Velvet, Band 3 (dani books) | Comicleser

Velvet, Band 3 (dani books)

April 23, 2018

Velvet Templeton. Alle jagen sie. Aber weder die Jäger noch Velvet selbst wissen so recht, warum und wieso. Nur eines scheint klar: seit sie bei dem Mord an X-14 auf Ungereimtheiten stieß, auf eigene Faust Nachforschungen anstellte und dann auch noch zum Sündenbock abgestempelt wurde, hat sie – die Ex-Agentin des ultrageheimen Geheimdienstes ARC-7 – keine ruhige Minute mehr. Denn einerseits will sie endlich wissen, was und wer hinter der ganzen Sache steckt, die sie auch persönlich berührt (sie musste ihren Ehemann erschießen) und andererseits muss sie ständig auf der Hut vor Verfolgern und Angriffen sein. Dazu kommt: Wem kann sie noch trauen? Wer spielt ein falsches, ein doppeltes Spiel? Einstweilen sucht sie nach der übergeordneten Sicht auf die Dinge. Sie tut sich mit dem selbstverliebten Star-Agenten Maximilian Dork zusammen, der sie hintergeht, was sie natürlich weiß und einkalkuliert. Während ARC-7 den Agenten Colt Simonson (genannt X-33) auf sie ansetzt, führt ihre Spur über New York nach Washington DC. Dort hofft sie, die offenbar entscheidenden fehlenden Stunden vor X-14s Ermordung rekonstruieren zu können. Was sie zu einem beispiellosen Politskandal führt, der Anfang der Siebziger Jahre die USA erschüttert…

Oh, Watergate! Aber keine Angst – wir verraten hier nicht zu viel. Die nach dem Gebäudekomplex in Washington benannte Affäre, die Nixon letztendlich den Job kostete (und der in dem Band auch persönlich auftritt), ist hier noch lange nicht das Ende der Story-Fahnenstange. Aber eine äußerst originelle Idee von Autor Ed Brubaker, reale Ereignisse mit Fiktion zu verbinden. Dazu präsentiert er uns hier einen entscheidenden Aspekt des Skandals, der sogar Woodward und Bernstein verborgen blieb. Die Auflösung folgt in ihrer Gänze – auch das dürfen wir ruhigen Gewissens verraten. Doch zeigt sich dabei, dass der Weg das Ziel ist und war. Während die finale Erklärung der Ereignisse rund um Velvet etwas an den Haaren herbeigezogen ist und daher leicht enttäuscht, besteht die Story bis dahin aus feinstem Agenten-Wirrwarr. Velvet schafft es, ihren Widersachern immer einen Schritt weit voraus zu sein, auch wenn sie dazu drastische Massnahmen ergreifen muss. Die können mutig oder schmerzhaft sein und erfordern in jeder Hinsicht vollen Körpereinsatz. Neben diversen größeren und kleineren Plot-Twists kommt dabei auch die Action nicht zu kurz, wobei Velvet ihren spektakulären Wingsuit immer wieder gerne einsetzt.

Das limitierte HC mit elegantem Variant-Cover

Gut zwei Jahre nach dem letzten Band bringt dani books die Reihe dankbarerweise zu Ende, in einer verkleinerten Auflage von 750 Exemplaren, wobei der Verlag zusätzlich für Sammler wieder eine Miniauflage von nur 50 Stück im Hardcover-Format zur Verfügung stellt. Ein letztes Mal begleiten wir die ungewöhnliche Heldin aus der Feder von Ed Brubaker (u.a. Gotham Central, Criminal, Fatale, Kill or be Killed), bis diese schließlich die Puzzleteile zusammensetzt und das Katz- und Maus-Spiel beendet wird. Einmal mehr sind die Zeichnungen von Steve Epting ein echtes Highlight. Epting, der mit Brubaker bereits bei Captain America zusammenarbeitete, illustriert realistisch und elegant mit einem klaren Strich und ganz viel Schwarz – kein Wunder, ist Velvet doch äußerst nachtaktiv. Dass die Story Anfang der Seibziger Jahre spielt, kommt hier – bis auf den Watergate-Ausflug – kaum zum Tragen: Die Agenten-Gimmicks vom Stealth Suit bis zu zum Hologramm sind hochmodern, und sogar Überwachungskameras haben hier schon Konjunktur. Vielleicht reisen Brubaker und Epting noch einmal zurück zu ihrer Agentin. Wir wären wieder dabei.

Velvet, Band 3: The Man who stole the World
Text: Ed Brubaker
Bilder: Steve Epting, Elizabeth Breitweiser (Farben)
128 Seiten in Farbe, Softcover
dani books
18,99 Euro

ISBN: 978-3-944077-73-4

 

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