American Gods, Band 2 (Splitter) | Comicleser

American Gods, Band 2 (Splitter)

June 14, 2018

Shadow Moon, nun in Diensten des undurchsichtigen Mr. Wednesday, wohnt im „Haus auf dem Fels“ der seltsamen Zusammenkunft bei, die sein Chef organisiert hatte und die mehr als dürftig besucht ist, trotz der Unterhaltungskünste von Mr. Nancy. Als Shadow danach einige der Gäste nach Hause fahren soll, wird er von Unbekannten entführt, verhört und misshandelt. Ausgerechnet seine verstorbene und jetzt offenbar massiv untote Frau Laura befreit ihn und meuchelt seine Entführer. Auf ihr Geheiß führt ihn sein Weg nun ohne Mr. Wednesday nach Süden, in die Stadt Cairo in Illinois, wo der Mississippi und der Ohio River sich vereinigen. In Cairo erwarten ihn die Bestattungs-Unternehmer Ibis & Jacquel, die dort dieses Gewerbe seit Generation führen. Shadow hilft den beiden bei ihrer täglichen morbiden Arbeit und trifft schließlich auch den sichtlich verlotterten Mad Sweeney wieder, der ihn um die Herausgabe der Münze bittet, die er ihm in Band 1 gab. Schließlich taucht sein Chef Wednesday wieder auf und die Reise geht einem neuen Ziel entgegen…

Nun gut, das klingt jetzt inhaltlich nicht gerade spektakulär, höchstens befremdlich und irritierend, wobei die berechtigte Frage erlaubt ist: was soll das alles überhaupt? Da kommt der Titel ins Spiel und die Tatsache, dass die Story sehr breit angelegt ist und die skurrilen Charaktere beim interessierten Leser diverse Recherchen via Google bezüglich des Who is Who auslösen (welche Person ist welcher Gott?). Bisher wissen wir: Shadow gerät als Handlanger Wednesdays zwischen zwei Fantasy-Fronten. Zum einen sind da die „alten Götter“, die durch Gläubige einst nach Amerika „transferiert“ wurden. Sie alle haben durch den Verlust des Glaubens an sie zu knabbern und verdingen sich, nicht selten am Rand der Gesellschaft, oder zumindest im Verborgenen lebend, mit Normalo-Jobs (Fables-Jargon, ja, aber auch hier passend). Auf der anderen Seite sind da die „neuen Götter“ und die sind schwer im Kommen. Götter der Medien, Götter der Technik, die angebetet und verehrt werden, von einer neuen Generation von Gläubigen. Die einen, die alten, stemmen sich verzweifelt oder bereits resignierend gegen das Vergessen, die anderen, die neuen, streben mit allen Mitteln nach Macht.

Und zwischendrin Shadow, der – vielleicht noch immer traumatisiert durch den Tod seiner Frau (und ihre „Wiederauferstehung“) – wie ein Traumwandler die Handlung und die Schauplätze durchstreift. Der seltsam teilnahmslos und passiv die Episoden über sich ergehen lässt und sich so gar nicht an der Skurrilität des Geschehens (Sprechende Tiere, Traum und Realität vermengen sich immer wieder) zu stoßen scheint, was immer eine Aura des Unheimlichen über den Band legt. Natürlich hat Shadow inzwischen verstanden, dass Wednesday Wotan, bzw. Odin ist. Auch dass es sich bei Ibis & Jacquel (Jacquel=Schakal) um altägyptische Götter handelt, die vor Jahrtausenden hier gestrandet sind (einen Austausch der Kulturen mit Amerika gab es demnach schon weit vor Kolumbus), weshalb ihr Ort auch hier Cairo heißt. Immer wieder wird Shadow von den neuen Göttern kontaktiert und umworben, diesmal von der Göttin der Medien, die ihm erneut einen Job anbietet und die in Gestalt von Lucille Ball (aus „I love Lucy“) ihn aus dem TV heraus kontaktiert. Was uns zur Frage des Sinns des Ganzen bringt. Der ist noch nicht ganz klar, freilich, alte Götter kämpfen oder wappnen sich gegen die neuen. Aber warum ausgerechnet Shadow? Und was hat Allvater Wednesday eigentlich vor?

Mit Band 2 (von insgesamt 6) ist der erste Zyklus („Schatten“) dieser faszinierenden aber noch zu ergründenden Adaption des Neil Gaiman Romans abgeschlossen (vgl. dazu auch die Amazon TV-Serie). Die abschließende Dreingabe beinhaltet Variant-Cover aus der Feder von Glenn Fabry (der auch eine kurze Episode um einen New Yorker Taxifahrer beiträgt, welcher eigentlich ein Ifrit, ein arabisches Geistwesen, also ein Djinn, ist) und von David Mack (Kabuki, Daredevil). Dazu etliche Seitenentwürfe von P. Craig Russell und deren noch unkolorierte Umsetzung von Scott Hampton, Walt Simonson und anderen, was einen interessanten Einblick in die Arbeitsweise der Künstler und damit in die Entstehung des Comics vermittelt. (bw)

American Gods, Band 2: Schatten, Buch 2 von 2
Text: Neil Gaiman, P. Craig Russell
Bilder: Scott Hampton, P. Craig Russell, Glenn Fabry, Adam Brown, David Mack
152 Seiten in Farbe, Hardcover
Splitter Verlag
19,80 Euro

ISBN: 978-3-96219-002-6

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