Gaston: Galerie der Katastrophen (Carlsen) | Comicleser

Gaston: Galerie der Katastrophen (Carlsen)

July 3, 2018

Bereits im letzten Jahr feierte André Franquins chaotischer wie liebenswerter Redaktionsbote Gaston (im Original „Gaston Lagaffe“) seinen 60. Geburtstag. Zu diesem Anlass erschienen im Spirou-Magazin das ganze Jahr über Hommagen an die Kultfigur, der verschiedensten Art und Weise, geschaffen und interpretiert von diversen Zeichnern, bekannte und (zumindest hierzulande) unbekannte. Jetzt werden diese Hommagen in gesammelter Form auch bei uns veröffentlicht, als zweiter Einzelband nach „Glückwunsch, Gaston!“, der einen Querschnitt durch die Eskapaden, Erfindungen und auch durch die Schaffensperioden Franquins bot.

Der Reiz dieser Hommagen besteht einerseits in den unterschiedlichsten Herangehensweisen an den Klassiker und natürlich in der optischen Interpretation. Einige Künstler stellen sich ganz in die zeichnerische Tradition von Franquin. Am einfachsten und gleichzeitig eindrucksvollsten gelingt das natürlich gleich zu Beginn dem aktuellen Kreativteam von Spirou & Fantasio, Zeichner Yoann und Autor Fabien Vehlmann, aber auch Olivier Pont („Jenseits der Zeit“, „7 Frauen“), Fabrice Tarrin (der ja auch schon einen Spirou & Fantasio Spezial-Band schuf) oder Delaf zeichnen ganz nach Art des großen Meisters. Das Gros der „teilnehmenden“ Künstler bevorzugt dann aber verständlicherweise seinen eigenen Stil, womit wir zu den verschiedenen Herangehensweisen kommen.

Hier spalten sich die Beiträge in zwei Lager. Zum einen werden Gags und Katastrophen präsentiert, wie wir sie aus der Serie kennen, wieder ganz im Stile Franquins. Bevorzugtes Opfer ist dabei natürlich der ewige Pechvogel Bruchmüller, dessen geplante Unterschrift auf den nicht näher benannten Verträgen stets durch Gaston – meist natürlich rein zufällig – torpediert wird. Aber auch Demel, Gastons Vorgesetzter (und der Nachfolger von Fantasio – Franquin tilgte nach und nach alle Elemente und Personen aus dem Spirou Universum, da er die alleinigen Rechte an Gaston behielt) wird immer wieder zum Opfer (inkl. seinem kultigen „Rogntüdüüü“) und natürlich kommt auch das berüchtigte Gastophon zum Einsatz. Nur Polizist Knüsel samt Gaston-Kultautomobil werden dabei sträflich vernachlässigt.

Zum anderen – und das ist weitaus interessanter – begegnen wir hier zahlreichen Beiträgen über die Serie, teilweise mit Comic-historischem Augenzwinkern (Goscinny und Uderzo!), teilweise auch persönlicher Natur, eben wenn Étienne Lécroart schildert, dass alle Gags, die mit einem Abfalleimer machbar sind, bereits von Franquin in seinen Gaston-Strips verarbeitet wurden (inkl. der Nummernangabe) oder wenn Funny-Zeichnerin Aude Picault durch die Gaston-Alben einen gemeinsamen Nenner zu ihrem ansonsten aufbrausenden Vater findet. Eine der schönsten Hommagen, gleichzeitig warmherzig und trotzdem typisch anarchisch Gaston, steuert Frank Pé (auch er zeichnete bereits einen Spirou Spezial-Band) bei, Zeichner von „Zoo“ und „Jonas Valentin“, indem er einen gealterten Gaston mit seinem Schöpfer Franquin direkt in Verbindung bringt.

Neben Frank Pé liefern noch andere Hochkaräter Arbeiten zu dem Band ab, darunter José Homs („Die Millennium Trilogie“ und aktuell „SHI“), Tebo („Die jungen Jahre von Micky“), Alessandro Barbucci („Sky Doll“, „Ekhö“), Lewis Trondheim und Olivier Schwartz (beide ebenfalls Spirou Spezial erfahren). Andere fehlen leider, Spirou-Veteranen wie Jean-Claude Fournier oder Tome & Janry (wobei José Luis Munuera dabei ist, der zuletzt mit dem Zyklotrop Solo-Band in die Welt von Spirou zurückkehrte). Im Original wird der Band in zwei Varianten angeboten: Jene, die nun bei Carlsen erschien und als erweiterte Ausgabe, mit inkludierten Portraits und Interviews der beteiligten Zeichner. Das wäre auch für die Deutsche Leserschaft fein gewesen, sind doch etliche der präsentierten Künstler hierzulande noch gänzlich unbekannt. (bw)

Gaston: Galerie der Katastrophen
Text & Bilder: Yoann, Fabien Vehlmann, Olivier Schwartz, Frank Pé, Blutch,
Lewis Trondheim, José Homs, José Luis Munuera, Alessandro Barbucci u.v.a.
64 Seiten in Farbe, Hardcover
Carlsen Verlag
14,99 Euro

ISBN: 978-3-551-72970-5

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