Silver Surfer: Black (Panini) | Comicleser

Silver Surfer: Black (Panini)

April 7, 2020
Silver Surfer: Black (Panini Comics)

Nachdem es dem kosmischen Silver Surfer gelingt, seine Kollegen um Beta Ray Bill zu retten, muss er einen hohen Preis dafür zahlen: er stürzt durch einen Riss im Raum zurück zum Anbeginn der Zeit auf einen ungastlichen, von Finsternis durchsetzten Planeten, wo er sogleich von mächtigen Wächtern angegriffen wird. Die beschützen ihren Herrn namens Knull, der sich als allmächtiger Gott sieht. Eine Weltanschauung, in der ein Wesen mit leuchtender kosmischer Kraft natürlich keinen Platz hat. Als Knull im folgenden Kampf Oberwasser zu gewinnen scheint, bekommt der Silver Surfer unerwartet Hilfe von Ego, dem noch jungen, lebenden Planeten (den Kinogänger aus Guardians of the Galaxy 2 kennen, wo er aussah wie Snake Plissken…). Doch ehe er gemeinsam mit Ego eine Strategie entwerfen kann, wie man mit vereinten Kräften Knull, den Gott der Finsternis, besiegen kann, schlägt etwas Großes auf die Oberfläche Egos und bohrt sich in dessen Kern. Etwas, das der Surfer kennt und das sich als Gefahr und Chance zugleich erweist…

Nimmt man den abgeschlossenen Band zur Hand, der alle fünf US-Hefte der Miniserie beinhaltet, fallen zuerst die Zeichnungen und die Farben auf. Und wie. Denn was Zeichner Tradd Moore hier fabriziert, ist ein psychedelischer Wahnsinnstrip in einer überbordenden, Kaleidoskop artigen Optik, die immer wieder in Staunen versetzt. Zwar schert sich Moore kaum um die menschliche Anatomie, aber wenn überlange Arme und Beine der Dynamik des Ganzen dienen, interessiert das nicht. Der Stil erinnert an halluzinogene Comics und Illustrationen der sechziger und siebziger Jahre, v.a. an die farblich ähnlichen, monumentalen Zeichnungen eines Philippe Druillet (dessen Werke beim avant verlag erscheinen und die ältere Leser noch aus dem Volksverlag kennen), die hier wohlig anklingen – nur ist Moores Stil runder und völlig frei von Ecken und Kanten. Einen großen Anteil an dem verblüffenden Gesamteindruck hat auch Star-Kolorist Dave Stewart, der bei den abstrakten, bisweilen ganzseitigen Bildern seine komplette Farbpalette einsetzt.

So gerät dieser Trip zu einer psychedelischen Achterbahnfahrt, in der auch der kuriose Marvel Charakter Ego (von Stan Lee und Jack Kirby 1966 erdacht) gewinnbringend eingesetzt werden kann. Überhaupt passt die gewaltige Story mit ihren bedeutungsschwangeren, teilweise nicht minder abstrakten Texten um Marvels großen galaktischen Chef-Grübler. Wichtige Aspekte der Vita bzw. der Origin des Surfers werden in einen neuen Kontext gesetzt, ohne dass Autor Donny Cates die lange Historie von Galactus‘ ehemaligem Herold missachtet oder gar in den Wind schießt. Während Knull, der Gott der Finsternis, den Symbionten zuzuordnen ist (Stichwort Spideys schwarzes Kostüm aus „Secret Wars“ und später der Schurke Venom), nimmt Cates direkten Bezug auf den klassischen Silver Surfer Zweiteiler „Parabel“ von Stan Lee und Moebius/Jean Giraud und inszeniert dabei einen Urkampf zwischen Gut und Böse, zwischen Licht und Schatten. Der in jeder Hinsicht beeindruckt. (bw)

Silver Surfer: Black – Gott der Finsternis
Text: Donny Cates, Tradd Moore
Bilder: Tradd Moore, Dave Stewart (Farben)
116 Seiten in Farbe, Softcover
Panini Comics
14,99 Euro

ISBN: 978-3-7416-1642-6

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