Wonder Woman-Göttin des Krieges, Band 1 (Panini) | Comicleser

Wonder Woman-Göttin des Krieges, Band 1 (Panini)

Juli 29, 2016

Wonder Woman-Göttin des Krieges, Band 1 (Panini)

Prinzessin Diana von Themiscyra. So kennen wir sie, und so war das ja auch immer wunderbar, aber bisweilen wird man im Leben ja befördert. Und dass das nicht immer gut sein muss, erfährt Diana eindrucksvoll, nachdem sie zur Königin der Amazonen aufsteigt. Ihre Mutter Hippolyta wurde nämlich von Hera verflucht und ist seitdem nur noch als Lehmstatue zu bewundern. So fällt die Last der Krone auf Diana, die nach dem vernichtenden Kampf mit dem Erstgeborenen des Zeus, dem Gott Ares, auch noch dessen Rolle als Gott des Krieges einnehmen muss. Und dann ist da auch noch ihr Job als Mitglied der Justice League, in der ihr Herzensschatz Kal-El immer wieder mal mit seinen Kumpels die Kohlen aus dem Feuer holt. Multitasking ist also noch untertrieben, zumal es auf der Paradiesinsel mächtig rumort: man wirft Diana vor, dass sie ihre Pflichten als Königin verletzt, weil sie ständig unter den Menschen wandelt – und dass sie ihr Erbe als Amazonin verraten hat, weil sie es den verstoßenen Söhnen der Amazonen gestattet, auf die Insel zurückzukehren. Jede Menge Sprengstoff also, der sich verdichtet, als die Justice League mit mysteriösen Naturkatastrophen konfrontiert wird, die rund um den Globus ganze Dörfer spurlos verschlucken.

In Peru dringen Batman, Superman und Diana in eines der Erdlöcher ein, die ganze Siedlungen einfach verschlucken, und machen eine grausame Entdeckung: seltsame Insektenwesen nutzen die Menschen offenbar als Nahrung. Auf Themiscyra sieht sich Diana währenddessen zunehmenden Anfeindungen ausgesetzt – die alte Vettel Derinoe pflegt einen ausgewachsenen Hass auf Diana und wiegelt die Amazonen immer weiter auf. Mit Hilfe der finsteren Göttin Hekate erschafft sie schließlich aus dem Nichts eine brandgefährliche Gegenspielerin: Donna Troy, die perfekte Amazone, die nicht von einer Mutter geboren wurde, sich als einzig wahre Königin ausruft und gegen die Männer auf der Paradiesinsel in den Krieg zieht. Alles läuft auf eine ultimative Auseinandersetzung der beiden Alpha-Mädchen hinaus, während die Justice League auf die wahren Hintergründe der gestohlenen Dörfer stößt – und Diana entsetzt feststellt, dass sie auch hieran nicht ganz unschuldig ist. Und in dieser ganzen Misere hilft es auch gar nicht, dass Dianas ungeliebte Berufung als Göttin des Krieges sich in durchaus gewalttätigen Anwandlungen äußert. Von allen Seiten bedroht, muss sich Diana fragen, wie sie aus all dem siegreich hervorgehen soll, als Hilfe von unerwarteter Seite naht…

Stilvoll: das Variant der Nr. 1

Stilvoll: das Variant der Nr. 1

Wunderbar passend zum ersten ComicCon-Trailer des Wonder Woman-Films, der uns im Oktober ins Lichtspielhaus steht, liefert das Ehepaar Meredith und David Finch mit der Storyline „War-Torn“ eine kraftvolle, furiose Fortsetzung der Ereignisse, die Brian Azzarello im Rahmen der New 52 bei DC als Relaunch der Figur präsentierte. Diana sieht sich buchstäblich einem Krieg an mehreren Fronten gegenüber: als Reaktion auf ihre Versuche, gerecht und weise zu herrschen, erntet sie daheim Bürgerkrieg; Batman stellt zunehmende Aggression bei ihr fest; und ihre Sehnsucht nach ihrer Mutter Hippolyta stürzt sie vollends in eine Identitätskrise. Der permanente Wechsel zwischen den Auseinandersetzungen auf der Paradiesinsel mit den Einsätzen der Justice League (neben Supie und Batman kommen auch Flash, Cyborg und Aquaman zu Ehren) halten ein atemloses Tempo, das neben spektakulären Action-Szenen (komplett mit magischem Lasso, aber der alberne unsichtbare Jet fehlt dankenswerterweise) auch stets die Frage nach Moral, Identität und Gewalt aufwirft.

Der wahre Star neben der flotten Handlungsführung durch Meredith Finch ist hier allerdings natürlich einmal mehr David Finch (Batman, Ascension), der die Amazone so kraftvoll, dynamisch, energetisch und explosiv inszeniert, wie man das lange nicht gesehen hat. Immer wieder gerne mit ganzseitigen, regelmäßig auch doppelseitigen Panels liefert Finchs leicht stilisierter Touch zeichnerische Superhelden-Virtuosität par excellence, mit einer Verwegenheit, die teilweise an die X-Men-Arbeiten eines Jim Lee oder auch die besten Momente von Todd McFarlane erinnert. Und ja, Diana ist auch megascharf, komplett mit Sternchen auf dem Hintern. Lecker. Der vorliegende Band enthält die US-Ausgaben Wonder Woman 36-40 sowie das Wonder Woman Annual 1 von 2015, in dem Goran Sudzuka (Y-The Last Man, Ghosted – beide auch bei Panini) den Zeichenstift übernimmt und in deutlich anderem, eher verhaltenen optischen Duktus erklärt wird, warum Derinoe so schlecht auf Hippolyta und ihre Tochter Diana zu sprechen ist. Band 2 ist ebenfalls schon erschienen. Wir sind schon dabei. Vom Erstling ist noch eine auf 333 Stück limitierte Variant-Edition erhältlich, deren Cover an das Plakat eines gewissen Historienstreifens angelehnt ist… (hb)

Wonder Woman – Göttin des Krieges, Band 1: Kriegswunden
Text: Meredith Finch
Bilder: David Finch, Goran Sudzuka
156 Seiten in Farbe, Softcover
Panini Comics
16,99 Euro

ISBN: 978-3-95798-734-1

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