Empress (Panini) | Comicleser

Empress (Panini)

Juli 13, 2017

Bereit für eine wilde, atemlose Hatz durchs Universum? Los geht’s: König Morax, Herrscher über die Erde und große Teil des Universums (wir befinden uns übrigens 65 Millionen Jahre vor unserer Zeitrechnung!), ist ein fieser, gnadenloser Tyrann. Statt Netflix schaut er sich lieber Hinrichtungen an, zu denen er seine Untertanen verurteilt, auch wenn sie nur kleine Vergehen begangen haben. Kein Wunder, dass selbst seine Angetraute, Königin Emporia, langsam die Nase voll hat, mit solch einem Unhold vermählt zu sein. Ein goldener Käfig ist eben auch verschlossen. Sie fürchtet um das eigene Wohl und das ihrer Kinder, drei an der Zahl und bereitet klammheimlich die Flucht vor. Dabei hilft ihr ein echter Tausendsassa: ihr treuer Begleiter und Beschützer, Captain Dane Havelock, der seiner Königin nie von der Seite weicht und für jedes Problem eine sofortige Lösung parat zu haben scheint. Die Flucht gelingt spektakulär und auf dem Rast-Planeten Antares angekommen sucht Dane seinen alten Kumpel Tor Blinder auf. Der besitzt eine antike Maschine: einen kleinen Teleporter namens Ship, der die Gruppe von Planet zu Planet „beamt“. Ihr Ziel: Emporias Schwester, die auf dem fernen Planeten Euphoria lebt und von deren Existenz König Morax nichts ahnt.

Grau ist alle Theorie. Der Plan von Emporia und Dane klingt schlüssig und simpel, aber auf dem Weg nach Euphoria geht so einiges schief. Zuerst ist Ship (eine kleine fliegende Kugel) verschwunden und muss wieder beschafft werden. Dann hat die Maschine einen kleinen Nachteil: sie kann nur zu den Planeten teleportieren, die sie auch „sieht“. So geht die Reise, die etliche Planetensprünge benötigt, nur schrittweise voran. Gut für den Leser, denn jede Station wartet so mit diversen unliebsamen wie abwechslungsreichen Überraschungen auf: ein Eisplanet samt Ungeheuer, ein Schrottplanet, auf dem ein Sandsturm herrscht, usw. Dann wird die Familie auch noch auseinander gerissen, die Kinder sind auf sich gestellt (aber dabei alles andere als hilflos: Tochter Aine ist eine Kriegerin und Sohn Adam ein Technik-Genie). Und schließlich sitzt den Flüchtenden noch der gehörnte Morax im Nacken, der seine Familie wieder haben will, um sie im Rahmen einer saftigen Hinrichtung zu bestrafen. Am Ende erreicht man mit Euphoria den vermeintlich sicheren Hafen, nur um vom Regen in die Traufe zu kommen, denn eine faustdicke Überraschung wartet dort auf sie.

Gruppenbild mit Teleporter Ship

Mit „Empress“ zelebriert Star-Autor Mark Millar (Kick-Ass, Jupiter’s Legacy u.v.a.) eine komplette Abkehr von düsterer Science Fiction, einen Trend, den er bereits mit „Starlight“ und „Chrononauts“ begann. Denn jetzt sollen alle ihren Spass haben. So kredenzt er eine knallbunte Action-Orgie, die sich gradlinig als wilde Hatz von Planet zu Planet hangelt, wobei er die klassischen SF-Serials abfeiert und deren Mechanismen aufgreift, indem er Cliffhanger auf Cliffhanger serviert, ständig fremde Völker und Planeten mit allerlei Unwägbarkeiten präsentiert und eine saftige Action-Sequenz nach der anderen bringt. Dabei kommt auch der typische trockene Humor Millars nicht zu kurz, der sich immer wieder in prägnanten, stechenden Dialogen manifestiert. Und eine kleine Lovestory ist auch dabei – dass sich Held und Heldin näher kommen, als das Protokoll vorsieht, scheint von Anfang an klar.

Der rote Faden der Story ist die Flucht vor dem Despoten Morax. Dabei glaubt man nie ernsthaft, dass die Familie zu Schaden kommt – selbst der fieseste Cliffhanger führt auf der nächsten Seite zu einem Ausweg. Trotzdem fiebert man dank des cleveren Storytellings immer mit, wenn die Gruppe in Gefahr gerät, was ja ständig passiert. Am Ende folgt das große Finale, in dem sich – ganz klar – die Kontrahenten gegenüberstehen. Auch hier werden faustdicke Überraschungen serviert und einen wunderbaren Storytwist gab es schon vorher, denn Millar greift geschickt zuerst fast nebensächliche Details auf, die er dann ins Zentrum der Handlung stellt. Zeichner-Haudegen Stuart Immonen, seit Jahrzehnten bereits erfolgreich im Superhelden-Geschäft, tut sein Übriges und fasst die Story – unterstützt von seinem Stamm-Inker Wade von Grawbadger (das ist mal ein Name) – in furiose, opulente Bilder. Dass eine Verfilmung bereits im Gespräch ist, verwundert da kaum noch… (bw)

Empress
Text: Mark Millar
Bilder: Stuart Immonen, Wade von Grawbadger
200 Seiten in Farbe, Softcover
Panini Comics
19,99 Euro

ISBN: 978-3-7416-0284-9

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