Wonder Woman/Conan (Panini) | Comicleser

Wonder Woman/Conan (Panini)

November 19, 2018

Irgendwann im hyborischen Zeitalter: der alte Haudegen Conan rettet dem schmächtigen Kian den Hals, einem aquilonischen Glücksritter, der es mit der Begleichung von Schulden nicht so genau nimmt. Um dem Barbar die versprochene reiche Belohnung zukommen zu lassen, nimmt er den Cimmerier mit in die Arena von Shamar, wo ein neuer Champion für Dellos, den Veranstalter der Gladiatorenspiele, kämpft. Und nachdem dieser neue Champion eine Frau ist, wettet Kian natürlich gegen die Dame, die ja nur verlieren kann. Aber Pustekuchen: die als Insel-Blume oder auch Wunderweib vorgestellte Holde macht gleich drei Gegnern den Garaus, und prompt ist Conans schöne Belohnung futsch. Der interessiert sich aber weniger für das Gold, sondern eher für die Dame, die ihn ganz fatal an seine erste und einzige große Liebe Yanna erinnert, die er im zarten Alter von 12 Jahren verlor. Als Conan die Holde, die ihr Gedächtnis verloren hat, aus der Zelle in der Arena befreien will, wird er in einem achtlosen Moment überwältigt und findet sich unversehens in einem gewaltigen Schaukampf gegen das Wunderweib wieder.

Nachdem die beiden sich allerdings standhaft weigern, sich gegenseitig die Schädel einzuschlagen, verkauft sie Dellos kurzerhand auf ein Sklavenschiff. Das wird alsbald von einer zingarischen Patrouille aufgebracht und versenkt, was nur Conan und die Amazone überleben, die sich an Land retten. Dort wartet allerdings eine böse Überraschung und auch des Rätsels Lösung auf sie: sie sind nur Marionetten im grausamen Spiel der Corvidae, zweier Hexen in Krähengestalt, die seit Menschengedenken dem Spiel frönen – wozu sie immer wieder herausragende Kämpfer aus ihrer Zeit reißen und dann gegeneinander antreten lassen. Als Conan und Wonder Woman, die sich langsam aber sicher wieder ihrer Herkunft entsinnt, erneut weigern, sich zu töten, erhöhen die Hexen den Einsatz: nichts weniger als jedes Leben in der Stadt Shamar wollen sie vernichten, wenn die beiden Champions nicht endlich kämpfen…

Das auf 222 Ex. limitierte Variant

„What if?“, unter diesem schönen Motto brachten sämtliche Elseworlds- und andere Alternativuniversums-Stories schon die kuriosesten Kombinationen an den Tag und publikumswirksam auf die Comicseiten. In der Ausgabe 43 vom Februar 1984 etwa („What if Conan the Barbarian were stranded in the 20th Century?”) rannte Conan schon durch das moderne New York, aber die Idee, zwei herausragende Kämpen der Erde in einem Schaukampf gegeneinander antreten zu lassen, hatte man früher schon im DC-Universum – so etwa, als 1978 ein paar Aliens Superman und den „world’s greatest“ Muhammad Ali aufeinander hetzten, um den ultimativen Champion zu ermitteln. In Gail Simones Variation dieses Konzeptes steht allerdings weniger der Kampf der Giganten, sondern vielmehr – man höre und staune – Conans Innenleben im Mittelpunkt: die unglückliche Liebe zu Yanna, die wohl in irgendeinem Schattenuniversum seine Version von Prinzessin Diana war, machte den 12jährigen erst zu dem hartgesottenen Raubein, als den wir ihn kennen und lieben.

Eingestreut bringt Simone dabei sogar einige lustige Szenen, so etwa, als Wonder Woman mit Conan einen heben geht und dabei gnadenlos den Kürzeren zieht, oder als Conan über die Natur der Frauen sinniert: „Ich kannte da mal so eine Rothaarige…“ Präsentiert wird das Geschehen von Aaron Lopresti in ordentlich fescher Ausführung, mit actionreichen, gerne ganzseitigen Panels, die den „vs.“-Aspekt der Konfrontation bestens in Szene setzen. Im Original erschien diese sechsteilige Miniserie vom November 2017 bis April 2018 und liefert somit brandneues Futter für alle Freunde der beliebten what-if-Spiele, die wir früher ja auch gerne mal ins Absurde steigerten und uns fragten, was denn gewesen wäre, wenn Conan nur ein Ohr gehabt hätte. Aber das ist eine andere Geschichte. (hb)

 

 

Wonder Woman/Conan
Text: Gail Simone
Bilder: Aaron Lopresti
156 Seiten in Farbe, Softcover
Panini Comics
16,99 Euro

ISBN: 978-3-7416-0943-5

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