Harleen, Band 3 (Panini) | Comicleser

Harleen, Band 3 (Panini)

Juni 23, 2020

Wahnsinn, ist Liebe schön: immer tiefer gerät Harleen Quinzel in den teuflischen Sog ihres Lieblingspatienten. Beseelt vom Gedanken, ihn irgendwie heilen zu können, schlägt die Psychiaterin alle Warnungen in den Wind, schaltet bei ihren Privatsessions mit dem grünhaarigen Quartalsirren die Überwachungskameras aus und lässt sich regelmäßig in seine Arme fallen. Und als ob das nicht schon Unbill genug verspräche, greift auch noch Harvey Dent drastisch ins Geschehen ein: seit dem Staatsanwalt vor Gericht Säure ins Gesicht gekippt wurde, flüstert ihm seine böse Seite zunehmend lautstark ein, dass alle Verbrecher ein unheilbares Geschwür sind, das entfernt werden muss.

Um allen „Gutmenschen“, wie er sie verächtlich bezeichnet, ein für alle Mal zu beweisen, dass jegliche Therapie sinnlos ist, lässt er sich von diversen radikalisierten Cops, die sich als „Henker“ zusammengeschlossen haben, zur ultimativen Tat anstacheln: die Horde bricht in Arkham Asylum ein und lässt die Gefangenen frei. Das folgende Pandämonium, so Dents kranke Überlegung, wird doch wohl endgültig beweisen, wie gefährlich dieser Abschaum ist. Mitten in das ausbrechende Chaos, das auch Batman auf den Plan ruft, dringt auch Harleen in das zur Kriegszone mutierte Arkham ein, um ihren „Mr. J“ vor dem Schlimmsten zu bewahren. Als dann aber der ihr durchaus zugetane Mr. Bronson auftaucht und den Joker mit der Waffe bedroht, trifft Harleen die folgenschwere Entscheidung, die sie auf immer in ihr krankes Zerrbild Harley verwandeln wird…

Die Variant-Cover-Edition: 777 Exemplare

Mit Band 3 seiner Reihe um die Harlekin-Königin bringt Stjepan Sejic seine alternative Origin zu einem ebenso furiosen wie folgerichtigen Schlusspunkt. Die Grundidee der Revolte im Irrenhaus ist so neu natürlich nicht, das hatten wir schon in Dave McKeans Graphic Novel „Arkham Asylum“ („A serious house on serious Earth it is!“), aber Sejic verbindet diese Grundidee mit gleich mehreren denkwürdigen Wendungen. Da ist die Figur des Harvey Dent, der vom rechtschaffenen, ans Rechtssystem glaubenden Strafverfolger hin zum Prediger der Selbstjustiz und des eisernen Arms des Gesetzes wird; da ist auch Batman, der sich Vorwürfe macht, durch die Finanzierung der Wayne-Foundation Dr. Quinzels Forschungen und somit letztendlich den ganzen Wahnsinn erst möglich gemacht zu haben; und dann ist da natürlich der Joker, der sich am Ende als genau der gerissene Intrigant entpuppt, als den wir ihn kennen.

Dabei dürfen, wie immer bei „Sonnenstein“-Schöpfer Sejic, natürlich schmackige S&M-Einsprengsel nicht fehlen, wie etwa in den Fesselspielen, die Harley mit Jokers Zwangsjacke veranstaltet. Elegant bei auch die Verneigung vor dem ultimativen Joker-Epos: gegen Schluss, als sie in den Wahnsinn abgleitet, stellt Harley fest, dass alle ihre Bemühungen und ihre Forschungen und ihr Glaube ein einiger großer Witz waren, woraufhin der Joker in ihr irres Lachen einstimmt – wie weiland schon am Ende von „The Killing Joke“. So nutzt Sejic das Format der „Black Label“-Reihe sehr stimmig für eine tiefschürfende Neuinterpretation der Herkunft des Harlekin-Mädchens jenseits aller Kontinuität der restlichen Serien. Und vor allem glücklicherweise weit weg und von den jüngsten Kino-Unfällen, die die Figur anheim suchten. (hb)

Harleen, Band 3
Text & Bilder: Stjepan Sejic
68 Seiten in Farbe, Hardcover
Panini Comics
15 Euro

ISBN: 978-3-7416-1804-8

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