Conan der Cimmerier, Band 4 (Splitter) | Comicleser

Conan der Cimmerier, Band 4 (Splitter)

Juli 11, 2019
Conan der Cimmerier, Band 4 (Splitter Verlag)

Lange wogt sie ungleich hin und her, die Schlacht zwischen Vanir und Aesir, bis dann der grimme Vanir Heimdul als einziger noch auf dem Platze steht. Schon lauert Atali, die laszive Tochter des Frostgiganten Ymir, darauf, endlich wieder einen würdigen Krieger an die Festtafel ihres Vaters führen zu können. Da erhebt sich plötzlich ein gigantischer Schatten aus den Reihen der Totgeglaubten: Conan aus dem fernen Cimmerien fällt den sich als sicheren Sieger fühlenden alten Recken mit roher Gewalt. Das verzückt Atali umso mehr: selten sah sie eine solche Lebenskraft, einen solchen Vitalismus, den es nun zu ihrem Vater zu führen gilt. Sie offenbart sich Conan in verführerischer Gestalt und lockt ihn über das ewige Eis, immer aufreizend, herausfordernd – bis hin zu einem eisigen See, in dem sich Schicksal des Sterblichen erfüllen soll. Doch der hat wie immer andere Pläne: er befreit sich aus den Klauen der Opfer Ymirs und fällt über die Tochter des Frostgiganten her…

Mit „The Frost Giant’s Daughter“ lieferte Robert E. Howard 1932 die erste vollgültige Story ab, in der die Figur des rauen Cimmeriers eine zentrale Rolle spielt. Dem Werk war seinerzeit wenig Fortune beschienen: Farnsworth Wright, der Herausgeber von Weird Tales, lehnte die Geschichte ohne genauere Angabe von Gründen („I do not very much care for it“) rundheraus ab, so dass die Tochter des Frostgiganten in einem kleinen Fanzine namens „The Fantasy Fan“ das Licht der Welt erblickte. Aus heutiger Sicht kann die Ablehnung durch Farnsworth kaum verwundern: kaum eine Conan-Geschichte – vielleicht mit Ausnahme der „Queen Of The Black Coast“ – kreist so eklatant um den tiefenpsychologischen Konnex von Erotik und Tod.

Lasziv und aufreizend kommt sie daher und lockt Lebende in ein süßes Grab, mit der Aussicht auf ein dubioses Walhalla – es gehört nicht viel Freudianische Fantasie dazu, hier eine kaum versteckte Aufarbeitung des oft als unheilvoll und erfüllend zugleich verstandenen Eros zu erkennen. Howard bediente sich bei der Grundkonstellation wie gewohnt bei diversen Mythen, so etwa bei Thomas Bulfinchs Variante der Atalante-Sage und auch der Geschichte von Apollo und Daphne. Die Figur des vitalistischen, den Lebenswillen verkörpernden Cimmeriers steht hier, am Anfang seiner fiktiven Karriere, noch tief symbolisch für Urtriebe und auch die Fantasien, die Howards Leser (und er selbst) teilten.

Die Umsetzung durch Robin Recht (u.a. „Elric“, „Der Glöckner von Notre Dame“) kann nur noch als furios bezeichnet werden: wir erleben hier keine akribische Nacherzählung der Vorlage, sondern eine rauschhafte Bildabfolge von zentralen Motiven, in denen Gewalt, atemberaubende Landschaften, Körperstudien und vor allem die höchst erotische Figur der Atali (der Recht hier die Rolle des Ich-Erzählers überträgt, ein genialer Kniff) immer wieder auf ganzseitigen, fast gemäldehaften Panels ausgebreitet wird. Wie der britische Fantasy-Autor Michael Moorcock im Vorwort treffenderweise feststellt: selten konnte eine graphische Umsetzung den Geist einer Howard-Vorlage so kongenial erfassen. Ein absolutes Glanzlicht der Conan-Reihe, die mit „Die scharlachrote Zitadelle“ in die nächste Runde geht. Wir sind erneut gespannt. (hb)

Conan der Cimmerier, Band 4: Ymirs Tochter
Text: Robin Recht, nach Robert E. Howard
Bilder: Robin Recht
80 Seiten in Farbe, Hardcover
Splitter Verlag
18 Euro

ISBN: 978-3-96219-205-1

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