H.P. Lovecrafts „Die Farbe aus dem All“ (Carlsen) | Comicleser

H.P. Lovecrafts „Die Farbe aus dem All“ (Carlsen)

April 9, 2020
H.P. Lovecrafts "Die Farbe aus dem All" (Carlsen Manga)

Verfluchte Heide. So nennt man das Stück Land, das einer Wüstenei gleicht. Nichts wächst dort mehr. Dabei war dies einst das Heim von Nahum Gardner, der hier mit seiner Familie erfolgreich eine Farm bewirtschaftete. Was war passiert? Die Geschichte wird rückblickend von einem Freund Nahums namens Ammi Pierce erzählt, der die Geschehnisse einem Landvermesser berichtet, welcher den Bau eines Staudamms vorbereiten soll: Eines Tages geht ein Meteorit in der Nähe von Nahums Farmhaus nieder. Der Bote aus dem All zeigt seltsame Eigenschaften: er schrumpft, Proben lösen sich in Nichts auf und sein Kern, der ebenfalls verschwindet, zeigt ein der Wissenschaft unbekanntes Farbspektrum. Während eines Gewitters löst sich der Meteorit dann komplett auf. Der Spuk scheint vorüber. Doch später, als auf der Farm die Ernte ansteht, tauchen erste Unregelmäßigkeiten auf. Obst und Gemüse wachsen viel größer als üblich. Die Früchte sind ungenießbar, schmecken verdorben.

Dann verändert sich auch die Tierwelt. Hasen, Hunde und Schmetterlinge mutieren zu übergroßen, bedrohlich wirkenden Exemplaren. Nachdem Flora und Fauna rund um die Farm der Gardners immer mehr zu wuchern scheinen, greift „die Seuche“ auch auf sie selbst über: Nahum wird schnell müde, seine Kinder benehmen sich seltsam und seine Frau wird ernsthaft krank. Doch hält Nahum stur und stoisch an seinem Heim fest, auch als längst klar ist, dass der Meteorit für das Übel verantwortlich ist. Auch als sich die Katastrophen und Vorfälle häufen. Langsam aber unaufhaltsam greift der Wahnsinn um sich. Die Natur rings um die Farm nimmt das selbe Farbspektrum an, wie der Kern des Meteoriten. Fürchterlicher Gestank breitet sich aus. Körperlicher Verfall zeigt sich immer mehr. Bis es zur endgültigen Katastrophe kommt, zu einem schaurigen Finale, das auch Ammi Pierce direkt miterlebt…

„Die Farbe aus dem All“ („The Colour out of Space“) schrieb der heutige Kult-Autor H.P. Lovecraft (1890-1937) 1927. Noch im gleichen Jahr erschien die Kurzgeschichte im Magazin Amazing Stories. Die letzte von diversen Verfilmungen (u.a. „Die, Monster, Die!“ mit Horror-Ikone Boris Karloff) mit Nicholas Cage in der Hauptrolle erfolgte erst im vergangenen Jahr und erhielt durchaus auch positive Kritiken – ein Umstand, der für filmische Lovecraft-Adaptionen eher eine Seltenheit ist. Im Medium Comic läuft das schon besser, was letztlich auch Autor/Zeichner Gou Tanabe mit seinem ersten Band mit Lovecraft Adaptionen unter Beweis stellte („Der Hund und andere Geschichten“). Im Nachfolger widmet er sich nun ganz „Der Farbe aus dem All“ und wieder kann man den Band als gelungen loben. Das liegt zum einen an den erneut filigranen wie üppigen Schwarz-Weiß Bildern, die das aufsteigende Grauen in erst eindringlichen, dann verstörenden Szenen einfangen, ohne gegen Ende auf drastische Panels zu verzichten.

Damit fängt Tanabe auch die typischen Lovecraftschen Zutaten in seiner Adaption ein: das Unbekannte, Unerklärliche, Schreckliche, für den Menschen nicht Fassbare, das sich langsam ausbreitet – hier in einer Mischung aus Horror und Science Fiction Elementen. Ein lokal begrenzter Schrecken, der sich immer mehr steigert und bei dem der Leser im Unklaren gelassen wird, ob nun wieder alles gut ist, oder ob das Grauen erst am Anfang steht. Das eigentlich abstrakte Böse, dessen Wirken sich jedoch eindringlich manifestiert. Und wie so gerne bei Lovecraft stinkt es fürchterlich… Weitere Adaptionen Gou Tanabes sind in Vorbereitung: „Berge des Wahnsinns“ einer der wenigen Kurzromane des Autors, erscheint im Juli und für Anfang 2021 ist „Der leuchtende Trapezoeder“ geplant. In der Qualität nehmen wir die sehr gerne. (bw)

H.P. Lovecrafts „Die Farbe aus dem All“
Text & Bilder: Gou Tanabe
192 Seiten in Schwarz-Weiß, Softcover
Carlsen Comics
12 Euro

ISBN: 978-3-551-72294-2

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