Die alten Knacker, Band 4 (Splitter) | Comicleser

Die alten Knacker, Band 4 (Splitter)

January 19, 2018

Saga Pedo, die Große Sägeschrecke, in Frankreich die Gezackte Zauberin genannt, ist eines der größten und seltensten Insekten Europas. Und genau diese Spezies scheint sich auf den Wiesen pudelwohl zu fühlen, die die alte Berthe dem Pharmaunternehmen Garan-Servier im letzten Band verkauft hatte. Auf diesem Land will sich die Firma signifikant vergrößern, wodurch neue Arbeitsplätze entstehen sollen, die in der ländlichen und strukturschwachen Region dringend benötigt werden. Nachdem die Insekten-Population bekannt wird, errichten Umwelt-Aktivisten ein Protestcamp auf dem Gelände. Man will die Expansion des Konzerns zugunsten des Natur- und Artenschutzes verhindern. Sehr zum Ärger Antoines, der noch zunimmt, als sein alter (im wahrsten Sinne) Kumpel Pierrot mit seiner skurrilen, anarchischen Seniorentruppe auftaucht, um gegen Garan-Servier mitzumischen (Mimile, der dritte der „Alten Knacker“, weilt ja bekanntlich in Schottland). Vordergründig. Aber eigentlich verfolgt Pierrot – und nun auch Antoine – einen ganz anderen Plan. Denn auf dem Gelände soll ja bekanntlich noch ein Schatz vergraben sein…

Die „Affäre“ um die Zauberin bildet das zentrale Thema des Albums, bzw. dessen Aufhänger, durch den sich etliche Situationen und Episoden ergeben, in die das komplette Figuren-Ensemble Generations übergreifend verwickelt ist: Berthe ist durch den Landverkauf jetzt reich und wird von einem vermeintlich Unbekannten (wir wissen, wer es ist!) umworben. Sophie betreibt erfolgreich ihr Marionettentheater „Der Wolf im Slip“ und wird dabei von ihrem Vater Antoine unterstützt. Später lernt sie einen attraktiven Aktivisten kennen, der sich als Sohn von Jojo entpuppt, welcher wiederum ein alter Freund ihres Vaters ist. Dann wird das lange von Sophie gehütete Geheimnis um den Erzeuger ihrer Tochter gelüftet – was es mit ihrem Vater auf sich hat und warum der den persönlichen Kontakt mit ihr meidet, wissen wir dagegen noch nicht. Und die drei Lausbuben sind auch wieder mit von der Partie, die als Running Gag in jedem Album ein Videospiel im echten Leben nachspielen – diesmal ist „Pflanzen gegen Zombies“ an der Reihe, wobei die Zombies die Alten rund um Pierrot sind.

Apropos Pierrot. Dessen formidable Oldtimer-Truppe „Augenlos und frei“ sorgt einmal mehr für die schrägsten Szenen. Wieder trägt Autor Wilfrid Lupano (“Ein Ozean der Liebe”) hier etwas dick auf, nur hier finden sich überdrehte Senioren-Klischees, die karikaturartig zum Tragen kommen. Aber Charaktere, wie Jean-Schitt, der seinen Spitznamen genau deshalb bekam, wonach er klingt, oder „Das Zebu“, ein in diesem Band erstmals auftauchender, rüstiger Fremdenlegionär, bei dem 30 Jahre Truppenzugehörigkeit nicht nur optisch Spuren hinterließen, sind einfach der Kracher. Dabei geraten die Witze bisweilen durchaus derb, ohne jedoch zu verletzen. Lupano macht sich auf eine liebevolle Weise über die Alten lustig, ohne plump zu wirken oder rührselig und gar kitschig zu werden (wie das in einschlägigen Filmen mit, bzw. über Senioren, wie „Archie und Harry“ oder „Space Cowboys“ gerne der Fall ist). Man kappelt sich, man streitet sich, scheinbar unversöhnlich. Und doch weiß man, dass am Ende alles wieder gut wird. In dem Städtchen, dass voller Don Camillos und Peppones steckt.

Im Zentrum der Serie stehen die drei „Alten Knacker“, drei uralte Freunde: Antoine, der nie fortging. Pierrot, der alte Revoluzzer, der in Paris mit skurrilen Aktionen immer wieder für Aufsehen sorgt (wir erinnern uns an die „Bienen“ in Teil 3). Und Mimile, der Stille, der früh aus gutem Grund (wie wir jetzt wissen) sein Heil in der Ferne suchte. Im Grunde erzählt die Reihe eine durchgehende Geschichte, die sich in Episoden aufteilt, in denen meist ein Teil der Vergangenheit der drei alten Herren aufgearbeitet wird. So erfährt Antoine in Band 1, dass er lange Jahre von seiner verstorbenen Frau betrogen wurde. Später sucht Pierrot seine vermeintlich wieder aufgetauchte Jugendliebe und dass auch Mimile mit seiner Vergangenheit zu kämpfen hat, wissen wir seit Band 3. Gegenpol der drei ist die junge Sophie, die nach unglücklich verlaufenden Liebschaften nun in der Heimat mit dem fahrenden Puppentheater ihr Glück gefunden zu haben scheint. Daneben schickt Lupano viele Charaktere ins Rennen, die alle klar umrissen und von Paul Cauuet liebevoll entworfen und in Szene gesetzt werden. In dieser letztendlich doch heilen Welt, in der sich alles zum Guten fügt. Zur Freude der Leser. Denn „Die alten Knacker“ sind nicht nur in Frankreich ein Bestseller. (bw)

Die alten Knacker, Band 4: Die Zauberin
Text: Wilfrid Lupano
Bilder: Paul Cauuet
56 Seiten in Farbe, Hardcover
Splitter Verlag
14,80 Euro

ISBN: 978-3-95839-150-5

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