Duke: Blut und Asche (Erko) | Comicleser

Duke: Blut und Asche (Erko)

March 6, 2017

Ogden, Colorado, um 1866. Hier lebt und arbeitet Morgan Finch, genannt Duke, als Assistent von Marshal Sharp. Sein Job ist es, für Gesetz und Ordnung zu sorgen. Eigentlich. Doch er und sein Chef stehen auf verlorenem Posten. Denn in der Stadt hat Mullins das Sagen. Ihm gehören die örtliche Goldmine, große Ländereien und etliche Gebäude. Und für ihn arbeitet McCaulky, Mullins‘ Handlanger der übelsten Sorte. Brutal und gewissenlos. Als McCaulky eine Frau und ein Kind erschießt, nur um anschließend im örtlichen Etablissement ein weiteres Blutbad anzurichten, platzt Duke der Kragen. Im Alleingang und ohne den Segen des Marshals macht er sich auf, McCaulky und dessen Kumpane zu stellen. Im Duell gegen die Schurken wird er schwer verletzt. McCaulky entkommt. Duke überlebt und muss seine Wunde auskurieren. Doch sein Rachedurst ist stärker. Erneut und noch immer angeschlagen heftet er sich an die Fersen von McCaulky, um ihn ein für allemal zur Rechenschaft zu ziehen.

Wie erfreulich: Altmeister Hermann, nach wie vor äußerst produktiv, macht endlich wieder einen Western. Mit „Comanche“ (wie auch mit „Andy Morgan“) wurde der 1938 geborene Belgier einst berühmt, dem Epos um den Cowboy Red Dust, das er in zehn Bänden zwischen 1972 und 1983 unter der Regie von Greg (d.i. Michel Regnier) inszenierte. Zwar fanden und finden sich in seiner langlebigen Endzeitserie „Jeremiah“ immer wieder Western-Elemente und 1999 entstand mit dem „Der Tod von Wild Bill“ noch einmal ein Vertreter der Gattung als Einzelband, aber so richtig fand der Gewinner des Grand Prix von Angoulême 2016 nicht mehr zu dem Genre. Umso schöner, dass sich das nun ändert und der Band sogar eine Nummer 1 trägt und somit den Auftakt zu einer neuen Reihe darstellt. Autor ist einmal mehr Hermanns Sohn Yves H. (Huppen), der seit Jahren den überwiegenden Teil von Hermanns Output schreibt.

Optisch legt Hermann seinen Morgan „Duke“ Finch als Gegenentwurf zum breitschulterigen Red Dust aus „Comanche“ an. Zwar haben beide den gleichen Sturkopf (den man auch bei seinen anderen Serien-Helden findet, von Jugurtha über Andy Morgan, Jeremiah bis zu Aymar von Bois-Maury), aber trotz seiner Verbissenheit verleiht er dem hageren Duke eine gewisse unsichere Note, die sich schon im Gesichtsausdruck auf dem Cover ausmachen lässt. Duke ist nicht zufrieden mit sich und seinem Job. Sein Bruder scheint ein Spieler zu sein, zu dem er keinen Kontakt hat. Seine Beziehung zu Peg steht offenbar unter keinem guten Stern, und fast meint man, als findet er in der Jagd auf McCaulky endlich eine Aufgabe, die er entschlossen und zäh verfolgt. Trotzdem ist Duke ein typischer Westerner, furchtlos und schnell mit der Waffe. Einer, der sich nicht unterkriegen lässt.

Das Duell, perfekt inszeniert (Ausschnitt)

Die Handlung, die einem bekannten Motiv folgt, das wir fast identisch im ersten Band der „Durango“ Gesamtausgabe wiederfinden (Held gegen Schurke, der Handlanger eines noch größeren Schurken ist), ist episodisch angelegt: Zuerst verfolgen wir das Verbrechen, dann die Jagd, die in einem Duell kumuliert, das in der wortlosen Darstellung allen Stilmitteln des (Italo)Westerns filmisch gerecht wird (Totale, Nahaufnahme, Gegenaufnahme etc.). Anschließend die Rekonvaleszenz Dukes – inzwischen ist es Winter – und dann der Höhepunkt der Bandes, der jedoch noch nicht das Ende darstellt. Der Ausklang des Bandes kommt dann wieder versöhnlich daher, wenngleich der Weg dahin etwas aufgesetzt wirkt. Insgesamt ist das Album näher am Italowestern als an Klassikern wie „Comanche” oder gar „Leutnant Blueberry”.

Einmal mehr meisterhalft – anders kann man es nicht sagen – sind die direkt kolorierten Zeichnungen Hermanns. Die brillieren sowohl in den staubigen Straßen der Stadt, als auch bei den blutigen Schießereien, vor allem aber in den Panels und Seiten, die in der Nacht, in schummrigen Dämmerungen und vor allem im Winter und im Schnee spielen. Zwar sind einzelne Gesichter ab und an ungelenk und schief dargestellt, das Gesamtbild zeigt einmal mehr, in welcher Konstanz und gleichbleibender, unermüdlicher Qualität Hermann seine Werke abliefert, zur Freude seiner Leser, die ihm seit Jahrzehnten die Treue halten (mich eingeschlossen). Freuen wir uns auf die Fortsetzung und das nächste Abenteuer von Duke. (bw)

Duke, Band 1: Blut und Asche
Text: Yves H.
Bilder: Hermann
56 Seiten in Farbe, Hardcover
Erko Verlag
14,95 Euro

ISBN: 978-90-89821-15-7

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