Entosaurus Rex (Egmont) | Comicleser

Entosaurus Rex (Egmont)

April 28, 2017

Jurassic Park? Kennen wir. Jurassic World? Check. Jurassic Duckburg? Das drängt sich jetzt nicht unmittelbar auf. Aber nachdem die bunte Entenhausen-Schar in ihrer dekadenlangen Veröffentlichungsgeschichte wohl schon so ziemlich jede Begegnung der dritten, vierten und sonstigen Art hatte, mag es kaum verwundern, dass es Donald, Dagobert, Micky und Co. auch des Öfteren schon mit Urzeitechsen aller Art zu tun bekamen. Und da sich das Thema Dinos in allen Formen und Farben nicht zuletzt bei der jüngeren Leser- und Zuschauerschaft ungebrochener Popularität erfreut, wirft Egmont als neuesten 32. Band der Antholo- oder vielmehr Enthologie der lustigsten und spannendsten Abenteuer rund um Saurier in den Urwald der Comicläden. Gewohnt hochwertig und voluminös, bringt diese Hardcover-Ausgabe auf mehr als 500 Seiten die gleiche Zusammenstellung, die auch unter der Flagge „Lustiges Taschenbuch Spezial“ Nr. 52 erscheint.

Insgesamt 15 Mal heißt es dabei „Expeditionen in die Urzeit“, wobei sich die ganze Bevölkerung Duckburgs ein Stelldichein gibt. Dabei lassen sich grundsätzlich zwei Ansätze unterscheiden: entweder treffen Donald & Co. auf Urzeitviecher, die es bis in die heutige Zeit geschafft haben (eben à la Jurassic-was auch immer), oder Vorfahren unserer liebgewonnen Figuren schlagen sich in der Vorzeit mit allerlei Kroppzeug herum.  So etwa in der Auftakt-Story „Die Warmlanddrachen“, in der sich eine Urzeit-Variante von Uncle Scrooge ein neues Geschäftsmodell einfallen lässt. Weil sich die Höhlenkinder beim ewig gleichen Mammut-Reiten langsam aber sicher langweilen, aber der kostbare Feuerholz-Speicher gefüllt sein will, muss eine neue Attraktion her – und die sucht der findige Dagobut in Form von sagenhaften Drachen, die irgendwo in einem entfernten, nicht vereisten Gebiet leben sollen. Gemeinsam mit seinem Angestellten Donut macht er sich auf den Weg und findet tatsächlich eine Siedlung voller Saurier…

In „Im Land der Saurier“ dagegen besuchen Dagobert, Donald und die Neffen im Hier und Jetzt den rührigen Daniel Düsentrieb, der mit seinem alten Kumpel Professor Strock eine sensationelle Geschichte erzählt: aus einem Vulkan ist ein veritables Dino-Ei gespuckt worden, aus dem doch tatsächlich ein lebendiger Pterodaktyl schlüpft. Irgendwo unter dem Erdmantel muss sich also eine Urzeitwelt erhalten haben, und mit Hilfe eines von Düsentrieb konstruierten Gefährts namens Tiefwühler macht sich der Stoßtrupp flugs auf den Weg, um wissenschaftliche Erkenntnisse (für die Forscher), Reichtümer (für Dagobert) und Spiegeleier (für Donald) zu finden. Unter der Oberfläche lauern aber nicht nur faszinierende Welten, sondern durchaus auch Gefahren…

In „Die vergessene Insel“ treffen Micky und Minnie den alten Haudegen Käpt’n Koloman, dessen Forschungsreisen bislang von wenig Fortune gesegnet waren. Jetzt aber ist der Seebär sicher, den richtigen Riecher zu haben: auf einer Insel, die auf keiner Seekarte verzeichnet ist, vermutet er wundersame Wesen, die er für einen Dokumentarfilm aufnehmen will, der dann Ruhm und Reichtum bringen soll. Minnie überzeugt Micky, auf der Fahrt anzuheuern und im Film die Rolle des tapferen Forschers zu übernehmen. Aber nicht nur die Natur hält auf der Insel böse Überraschungen bereit, auch der Fiesling Kater Karlo mischt im Hintergrund gehörig mit…

Wie fast schon üblich in den Disney-Ausflügen in die Geschichte (vertreten war dabei schon fast jede Epoche – wir erinnern uns nur an die „Es war einmal in Amerika“-Serie), verpassen die Ducks und Mouses auch hier der realen Historie ihren zutiefst eigenen Stempel. Elementare Erfindungen werden von Vorfahren der Ducks, Mickys und Goofys gemacht, man entdeckt bislang unbekannte Spezies wie Lachsaurier und die Duckoraptoren und schwingt sich mit den bekannten zeitlosen Charakterzügen (Donald der Schussel, Dagobert der geschäftstüchtige Geizkragen, die patenten Neffen, Micky als Tausendsassa) durch die Anfänge der Erdhistorie. Ebenso wie gewohnt werden durchgängig auch literarische und filmische Motive verarbeitet: die Reise unter die Erde haben wir natürlich auch bei Jules Verne erlebt, aber der Tiefwühler könnte auch dem wunderbar trashigen Kinoabenteuer „Der sechste Kontinent“ entsprungen sein.

Käpt’n Kolomans Ausflug in unbekannte Gefilde liefert eine einzige Hommage an den Uropa aller Monsterfilme: die Filmexpedition auf eine verborgene Insel kennen wir natürlich aus King Kong (Skull Island lässt grüßen), komplett mit Probeaufnahmen an Deck und Eingeborenen mit bunten Bräuchen. Wobei der Affe selbst nicht vorkommt, sondern nur die Saurier, mit denen es die Reisenden bei Kong auch zunächst zu tun bekommen. In „Die verlorene Welt“ schließlich tritt Professor Challenger – eigentlich ja ersonnen von Holmes-Schöpfer Arthur Conan Doyle für das Urzeit-Abenteuer „The Lost World“ – selbst auf und führt Donald und Dagobert auf das berühmte Urwald-Plateau, auf dem sich prähistorische Echsen aller Art erhalten haben.

Auch wenn die allererste Riege der Duckburg-Schöpfer wie etwa Daan Jippes oder Don Rosa (oder gar Legenden wie Carl Barks) hier nicht vertreten sind, entsteht aus der Feder von Carlo Gentina, Francois Corteggiani, John Blair Moore und anderen dennoch ein vergnüglicher Reigen, der alte und junge Freunde der Materie gleichermaßen amüsieren sollte. Und der als eiszeitlicher Ziegel gut im Regal steht. (hb)

Enthologien Nr. 32: Entosaurus Rex – Expedition in die Urzeit
Text: Carlo Gentina, François Corteggiani, John Blair Moore u.a.
Bilder: Giorgio Cavazzano, Romano Scarpa u.a.
512 Seiten in Farbe, Hardcover
Egmont Comic Collection
15 Euro

ISBN: 978-3-7704-3933-1

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