Luc Orient, Band 1+2 (All Verlag) | Comicleser

Luc Orient, Band 1+2 (All Verlag)

März 19, 2019
Luc Orient, Band 1 (All Verlag)

Legenden haben einen wahren Kern. Das muss auch der Forscher Damiani erfahren, als er irgendwo in der Wildnis im mittleren Osten alten Erzählungen um angebliche Feuerdrachen und leuchtende Steine nachgeht. Als er tatsächlich einen dieser legendären Steine findet und diesen zum Forschungslabor Eurokristall bringen will, wo ihn der renommierte Doktor Kala untersuchen soll, stirbt Damiani an einer unbekannten Strahlung, die der Stein abgibt. Gemeinsam mit Luc Orient und der versierten Mitarbeiterin Lora reist Kala zum vermeintlichen Fundort des Steins, um dessen mysteriöse Herkunft aufzuklären und um dem Geheimnis der Legenden um die Feuerdrachen auf den Grund zu gehen. Verfolgt wird die Truppe von dem intriganten und skrupellosen Doktor Argos, ein ehemaliger Schüler Kalas, der die Macht erahnt, die der Stein birgt und der demnach nichts Gutes im Schilde führt. Natürlich stecken hinter den Feuerdrachen Fliegende Untertassen und natürlich kommt es zu einer ersten Begegnung mit den gestrandeten weißhäutigen Außerirdischen vom Planeten Terango. Doch die sind nicht der Feind. Der heißt einmal mehr Argos…

Da ist er wieder! Nach der zuletzt fünfbändigen Gesamtausgabe, die 2011 und 2012 bei Ehapa erschien, startet der franko-belgische Science Fiction Klassiker erneut bei uns durch. Diesmal im All Verlag und wieder in Einzelbänden. Es ist insgesamt bereits die siebte Verlagsstation in Deutschland seit dem Seriendebut im Zack des Koralle Verlags im Jahr 1973 (zuvor gab es nur eine Kurzgeschichte im MV-Magazin). Was die berechtigte Frage aufwirft: lohnt sich ein Kauf? Antwort: ein klares JA. Weil: die bisherigen Luc Orient-Runs sind inzwischen nur noch antiquarisch erhältlich, so auch die Ehapa Gesamtausgabe. Dazu wurde die Serie neu übersetzt, kommt erstmals komplett im Hardcover daher und in einem großen Format, das die Zeichnungen richtig zur Geltung bringt. Auch an den Farben hat man etwas geschraubt, vergleicht man mit der Ehapa-Ausgabe. Und: Jeder Band enthält über 15 Seiten Zusatzmaterial (ähnlich wie das Splitter auch mit „Comanche“ und „Storm“ handhabt), mit Sekundärtexten und Infos zur Reihe und den Machern und zahlreichen Abbildungen, ob aus den Tintin-Veröffentlichungen (u.a. das Cover der einzigen in Kanada erschienenen Ausgabe) oder „historischen“ Deutschen Alben. Eine klare Steigerung zur Gesamtausgabe, wo mit dem Zusatzmaterial arg gespart wurde.

Luc Orient, Band 2 (All Verlag)

Hier wird in Band 1 die Situation in der Tintin-Redaktion geschildert, als Autor Greg (d.i. Michel Régnier) 1967 auf Betreiben des Verlagschefs Georges Dargaud zum Chefredakteur des Magazins aufstieg, das er eigentlich verlassen wollte, und es anschließend zu neuen inhaltlichen (Greg schrieb u.a. „Bruno Brazil“, „Andy Morgan“ und „Comanche“) wie auflagetechnischen Höhen führte. Als Zeichner Eddy Paape im gleichen Jahr zu Tintin geholt wurde, war der Belgier bereits lange Jahre im Geschäft – so zeichnete er zuvor bereits einige Episoden von „Valhardi“ und auch durch die Serie „Marc Dacier“, an der er später parallel zu „Luc Orient“ weiterarbeitete und die nie auf Deutsch erschien, war er eine etablierte Größe in der Branche. Was auch den ausgereiften, realistischen Zeichenstil erklärt, mit dem bereits der erste „Luc Orient“-Band aufwartet. Band 2 geht im Sekundärpart auf interessante Parallelen zu Alex Raymonds SF-Klassiker „Flash Gordon“ ein (Luc als ungestümer, blonder Draufgänger und die Vogelmenschen), der gerade im Hannibal Verlag mit einer mustergültigen Neuedition gestartet ist.

„Luc Orient“ beginnt wie eine klassische Abenteuer-Reihe, mit einem festen Ensemble (der Wissenschaftler Hugo Kala, Lora als Lucs Love Interest und Toba als „Sidekick“), geheimnisvollen und gefährlichen exotischen Schauplätzen und einem fiesen Antagonisten in der Person des kahlköpfigen Julius Argos (wobei die Auftritte von Argos‘ mafiösem Schergen Toro etwas albern anmuten). Science Fiction-Elemente werden behutsam eingeführt und gehören im ersten Band noch zur Feuerdrachen-Legende, allenfalls das Eurokristall-Labor und dessen Ausstattung sorgt für ein futuristisches Ambiente. In Band 2 lassen Greg und Paape dann die Zügel los und die aufgebaute Spannung und Erwartung findet zuerst im Auftritt der Außerirdischen vom Planeten Terango und dann im gemeinsamen Konflikt mit Argos ihren Höhepunkt. Die nächsten drei Bände spielen dann komplett auf Terango, wenn es gegen den Tyrann Sectan geht. Das weckt alte Zack-Erinnerungen, da sind wir gerne wieder mit von der Partie – und auch wenn es zum x-ten Mal ist, freuen wir uns wieder darauf. Von beiden Bänden gibt es eine auf 111 Exemplare limitierte Vorzugsausgabe mit Exlibris und Schutzumschlag, die – wen wundert’s – bereits vergriffen ist. (bw)

Luc Orient, Band 1: Die Feuerdrachen
Luc Orient, Band 2: Die gefrorenen Sonnen

Text: Greg
Bilder: Eddy Paape
je 64 Seiten in Farbe, Hardcover
All Verlag
je 15,80 Euro

ISBN: 978-3-946522-40-9 (Band 1)
ISBN: 978-3-946522-42-3 (Band 2)

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