Asterix, Band 37 (Egmont) | Comicleser

Asterix, Band 37 (Egmont)

November 30, 2017

Skandalöse Zustände, man möchte fast meinen wie im alten Rom, herrschen auf den Straßen in Cäsars Reich. Denn statt sich um einen ordnungsgemäßen Zustand der Verkehrswege zu kümmern, sackt der zuständige Senator Lactus Bifidus die entsprechenden Steuern und Abgaben lieber selbst ein. Als das Thema im Senat heiß diskutiert wird, hat er eine zündende Idee: man solle doch einfach ein Wagenrennen quer durch Italien ausrichten, mit internationalem Teilnehmerfeld, das erstens beweisen soll, dass die Straßen in erstklassiger Verfassung sind und zweitens durch den natürlich von vorneherein feststehenden Sieg des eigenen Fahrers noch den Ruhm Roms mehren wird. Cäsar gefällt die Idee, und so ruft man im gesamten Reich die Wagenlenker zum Wettstreit beim großen Transcaliga-Rennen auf.

Nachdem auf dem Markt für Celtisches Brauchtum und innovative Technik, kurz genannt Cebit, eine Wahrsagerin dem guten Obelix eine glänzende Karriere als Aurige (auf gut Latein Wagenlenker) prophezeit, machen sich auch unsere Lieblingsgallier auf nach Modicia, wo der wilde Tross losrast. Champion und Publikumsliebling Caligarius liegt mit goldener Maske und Copilot Bleifus dabei von Anfang an in Front, während seine Konkurrenten immer wieder von mysteriösen Zwischenfällen wie falschen Routenschildern, Straßensperren und schlichter Sabotage geplagt werden. Dennoch bleiben ihm Obelix, sein Mitstreiter Asterix und Maskottchen Idefix dicht auf den Fersen bzw. Holzrädern, über Parma, Florenz und Rom immer weiter nach Süden zur Ziellinie nahe des Vesuvs, während immer deutlicher wird, dass es bei diesem Rennen keineswegs mit rechten Dingen zugehen kann…

In ihrem dritten Beitrag zum Asterix-Universum brennen Jean-Yves Ferri und Didier Conrad, die mit dem Segen des Meisters Uderzo die Reihe ab Band 35 übernahmen, erneut ein gelungenes und flottes Gag-Feuerwerk ab, das frühere Peinlichkeiten wie „Gallien in Gefahr“ vergessen macht und unsere Gallier in eine würdige Zukunft führt. Die Handlung läuft dabei so geradlinig ab wie das Thema vermuten lässt, das wie bei jeder ordentlichen Komödie einen MacGuffin im Sinne Hitchcocks liefert: also nur einen Vorwand, um die eigentliche Komik in Gang zu bringen. Die besteht hier in bester Asterix-Tradition im Spiel mit Landesklischees und anachronistischen Parallelen zur Gegenwart: da stehen ewige Reihen von Pferdegespannen in Rom im Berufsverkehr, der Verkehrsminister bringt außer Geld zu verschleudern nicht viel auf die Kette, und das Sportgroßereignis gerät zu einem natürlich durch kommerzielle Interessen manipulierten PR-Event, bei dem sich eine populäre Würzsoße namens Garum Lupus permanent als Sponsor inszeniert – Red Bull und Konsorten lassen grüßen.

Als Obelix die Bestechung des Fahrerfeldes mitbekommt, hält er es nicht einmal für nötig, Asterix davon zu erzählen: das sei bei Sport doch so üblich, meint er – zu Recht: immerhin darf man diese unschönen Züge mittlerweile bei den Olympischen Spielen ebenso erleben wie bei der Vergabe der Fußballweltmeisterschaft mitten in die Wüste. Asterix und Obelix begegnen dabei vielen Volksstämmen, mit denen sie auf ihren Reisen schon Bekanntschaft machten, von den Normannen, die sich über das schöne milde Klima und die guten Sitten beklagen, über die Belgier und Briten („Ist es nicht? Ja, es ist!“) bis hin zu den Goten, die sich bekanntlich auf die Herstellung von schnellen Gefährten verstehen – vor allem im Süden des Landes, wohlgemerkt. Ganz nebenbei erfindet man (wieder ein Kennzeichen des feinen Asterix-Humors) allerlei Bräuche (auf Sienas Marktplatz rasen die Wettstreiter auf der Suche nach der Herberge erst einmal eine Weile im Kreis) und auch Gerichte – so etwa stellt Obelix fest, an den in Napoli gereichten trockenen Teigscheiben fehle doch etwas Soße, und Gutemine überlegt, ob da nicht etwas Belag helfen würde: fertig ist die Pizza.

Garniert mit jeder Menge treffend-spaßiger Namen (Frau Senatorin Mozarella ruft wiederholt zur Orgie, die beiden Prinzessinnen aus dem afrikanischen Kusch nennt man Etepetete und Rakete, Obelix erwirbt seinen Wagen bei Erlkönix, ein Brite firmiert als Madmax – der Reigen ist schier endlos) und leichten Anklängen an die Mutter aller Wagenrennen Ben Hur, eilen wir so vergnüglich über die holprige Strecke, die Didier Conrad im von Uderzo gewohnten Strich stilecht inszeniert. Die Serie scheint somit nach dem ebenso hervorragenden „Papyrus des Cäsar“ gefestigt auf der Erfolgsspur, wo sie auch hingehört, beim Teutates. (hb)

Asterix, Band 37: Asterix in Italien
Text: Jean-Yves Ferri
Bilder: Didier Conrad
46 Seiten in Farbe, Hardcover
Egmont Comic Collection
12 Euro (Hardcover)
6,90 Euro (Softcover)

ISBN: 978-3-7704-4037-5

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