Conan der Cimmerier, Band 7 (Splitter) | Comicleser

Conan der Cimmerier, Band 7 (Splitter)

Mai 4, 2020
Conan der Cimmerier, Band 7: Aus den Katakomben (Splitter Verlag)

Marodieren macht zu zweit einfach mehr Spaß: Conan und seine Spießgesellin Valeria machen sich wieder mal aus dem Staub und gelangen dabei bis in die Waldgebiete des sagenumwobenen Landes Darfar. Dort müssen sie es zuerst einmal mit einer Urweltechse aufnehmen, der sie dank Conans Wissen um die giftigen Kräfte der heimischen Früchte enorm Saures geben. Auf einer Ebene stoßen sie kurz darauf auf ein gewaltiges Gebäude, das sie anfänglich für einen Tempel halten und als Ruhestätte für die Nacht auswählen. Das geht natürlich nicht lange gut: Valeria muss rüde einschreiten, als ein flammenbewehrter Gruselkopf eine ausgemergelte Figur meucheln will. Mehr und mehr Feinde stellen sich ein, aber der herbeieilende Conan macht dem Spuk schwertgewaltig ein Ende.

Als Dank nimmt der Gerettete namens Techotl die beiden mit und erzählt ihnen die Geschichte des vermeintlichen Tempels – der ist nämlich eine ganze Stadt namens Xuchotl, der die verfeindeten Stämme der Tecuhlti und der Xotalanc beherbergt, die sich seit Äonen in den Mauern des gewaltigen Gebäudes bekriegen. Angekommen im Thronsaal, lauschen Conan und Valeria fasziniert den Ausführungen des Tecuhlti-Prinzen Olmec, der die Geschichte einer generationenüberspannenden Fehde berichtet, die man nun mit Hilfe der beiden schlagkräftigen Fremden ein für alle Male beenden will. Dubios bleibt dabei allerdings, dass die Prinzessin Tascela das Wunder der ewigen Jugend gefunden zu haben scheint: die Dame ist die einzige, die in der Zeit vor den Kriegswirren geboren wurde, und schaut doch frischer drein als alle ihre Stammesgenossen. Irgendetwas scheint ganz gewaltig faul zu sein im Staate Darfar, und bald finden sich Conan und Valeria in den Fängen uralter stygischer Magie wieder…

Mit „Red Nails“, so der Originaltitel dieser Story, lieferte Robert E. Howard 1935 die nach seinen eigenen Worten „dunkelste, blutigste und brutalste der bisherigen Serie“: ganz bewusst verband Howard hier Orgien aus Gewalt und Erotik, nicht zuletzt in der blutrünstigen Erzählung Olmecs über die unselige Fehde, die in den Katakomben von Techotl ihren Ursprung nahm. Die Pseudo-Aztekischen Namen täuschen dabei kaum darüber hinweg, dass Howard auf die Abseitigkeiten diverser abgeschiedener Nester im amerikanischen Niemandsland anspielte (so etwa berichtete er in einem Brief an seinen Kumpel H.P. Lovecraft fasziniert von einem völlig abgeriegelten Örtchen namens Lincoln in New Mexico).

Gleichzeitig bietet „Red Nails“ das ins Extrem gesteigerte Gegenstück zu „Beyond The Black River“ (in der vorliegenden Serie ebenfalls schon adaptiert – „Jenseits des schwarzen Flusses“, Band 3), wo Howard bereits vehement die These ausbreitet, dass die dekadente Zivilisation immer von der rohen Vitalität der Barbarei überrannt wird: die Stadt Techotl stellt ein absolutes Kunstgebilde dar, dessen Bewohner die Außenwelt seit Jahrzehnten nicht mehr betreten haben und sich von Früchten ernähren, die ohne Kontakt zur Erde wachsen – eine völlige Losgelöstheit von der Natur, die sich auch in den schwarzen Künsten äußert, die Tascela praktiziert. Mit dieser Figur mischte Howard ganz bewusst Elemente von Sheridan Le Fanus lesbischer Vampir-Lady Carmilla in die wilde Melange, ganz offensichtlich um die Rezeptur Sex and Violence noch weiter anzuheizen, wie aus einem Brief an Lovecraft hervorgeht: „Wenn Du sie liest, wüsste ich gerne, wie Du über meinen Umgang mit dem Thema Lesbianismus denkst“.

Dass der Themenkomplex einer Lebensenergie raubenden, eigentlich alten Dame vielleicht auch eine unbewusste Reflektion von Howards eigener Situation war, der sich über ein Jahr um seine bettlägerige Mutter kümmerte, bringt eine weitere faszinierende Facette zu dieser Story, die sich als Howards letzte erweisen sollte: die Erzählung erschien in drei Teilen, als sich der Autor schon umgebracht hatte. Und nicht zuletzt liefert „Red Nails“ in Valeria die Vorlage für Conans Gefährtin im ersten Kino-Epos, wobei die Filmfigur, die aus dem Jenseits heraus ihren Geliebten rettet, auch Züge der Königin der schwarzen Küste Belit enthält. Erzählerisch und optisch ist auch dieser Band wieder ein Leckerbissen, schmissig adaptiert von Régis Hautière („Der Krieg der Knirpse“, „Perico“) und Olivier Vatine („Die lebende Tote“, „Nuork“) und leicht cartoonhaft inszeniert von Diedier Cassegrain („Schwarze Seerosen“). Wir freuen uns schon auf die nächste Episode: „Der schwarze Kreis“ steht in den Startlöchern. (hb)

Conan der Cimmerier, Band 7: Aus den Katakomben
Text: Régis Hautière, Olivier Vatine, nach Robert E. Howard
Bilder: Didier Cassegrain
64 Seiten in Farbe, Hardcover
Splitter Verlag
16 Euro

ISBN: 978-3-96219-208-2

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