Conan der Cimmerier, Band 2 (Splitter) | Comicleser

Conan der Cimmerier, Band 2 (Splitter)

Januar 22, 2019
Conan der Cimmerier, Band 2 (Splitter)

Shevatas, König der Diebe, kann einfach nicht widerstehen: in den verfallenen Ruinen der Stadt Kuthchemes soll ein sagenhafter Schatz verborgen sein. Dumm nur, dass er beim Versuch, sich die Reichtümer unter den Nagel zu reißen, einen uralten Magier aus Jahrtausende währendem Schlaf rettet, der sich aufmacht, die Welt zu erobern. Einstweilen geht Conan im Königreich Khoraja eher gelangweilt dem Militärdienst nach und staunt nicht schlecht, als ihn in einer finsteren Gasse ein durchaus hübsches weibliches Wesen um seine Hilfe bittet. Conan folgt der Holden in den Palast und stellt fest, dass er es mit niemand anders zu tun hat als mit Prinzessin Yasmela, die stellvertretend für ihren Bruder, der in Gefangenschaft schmachtet, regiert. Das benachbarte Königreich Koth, das unter Führung des Magiers Natohk schon halb Hyborien unterworfen hat, droht mit einer Invasion – eine Gefahr, die Yasmelas Berater und Generäle allerdings herunterspielen, weshalb die Prinzessin Conan anbietet, ihre Truppen in den Kampf zu führen.

Der Cimmerier, bislang nach eigenen Worten bestenfalls Anführer einiger Halsabschneider, schlägt ein, während Kanzler Taurus, Graf Thespides, Baron Amalric und General Agha aus ihrer Verachtung für den frischgebackenen Heerführer keinen Hehl machen. Yasmela zieht persönlich mit hinaus in die Schlacht und eröffnet Conan dabei, dass keinesfalls nur ihr Land bedroht ist: seit Wochen sucht sie Natohk in ihren Träumen heim und stellt dort die abseitigsten Dinge mit ihr an. Conan schließt messerscharf, dass sich hinter der Maske des Zauberers der uralte Magier Thugra Kotan verbirgt, den Shevatas aus dem Schlaf gerissen hat. In den Wüsten Stygiens kommt es dann zur Konfrontation: Thespides‘ Armee wird komplett ausgelöscht, bevor es Conan durch eine List gelingt, die anrennenden Nomaden, die in Natohks Diensten stehen, zu schlagen. In seiner eigentlichen Gestalt verschleppt Thugra Kotan die von ihm begehrte Prinzessin in eine Tempelruine – und nur der grimme Cimmerier steht zwischen ihm und seinen ungeheuerlichen Begierden…

Mit dieser Erzählung, die im Original als „Black Colossus“ firmierte, lieferte Robert E. Howard 1932 die siebte vollgültige Conan-Story, die sich durch ihre ausufernde Länge ebenso auszeichnet wie durch die inhaltlichen Komponenten: Conan darf erstmals in seinem fiktiven Leben ein hohes Amt bekleiden, was ihm mehr Kopfzerbrechen und schlaflose Nächte bereitet, als ihm lieb ist. Gleichzeitig rückt Howard nach der Piratenkönigin Belit mit der unerschrockenen Prinzessin Yasmela erneut eine starke Frauenfigur in den Mittelpunkt, die eine deutliche Prise Erotik bringt: der Magier begehrt die Dame höchst sexuell, was Howard in den Beschreibungen relativ unverblümt zum Ausdruck brachte. So schaffte es die Erzählung dann auch als erste Howard-Story auf das Titelblatt von „Weird Tales“, wo sich im Juli 1933 eine kaum verhüllte Holde vor einem gewaltigen Gottesabbild aus Stein räkelte.

Inhaltlich ließ sich Howard wohl von Sax Rohmer inspirieren, dessen „Mask Of Fu Man Chu“ 1932 bei Collier’s erschienen war (und im gleichen Jahr kongenial mit Boris Karloff und einer furchteinflößenden Myrna Loy verfilmt wurde): auch bei Rohmer geht es um die Wiederbelebung einer uralten magischen Macht, die als „Der Verschleierte“ bezeichnet wird – was in Howards Welt eine Übersetzung des Namens Natohk ist. Als eine der zentralen Conan-Stories wurde „Black Colossus“ schon 1974 von Roy Thomas und John Buscema für „Savage Sword Of Conan“ 2 sowie für „Conan The Barbarian“ 248 und 249 adaptiert.

Als Kreativduo für diese Comicfassung im Rahmen der neuen Conan-Reihe, in der sich pro Episode ein anderes Team versuchen darf, fungieren mit Vincent Brugeas und Ronan Toulhoat versierte Kenner: Brugeas fokussiert sich in seinem Skript auf die zentralen Elemente der Vorlage (die atmosphärische Vorgeschichte um den Dieb Shevatas, Conans Ernennung zum General, die entscheidende Schlacht), während Stifteschwinger Toulhoat (u.a. „Sherlock Holmes Society“) einen nur noch episch zu bezeichnenden Stil an den Tag legt, der oft doppelseitig gewaltige Panoramen entfaltet, die in ihrer ausladenden Landschaftsgestaltung an Moebius und andere Meister erinnern. Auch die Erotik-Komponente kommt bei Toulhoat nicht zu kurz, von der mehr als suggestiven Darstellung von Yasmelas Alpträumen bis hin zum finalen Panel, als sich Conan und die Prinzessin durchaus nahekommen. Nach der fulminanten Adaption der Belit-Episode, die als Band 1 der Reihe erschien, ein weiterer würdiger Edelstein in der Krone der Cimmeriers, die mit „Jenseits des schwarzen Flusses“ hoffentlich bald weiter geschmückt wird. (hb)

Conan der Cimmerier, Band 2: Natohk, der Zauberer
Text: Vincent Brugeas, nach Robert E. Howard
Bilder: Ronan Toulhoat
72 Seiten in Farbe, Hardcover
Splitter Verlag
15,80 Euro

ISBN: 978-3-96219-203-7

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