Something is killing the Children, Band 1 (Splitter) | Comicleser

Something is killing the Children, Band 1 (Splitter)

Januar 3, 2021
Something is Killing the Children, Teil 1 (Splitter Verlag)

Fürchterliches trägt sich zu in Archer’s Peak, einer eigentlich verschlafenen Kleinstadt in Amerika. Reihenweise verschwinden dort Kinder auf Nimmerwiedersehen. Eines Nachts wird der kleine James zumindest mittelbarer Zeuge der grauenvollen Vorgänge: mit ein paar Kumpels geht er in eine nahegelegene Schlucht und stürzt dabei in einen Abgrund – und kann nur noch die Schreie seiner Freunde hören, die im nächsten Tag in Stücke gehackt entdeckt werden. Der Polizei und sich selbst sagt er unentwegt, dass es keine Monster gibt – und prompt machen ihn Mitschüler und trauernde Eltern verantwortlich für den gewaltsamen Tod ihrer Sprösslinge, immerhin ist er der letzte, der sie lebend gesehen hat. Auch im Haus von Tommy stehen die Zeichen auf Trauer, seit seine kleine Schwester Sophie wie viele andere im Wald verschwunden ist. Aber plötzlich ändert sich die Welt für James und Tommy, als aus dem Fernreisebus eine geheimnisvolle Fremde aussteigt.

Sie hört auf den kuriosen Namen Erica Slaughter und macht James deutlich, dass die Morde kein Zufall sind, dass er  besser anfangen sollte, an Monster zu glauben – und dass sie hier ist, um der Sache ein Ende zu setzen. Im Diner, in dem Tommy arbeitet, schlägt Erica ihre erste Basis auf, aber Tommy verdächtigt sie bald, selbst etwas mit den Morden zu tun zu haben (woher sonst sollte sie so viel über die seltsamen Vorgänge wissen?), und hetzt ihr die Polizei auf den Hals, die sie im Hotelzimmer erwischt, wie sie gerade mit ihrem Stoff-Oktopus spricht. Im Verhör sagt sie dem Sheriff dann auf den Kopf zu, dass er mit der Sache schlichtweg überfordert ist, gerne an die einfache Theorie eines irren Serienmörders glaubt und die nächsten fünf Fälle sich just in diesem Moment ereignen. Als genau das eintrifft, lässt sie der Sheriff ungläubig laufen – mit dem Versprechen, dass Erica den Viechern jetzt an den Kragen geht. Was sie dann, schwer bewaffnet mit Axt und Motorsäge, mit James im Schlepptau denn auch in einer finsteren Höhle im Wald tut… 

An dieser gar schaurigen Mär hätte Altmeister Stephen King sicherlich seine grimmige Freude: was James Tynion IV (u.a. „Batman“, „Memetic“) hier abliefert, ist nichts weniger als eine astreine Monster-Story, die ihren Schrecken nicht zuletzt daraus zieht, dass wie auch oft bei King (man denke nur an „It“, „The Shining“, „Cujo“ oder jüngst auch „Doctor Sleep“) Kinder im Mittelpunkt des Geschehens stehen. Natürlich gibt es Monster, nur der Verstand lehnt das ab, weshalb nur Kinder die Viecher noch sehen können – und auch Erica, die offenbar für einen Geheimbund arbeitet, der ebenfalls die Schattenseiten der Existenz mit Hilfe eines Serums sichtbar machen kann, was vor allem Tommy – zunächst genauso ungläubig wie sein Namenspate in der Bibel – gegen Ende eindrucksvoll erleben muss. Die verschlafene Kleinstadt, über die das Grauen hereinbricht, kennen wir aus Kings immerwährenden Schauplätzen irgendwo in Colorado ebenfalls bestens.

Was Tynion der Melange hinzufügt, ist eine rabiate Kämpferin, die brachial gegen das Kroppzeug vorgeht und dabei wirkt wie eine Verbindung aus Sarah Connor, Lt. Commander Ripley und der handgreiflichen Alice aus der Resident Evil-Serie. Natürlich ist Erica Slaughter ein Deckname, ihr Ausweis ist eine offensichtliche Fälschung, irgendwer namens Aaron gibt ihr am Telefon permanent obskure Anweisungen, sie spricht mit einem Stoff-Oktopus, der irgendein metaphysisches Wesen zu sein scheint – in Archer’s Peak ist eben nichts, wie es an der Oberfläche scheint, wie das schon in Twin Peaks der Fall war. Pechschwarzer Humor darf allerdings ebenfalls nicht fehlen, wie etwa in der Szene, als Erica im Hardware-Store für ihre Attacke einkauft: als der Verkäufer stolz berichtet, er empfehle stets hochwertige Motorsägen, die im Gegensatz zu dem billigen Ramsch, der höchst gefährlich einfach weiterläuft, wenn man loslässt, sofort stoppen, entgegnet Erica ungerührt: „Kann ich die billigen Schrottmodelle sehen? Die, die sich durch alles durchfressen?“

Die Inszenierung von Werther Dell’Edera („Spider-Man“, „Dylan Dog“) fügt sich kongenial ins Geschehen und wirkt hinreichend surreal, bizarr und vor allem in den horrorgetränkten Momenten düster-atmosphärisch – vor allem der Kampf in der Monsterhöhle lehrt einen das buchstäbliche Grausen. Die Szene ist somit mehr als vorbereitet für eine furiose Serie, die vom Boom!-Verlag 2019 zunächst auf fünf Teile angelegt war, dann aber aufgrund des schon im Vorfeld abzulesenden massiven Zuspruchs auf Dauerstatus gesetzt wurde. Hier versammelt finden wir eben jene ersten fünf Teile, schön aufgemacht und ergänzt um eine Cover-Galerie sowie einen kleinen Teaser für Jeff Lemires nicht minder gruslige Reihe „Gideon Falls“. Im Original kommt die Serie mittlerweile auf 11 Ausgaben – wir dürfen uns also schon auf einen weiteren Band freuen, der bei Splitter denn auch für Juni angekündigt ist. (hb)

Something is killing the Children, Band 1
Text: James Tynion IV
Bilder: Werther Dell’edera
144 Seiten in Farbe, Hardcover
Splitter Verlag
19,80 Euro

ISBN: 978-3-96219-557-1

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