Conan der Cimmerier, Band 3 (Splitter) | Comicleser

Conan der Cimmerier, Band 3 (Splitter)

March 8, 2019
Conan der Cimmerier, Band 3 (Splitter)

Ungemütlich ist es gerade im Grenzgebiet zwischen Aquilonien und den wilden Pikten, deren Land nur von einem finsteren Fluss getrennt wird. Wie das Zivilisationen gerne mal so machen, haben sich die Aquilonier nämlich per Siedler und Außenposten im Piktengebiet niedergelassen. Den eigentlichen Landesherren gefällt das verständlicherweise eher weniger, weshalb sich die Landnehmer immer wieder mit Angriffen konfrontiert sehen. Dabei kommt auch ein Wesen zum Zuge, das nicht menschlichen Ursprungs zu sein scheint: der Magier Zogar Sag beherrscht auch die Tierwelt und sammelt gerne Köpfe seiner Gegner. Bei einem dieser Überfälle entgeht Balthus nur knapp dem Tode, weil ihm der gerade mal wieder als Söldner verdingte Conan gerade noch den Hals rettet.

Zurück im Außenposten Fort Tuscelan fragt Conan nicht nach Rechtmäßigkeit, sondern stellt nur lapidar fest: wenn man nichts unternimmt, werden die Pikten sämtliche Siedlungen dem Boden gleich machen, alle Eindringlinge töten und die Sache so beenden – so wie das die Cimmerier mit diversen verdammten Besatzern auch schon handhabten. Durchaus beeindruckt, schickt man den Cimmerier als Einzigen, der keine Furcht kennt und der genauso halbwild wie die Pikten ist, mit einem Trupp ausgewählter Soldaten über den schwarzen Fluss, um dort dem Magier und somit dem ganzen Widerstand den Garaus zu machen. Die Mission läuft allerdings durchaus anders als geplant: mit Ausnahme von Conan und Balthus werden alle Angreifer abgeschlachtet, und die Pikten, unterstützt durch ihren mächtigen Zauberer, eröffnen die finale Attacke gegen die Invasoren…

Mit der Erzählung „Beyond The Black River“ betrat Robert E. Howard 1934 ganz bewusst Neuland. Die kommerziell erfolgreiche Figur Conan begann ihn aufgrund der von den Pulp-Magazinen geforderten, immer gleichen Melange aus Gewalt, Sex, Exotik und Düsterkeit zu langweilen – vielmehr wollte er Geschichte über den amerikanischen Südwesten schreiben, über die Pionierzeit und über allzu menschliche Züge. „Jenseits des schwarzen Flusses“ lieferte somit erstmals eine Abwendung der alten Conan-Formel – im Gegensatz zu Erzählungen wie „Queen of the Black Coast“ oder auch „Black Colossus“ gab es keinerlei Frauengestalten, keinerlei Erotik und auch keine spektakulären Schauplätze. Vielmehr lieferte Howard ein klassisches Western-Szenario, das sich in jedem John Ford-Kavallerie-Epos finden könnte: die zivilisierten (sprich weißen) Siedler machen sich im unzugänglichen Lande der vermeintlich Wilden (hier die Pikten, in der Historie die Indianer) breit, wozu sie bei Lichte betrachtet weder das Recht noch das Rüstzeug haben.

Die ungezähmte, naturnahe Wildheit der Opfer der Kolonialisierung verkörpert der Tier/Mensch-Kult um Zogar Sag, dem Conan zwar am Ende Herr wird, was aber nichts an der Tatsache ändert, dass die rohe Natur immer obsiegen wird: „Die Zivilisation ist nichts weiter als ein Unfall“, sinniert er über den Trümmern des verlorenen Außenpostens, „Am Ende wird die Barbarei immer triumphieren“. Was dem alten Haudegen sehr zupass kommt, dessen eigene Wildheit jeder Zivilisation skeptisch gegenübersteht. Somit entsteht ein handfestes Stück Kolonialismus-Kritik, das zu Howards eigener Überraschung nicht abgelehnt, sondern im Oktober 1934 in Weird Tales in zwei Teilen veröffentlicht wurde (wobei die Ausgaben seit langem wieder einmal kein Conan-Motiv auf dem Cover führten) und mittlerweile gemeinhin als Meisterstück im weiten Conan-Universum gilt.

In der aktuellen Reihe von Howard-Adaptionen setzt das Team Mathieu Gabella (u.a. „Der Henker“ und „Das Einhorn“, beide Reihen erscheinen ebenfalls bei Splitter) und Anthony Jean (auch „Das Einhorn“) wieder auf inhaltliche Textnähe und eine charakteristische optische Inszenierung, die in den Dschungelszenen brilliert und in den Charakteren ganz bewusst weit weg von den gängigen Conan-Interpretationen eines Roy Thomas oder auch eines Frank Frazetta liegt. Somit ein weiterer fulminanter Band der Serie, die mit „Ymirs Tochter“ von Robin Recht im Juni dieses Jahres ihre Fortsetzung finden wird – wo wir also wieder mit einer Frauenfigur rechnen dürfen. Auch wenn es vielleicht nur eine Vision ist, wie Kenner der Story „The Frost Giant’s Daughter“ wissen dürften. (hb)

Conan der Cimmerier, Band 3: Jenseits des schwarzen Flusses
Text: Mathieu Gabella, nach Robert E. Howard
Bilder: Anthony Jean
64 Seiten in Farbe, Hardcover
Splitter Verlag
15,80 Euro

ISBN: 978-3-96219-204-4

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