte gibt es kaum. Nun hat die Erde erstmals den Vorsitz des Rates von Central City. Deshalb begleiten Valerian und Laureline den Botschafter in die irdische Zelle, quasi als Bodyguards. Doch die Sache geht gleich in die Hose. Der Botschafter wird entführt und Valerian gelangt auf das Raumschiff der Kidnapper. Laureline ist nun auf sich allein gestellt und lernt bei der Suche nach Valerian den Stadtplaneten/die Planetenstadt gründlich kennen, indem sie sich von Volk zu Volk und von Hinweis zu Hinweis hangelt…

Band 1 der Gesamtausgabe mit „Im Reich der tausend Planeten“

Schon wieder ein „Sonderband“ nach der Kompaktausgabe anlässlich des Jubiläums „50-Jahre Carlsen Comics“ („Das Land ohne Sterne“ und „Willkommen auf Alflolol“), die jüngst erschien. Wieder im gleichen Format, sozusagen als „Volksausgabe“, etwas kleiner als die üblichen Alben. Dafür bietet der Band erneut viel Comic für wenig Geld und soll in erster Linie Neulesern und potenzielle Kinogänger ansprechen. Fans der Serie wird eine Änderung sofort ins Auge stechen: erstmals und wohl auch einmalig heißt Veronique nicht Veronique, sondern Laureline, wie das im Original schon seit jeher der Fall ist. Diese Änderung ist selbstverständlich dem Film geschuldet, wo die Dame natürlich ihren eigentlichen Namen auch in der deutschen Synchronisation behalten hat (als originelle Erklärung für die unnötige Namensänderung in der Comicserie seinerzeit muss ein gewisser chaotischer Redaktionsbote herhalten…).

Das Besondere an „Valerian und Veronique“ (bleiben wir beim angestammten deutschen Namen) ist der Präsentations-Stil und die überbordende Fantasie. Noch ehe Alien-Rassen aller Art durch Star Wars und Konsorten über die Kinoleinwand salonfähig wurden, schickten Christin (der auch durch seine Polit-Comics mit Enki Bilal glänzte und von dem zuletzt hierzulande die zweiteilige Krimiserie „Detektei Hardy“ erschien) und Mézières ihre Raum-Zeit Agenten aus Galaxity quer durch das Weltall in originelle Szenarien mit ebenso originell und fantasievoll gestalteten Figuren. Und dies geschah in einem ureigenen Zeichenstil, der im Prinzip nicht sonderlich filigran und eher mit dem Funny verwandt ist, v.a. zu Beginn der Reihe. Wer sich den Abenteuern der beiden Helden intensiver und bibliophiler widmen möchte, dem sei die fein eingerichtete Gesamtausgabe bei Carlsen empfohlen, die auch im Hardcover-Format daherkommt. Ob der Inhalt des Films auch passt und das Wesen der Serie trifft, wird sich in Kürze zeigen. Die Trailer kommen schon mal sehr knallig und bunt daher. Die Schöpfer dieser Welt, Christin und Mézières, die beide im nächsten Jahr 80 werden, durften den Streifen in einer Vorab Aufführung exklusiv bewundern und zeigten sich vollauf zufrieden. Kinostart bei uns ist der 20. Juli. (bw)

Valerian & Laureline: Filmausgabe
Text: Pierre Christin
Bilder: Jean-Claude Mézières
96 Seiten in Farbe, Softcover
Carlsen Verlag
9,99 Euro

ISBN: 978-3-551-73430-3

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