Die alten Knacker, Band 5 (Splitter) | Comicleser

Die alten Knacker, Band 5 (Splitter)

March 12, 2019
Die alten Knacker, Band 5 (Splitter)

Eigentlich wollte Mimile gemeinsam mit seinen Senioren-Kumpels in Paris das Rugby-Länderspiel zwischen Frankreich und Australien im Stade de France anschauen. Aber obwohl schon lange geplant, scheint daraus nichts zu werden. Denn die Herren Pierrot und Antoine haben andere, durchaus ernsthafte Sorgen: Antoine soll gemeinsam mit seinem Sohn auf seine Urenkelin Juliette aufpassen. Dazu muss man wissen: Vater und Sohn haben sich nicht nur aus den Augen verloren – sie können sich nicht leiden. Nun müssen sie sich wohl oder übel zusammenraufen. Derweil kommt Pierrot nach einer Protestaktion seiner Anarcho-Rentnertruppe „Augenlos und frei“ in Polizeigewahrsam. Was keiner ahnt und dadurch aufzufliegen droht: Unter dem Deckmantel einer Investmentfirma beherbergen die Senioren heimlich Flüchtlinge und helfen ihnen, in Frankreich Fuß zu fassen. Als Mimile dort eintrifft, erklären ihm die Seniorin Fanfan und dann auch Pierrot, dass selbst in der von Mimile so geliebten Südsee das Thema Flüchtlinge gegenwärtig ist. So sensibilisiert entschließt sich der melancholische Mimile zu einem Solo-Protest, der alle Aktionen von „Augenlos und frei“ mühelos in den Schatten stellt…

Band 5 der Erfolgsserie spielt erstmals komplett in Paris, wobei die Hauptpersonen weitestgehend ihr „eigenes Süppchen kochen“ und daher kaum gemeinsame Szenen haben. Jeder ist mit sich, bzw. mit seinen Angelegenheiten beschäftigt, wobei das Hauptthema bei den Flüchtlingen liegt, die man heimlich beherbergt und unterstützt. Während Antoine zum Wohle seiner Urenkelin sich mit seinem Sohn arrangieren muss (nach einem von Enkelin Sophie erzwungenem Treffen), widmet sich Pierrot mit seinen Senioren ganz dem Wohl der heimlich untergebrachten Flüchtlinge und macht dabei Bekanntschaft mit einer Polizistin, die ihn als Kind schon kannte. Und der der arme Mimile, der als Einziger zum Vergnügen in der Stadt ist, weiß erst nicht wie ihm bei all dem geschieht. Eigentlich will er nur das Spiel schauen – zur Not auch alleine – und freut sich auf die Südseetänze (wie den Haka!), die vorher aufgeführt werden (Mimile spielte bekanntlich auf Samoa einst Rugby). Dann erfährt er vom Flüchtlingselend auf Nauru (dort unterhält Australien ein berüchtigtes Flüchtlingscamp) und startet spontan eine bemerkenswerte Aktion, während der er die Nationalhymne des kleinen Inselstaates rezitiert.

Die alten Knacker, Band 5 (Panel)
Mimile is inda house

Nach „Die Zauberin“, wo es um ein seltenes Insekt und ein nicht realisiertes Bauprojekt in der französischen Provinz ging, ist der neue Band komplett anders. Zuerst greifen Lupano und Cauuet das stets aktuelle und brisante Flüchtlingsthema auf, wobei die Senioren wieder einmal mit ihrer Cleverness punkten und ihr Alter schamlos „ausnutzen“. Und da in ihren Augen die Fremden nur eine Chance haben (und um Ressentiments vorzubeugen), wenn sie gepflegt aussehen und gut gekleidet sind, werden sie in der getarnten Senioren-Zentrale entsprechend ausgestattet, beispielsweise mit Hugo Boss Anzügen, die vom Laster gefallen sind… Und während Pierrot zeigt, dass er auch ein Anarcho-Herz für Polizisten haben kann, verfolgt Juliettes Mutter Sophie ganz eigene Pläne. Zum einen will sie das Vater-Großvater Verhältnis kitten, zum anderes sucht sie jemanden auf – in einer nicht minder privaten Angelegenheit. Allgegenwärtig ist wie immer der fein ausbalancierte facettenreiche Humor, der dramatische Entwicklungen auffängt und dabei hilft, ernste Probleme zu veranschaulichen. Natürlich dürfen Situationskomik und Gags auf Kosten der Alten nicht fehlen, aber auch das geschieht nie geschmacklos. Fazit: Wunderbar, wie immer. (bw)

Die alten Knacker, Band 5: Reif fürs Asyl
Text: Wilfrid Lupano
Bilder: Paul Cauuet
56 Seiten in Farbe, Hardcover
Splitter Verlag
14,80 Euro

ISBN: 978-3-96219-216-7

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