Jeremiah, Band 34 (Erko) | Comicleser

Jeremiah, Band 34 (Erko)

Oktober 15, 2015

Jeremiah, Band 34 (Erko)

Weiter auf ihrer nie endenden Reise durchstreifen Jeremiah und sein Kumpel Kurdy auf ihren Motorrädern das postapokalyptische Amerika und kommen so auf der Suche nach einer Bleibe für die Nacht nach Jungle City. Hier bestimmt der reiche wie mächtige wie skrupellose Nesstler das Leben, denn er kontrolliert die Wasserquellen der Umgebung und will die Bevölkerung der Stadt vollends von sich abhängig machen. Die, die ihm folgen, nennen sich Wolfs, jene, die sich ihm entgegen stellen, Foxes. Als Druckmittel hat Nesstler vor den Toren der Stadt eine wüste Truppe stationiert, deren Anführer und Oberraufbold Drako heißt (siehe Titelbild). Nach einem letzten friedlichen Verhandlungsversuch mit den übriggebliebenen Foxes sollen Drako und seine Schläger als Meinungsverstärker die Stadt terrorisieren. Kurdy und Jeremiah, die inzwischen in einer Kneipe untergekommen sind, wo sie den Fox Markus treffen, werden langsam aber sicher zu den entscheidenden Hauptakteuren in dem eskalierenden Konflikt, wobei sie nicht immer alle Fäden in der Hand behalten…

Der Belgier Hermann Huppen (Jahrgang 1938) zeichnet bereits seit den sechziger Jahren Comics, kann getrost als Veteran der franko-belgischen Comicszene angesehen werden und ist in Deutschland seither beliebt. Seine frühen Reihen wie Andy Morgan oder Comanche sind allesamt Klassiker und hatten im alten Zack Magazin des Koralle Verlags regelmäßige Auftritte. Ihre Gesamtausgaben (im Albenformat) bei Kult Editionen und im Splitter Verlag sind uneingeschränkt empfehlenswert. Im Laufe der Jahre änderte Hermann seine Zeichentechnik mehrmals, was sich auch auf seinen Stil auswirkte. Begann er klassisch mit Tusche, arbeitete er später mit dem Rapidographen, und entwickelte schließlich seine heute charakteristische Zeichen-/Maltechnik, indem er die Farben mit großer Meisterschaft direkt auf das Papier bringt (couleur directe). Jeremiah, Hermanns erste Serie, bei der er auch als Autor fungierte (1984 kam noch die Ritterserie ‚Die Türme von Bos-Maury‘ dazu), erschien bereits 1978 als ‚David Walker‘, wieder im alten Zack. Später veröffentlichte Carlsen die ersten 20 Bände, ehe die Reihe zu Kult Editionen wechselte. Hier begann man auch mit der Veröffentlichung einer Jeremiah-Gesamtausgabe, von der drei Bände erschienen sind. Ob der neue Erko Verlag (hinter dem Hermanns langjähriger Agent Ervin Rustemagic steht) auch diese fortsetzt, wird sich zeigen.

Atmosphäre pur: Nacht in Jungle City

Atmosphäre pur: Nacht in Jungle City

Die typischen Zutaten, die die Reihe von Anfang an prägten, finden sich auch hier: der leichtsinnige Kurdy mit seinem losen Mundwerk und markanter Optik, ein eher sinnierender und taktierender Jeremiah. Die fremde Stadt, in der ein Konflikt schwelt, in den die beiden eher widerwillig hineingezogen werden. Der Despot bzw. skrupellose Geschäftsmann (gab’s mit Fat Eye ja schon in Band 1) und skurrile wie markante Gestalten, die am Rande der Handlung stehen, wie hier der debile und durchaus gefährliche Yoyo. Eingefasst ist das Endzeit-Szenario in ein Western-ähnliches Ambiente, das die Pferde durch Motorräder ersetzt und ansonsten mit Saloon-ähnlichen Bars, Outlaws und anderen Schurken Genre-entsprechend bestückt ist.

Leider verliert sich Hermann einmal mehr in der Story, was die Dramaturgie schwächeln lässt. Viele interessante Motive, wie der Zugang zum wertvollen Trinkwasser, der ja der eigentliche Auslöser des Konfliktes ist, oder die beiden verfeindeten Gruppen der Wolfs und Foxes, könnten vertieft und ausgebaut werden. Ein starker Charakter wie Drako taucht auf, bezieht Prügel und verschwindet wieder. Hermann sollte sich überlegen, seine Endzeitwelt, die nach 36 Jahren und fast ebenso vielen Alben noch immer Potential ohne Ende hat, von einem versierten Autor pimpen zu lassen, der seine Ideen kanalisiert (seine Einzelbände werden übrigens meist von seinem Sohn Yves H. geschrieben). Dagegen steht Hermanns unnachahmlicher Zeichenstil – seit Jahren trotz der andauernden Produktivität des Zeichners – unverändert faszinierend mit seinen direkt kolorierten Seiten und trefflichem Farbmanagement. Seine Nachtszenen sind intensiv und farblich perfekt abgestuft, die heruntergekommene Welt (mit den entsprechenden Bewohnern), halb zerstörte Gebäude, neblige Gassen voller Unrat, vom schummrigen Licht der Straßenlampen nur spärlich ausgeleuchtet oder eine geschundene Natur sind stets stimmungsvoll und die Personen, oft getrieben und brutal in ihren Handlungen, dynamisch eingefangen. Ein Fest für die Augen, zweifellos. (bw)

Jeremiah, Band 34: Jungle City
Text & Bilder: Hermann
48 Seiten in Farbe, Hardcover
Erko Verlag
14,95 Euro

ISBN: 978-90-89820-92-1

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